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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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letztere waren mit Audienzm�utelu �hnlichen Gew�ndern aus Seide und loteten Ct�lftoffeu bekleidet, und hielt ein
jeder ein einem 2neufd?enautiit> �hnlichem Cucfj vor sein Gesicht, so da� einer den andern nicht erkennen formte. Nur
durch das sprechen und die Belegungen ini gro�en Saale ist es m�glich, sich gegenseitig zu erkennen. Ein jeder
nimmt &a die Dame, welche ihn, gef�llt, bei der Hand, und w�hrend zwischen ihnen jede Etikette aufgehoben ist, be-
wegen fie sich drehend und schaukelnd lange Zeit im Saale herum, sich ganz der Freude und den, Vergn�gen hingebend.
In der �Neinuug, unerkannt 511 sein, glauben fie, Arm in Ar,n �berall hingehen 511 k�nnen."'
Endlich fehlte es auch nicht an milit�rischen Schauspielen, In Potsdam sah Achmet, wie er schreibt, eine
�Revue"; aber es handelte sich wahrscheinlich nur um die t�gliche Wachtparade. In Merlin lie� ihm Friedrich von
Infanterie und Kavallerie, imGarten des Vernezobreschen
palais, wie auf dem Ererzierplatz im Ciergarten, ?�Tan�per
vorf�hren,' Wunderliche Oorstelluugen bildeten sich indes
im Kopfe des Gesandten �ber bas Gffizierkorps und
�ber Tebcn und Dienst der Soldaten. Nicht nur Geburt,
wie es ja tats�chlich der Fall war, sondern auch Sdj�n-
heit pr�destinieren nach ihm 511111 Gfsizier^dieust. Die
�Adligen und Generalss�hne" werden auf �besonderen
Instituten", unter denen das "Ka�etleuForps wohl 1511 per
stehen ist, erzogen, um, sobald sie herangewachsen, in die
Armee einzutreten und sofort in �F�hnrichs , Leutnants
oder l^auptmannsstellen" einzur�cken. Nnd, f�hrt er fort,
�wo sich nur immer ein sch�nwaugiger, hochst�mmiger
J�ngling findet, wird er 511 solchem Vffiziersdienst aus-
ersehen." Ferner, welche Auffassung des Dienstes, wenn
er erz�hlt, da� die Soldaten �T^ag und Nacht von Festung
511 Festung, von Wache zu l�achf" getrieben und �zu
gewissen Zeiten", d. h, w�hrend der j�hrlichen Fr�hjahrs
ererzitien, in den Waffen ge�bt werden. l)ier lernen fie
�die �??usfeteu halten, schnell laden und schie�en, einer
gleich in Reih und Gliedern stehen, im �l�arfd^c
gleichen schritt halten, ohne Hct^ und Glieder zu unter
brechen". Va sie angeblich auch �u�erst schlechte ver
pfleguug empfingen, konnte das Ceben eines preu�ischen
Soldaten �mit der Muskete in der Hand, der patron*
taschc auf der Seite, wenig im Vauch, viel auf dem
.lldjmct t?fffiii>iBiifia Bottjfd;afftet Der Olt�iiiatilfdien pfoirte un t^fii
R�cken", der auf Vefehl dieser jungen Offiziere marschieren mu�te, �ohne imstande zu sein, nach eigenem IDUIcn
zu handeln", dem T�rken nicht anders als �best�ndiger Frondienst" erscheinen. Der Vegriff straffer milit�rischer
Disziplin blieb eben dem Orientalen v�llig unverst�ndlich. Nachdem er kurz erw�hnt, da� die Soldaten m ihrer
dienstfreien Handwerk treiben oder sonstiger Nebenbesch�ftigung nachgehen durften, schildert er endlich die 2Na�-
nahmcn, die Zur Verh�tung der Vesertion getroffen waren, sowie die darauf stehende Strafe des Spie�rutenlaufens,
welcher der wiedereingebrachte Fl�chtling verfiel.
Nur um einzelne Z�ge, um einzelne Veobachtungen Achmets handelte es sich bisher. Vas Gesamtbild, das
er von Verlin, wie von dem A�nige entwirft, soll uns im folgenden besch�ftigen.
' l\jl.Vollbild,S. 29f. -- 2 l\jl.�Reiben , Staats- lind �cbeiisgef(^irtjtc", 33�>. 8, r-. 65.
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