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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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halten. 5o sei es dahin gekommen, meint Achmet, da� Ru�land nnd Frankreich sich vereinigten, �um Friedrichs
weitausgreifenden Unternehmungen ein Ziel zu setzen und ihn auf Me Stufe, worauf er ehmal stand, zur�ckzuf�hren
und um Vcsterreich Hilfe zu leisten".' Ueberraschend hoch sch�tzt er in diesem Zusammenhange die Vedeulung des
Neberfalles von Erlitt im 3a^?rc l^� und dessen IVirkung auf A�nig Friedrich ein: �Hierdurch ward nun sein
hochfligender Mut und die feine Feinde z�hmende Gewalt um vieles herabgestimmt."
Aus Friedrichs bedr�ngter tage erkl�rt Achmet seine Ankn�pfung mit der Pforte: �Viewohl mm der
A�nig durch festes Ausharren und Tapferkeit sich unter Seinesgleichen gro�en Namen und Ruhm erworben, so mu�te,
er doch als untergeordneter F�rst, der mit seinem Obcrherrn den Arieg begann, 2 zu irgend einer gro�en Macht feine
Zuflucht nehmen." �chon langst hatte er D�nemark und f)olen, Holland, England und Schweden �um die glorreiche
Ehre ihrer Verbindung mit der Hohen siforte" beneidet. Nach dem Worte: �Wer da klopfet, dem wird aufgetan",
wurde auch ihm �das Tor allerh�chster Manischer Gnade" ge�ffnet. �Sein Gesandter brachte nach Gebrauch an
der Schwelle der Hohen Pforte seine ehrfurchtsvolle Huldigung, kostbare Gaben und die untert�nigste Bitte dar, da�
durch Abschlie�ung eines Tractats von Freundschaft und gutem Vernehmen mit der Hohen Pforte er und seine Nach-
kommen unter Europas A�nigen r�hmlichst ausgezeichnet werden m�chten." Die Folge war der Freundschaftsvertrag
von der, als der Arieg zu Ende, im Verein mit der Thronumw�lzunZ in Ru�land und mit Vesterrcichs
Ersch�pfung dazu beigetragen hat, den Frieden oder, wie Achmet sich bezeichnender Weise korrigiert, den Waffen-
stillstand bisher zu verl�ngern; denn nach wie vor, so betont er immer wieder, bleibt Schlesien �ein steter Zankapfel
und Aricgsbrand", ist dieses kand doch �der Stolz und das R�ckenmark der �sterreichischen Alacht", ein �Vrockcn,
dessen Verlust sich nicht so leicht verdauen l��t". Nnd so �tr�sten sich die Vesterreicher mit dem Gedanken, da� bei
g�nstigeren Zeiten sie noch zu dem Vesitz dieses kandes gelangen k�nnen; allein f�r Preu�en", so f�hrt Achmet aus,
�w�rde die R�ckgabe desselben nicht nur mit Schande, sondern auch mit dem Verluste aller feit 25 Jahren angewandten
M�he verbunden sein." Daher ist �der K�nig Tag und Nacht darauf bedacht, zahlreiche Heere ins Feld zu stellen,
und gezwungen, immer auf Schlesiens Verteidigung zu denken."
Ali!diesen Worten schlie�t der Reisebericht des Gesandten. Sie enthalten zugleich das Fazit seiner Verachtung
�ber Preu�ens politische Vergangenheit und Zukunft.
Friedrich selbst nun erscheint ihm als der �neue Reicheftifter und Dynastien-Gr�nder", und er zeichnet sein
Charakterbild mit wenigen Strichen in gro�em Umri�: �Der A�nig ist in den Wissenschaften unterrichtet und vor-
z�glich in der Geschichte bewandert. Tag und Nacht studiert er die Taten Alexanders, Timurs und anderer gro�er
Reichestifter und wandelt in ihren Fu�stapfen in allen zum Ariege geh�rigen A�nsten und kisten." In der �Ariegs- und
Regierungskunst" sei er ein Meister, sowohl in Prosa als in Versen zu schreibe?! ge�bt und in allen Feinheiten der Poesie
erfahren. 2 Auf der anderen Seite spricht Achmet dem A�nige Treu und Glauben ab. Die Charakteristik gipfelt in dem
Satze: �Alle seine Gedanken sind auf die Erweiterung seiner L�nder und auf die Vergr��erung seines Ruhms gerichtet."
wie unzutreffend das Vild des uners�ttlichen Eroberers auch ist, das Achmct zeichnet, es liefert einen sprechenden
Vcweis f�r die Tiefe des Eindrucks, den Friedrich auf die T�rken machte. Sie bewunderten seine Erfolge,
wenn sie auch nicht das Verdienst an diesen ihm allein beima�en, fondern glaubten, darin den Orientalen nicht ver-
leugnend, sie gr��tenteils seinen astrologischen Berechnungen zuschreiben zu m�ssen, die ihn in den Stand gesetzt h�tten.
1Noch t?5fi glaubte Achmet, da� Frankreich und Ru�land nur �Zuschauer" zu bleiben gedachten, um, sobald Maria� Theresia
unterl�ge, sich ouf ihre Rosten Zu bereichern. � Auf einen Irrtum des Dolmetschers ist wohl zur�ckzuf�hren, da� Achmet, wie Archenholtz
erz�hlt (�Geschichte des Siebenj�hrigen Krieges", Vd.2, 5.2(2 Ann,.; Verlin W93), <76<5 einen preu�ischen Offizier fragte, �ob im Siebel!"
j�hrigen Kriege die schweben nicht die f�rchterlichsten von allen Feinden der Preu�en gewesen w�ren".
�
a Man sieht, da� Achmet das
Verh�ltnis eines Pascha juin Padifchah, dem Gro�herrn, vor Augen hat. � 8 �Va prosaischer sowohl als poetischer Stil ein getreuer
IMmetfd} des Verstandes des Schreibers ist", bringt Achmet zwei Proben: ein Schreiben, bas Friedrich angeblich nach dem Hnbertusburger
Frieden an �Theresia gesandt hat, �in der Absicht, sie mit Sorglosigkeiten einzuschl�fern", und eine poetische Antwort auf die
Mahnung, die ein �Dichter nnd Philosoph und alter Freund" an ihn richtete, Frieden zu schlie�en. Aber beide Proben sind F�lschungen;
in der poetischen Epistel findet sich allerdings an einer Stelle ein fl�chtiger Anklang an Friedrichs oben 3. 23 erw�hntes, ber�hmtes
Gedicht an Voltaire.
        
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