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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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lief wich durch den Hofdolmetscher Frangapulo versichern, da� er niemals ein so gro�es Vergn�gen und Freude
gehabt h�tte als �ber dieses k�nigliche Geschenk. Va alles ausgepackt un& um ihn herum aufgestellt war, stand er
auf und neigte sich tief, setzte sich wieder, und ich mu�te neben ihm sitzen, eine Casse Kaffee trinken und aus einer,
von feinem pagen mir vorgehaltenen alten Schachtel etliche St�ckchen schmutziges Zucker-Gebackenes zu mir nehmen.
Er sprach viel mit mir durch seinen Dolmetscher vom t�rkischen Geschmack und wie sehr das echte Porzellan zu
Konftantinopel und in der ganzen T�rkei geliebet und gefettet w�rde. Dabei gab er mir die gewisse Versicherung,
der Manufaktur nach feiner Zur�ckkunft einen guten Absatz ihrer A)aare zu verschaffen � eine von den Versprechungen,
die man", wie Grieuingcr kritisch bemerkt, �von den Orfeii gegen ein Geschenk gar leicht erhalten kann."
Am 2!.. Dezember fand auf Friedrichs Vefehl eine au�erordentliche Atzung der Akademie der Wissenschaften
statt. Feierlich bewillkommnet und zu einem Sessel geleitet, zog Achmet es vor, auf dem Cisch plal-s zu nehmen,
hinter dem Formey. der st�ndige Sekret�r, dem wir auch eine anschauliche Schilderung dieser Sitzung verdanken/ sa�.
Der Naturforscher 2Narggraf begann mit chemischen Experimenten, deren eins darin bestand, durch Mischung von
Essenzen verschiedene F�rbungen des Wassers zu erzeugen. Da warf, nach dem Bericht des gleichfalls anwesenden
Grafen kehiidorff, Achmet die Frage auf: �Ja, wozu n�tzt denn das? besser w�re es doch, wenn mau Wasser machen
k�nnte, statt da� man ihm Farben gibt/' Darauf wurde die ?uftpumpe, endlich eine Elektrisiermaschine vorgef�hrt.
2T7an elektrisierte einen der Begleiter des Gesandten, seineil Narren, dessen Grimassen und Gliederverren ihn
sehr belustigten. Das gr��te Interesse erregte aber bei ihm doch ein kartesicmisches Ceufelchen, so da� es ihm zum
Geschenk gemacht wurde. Dann folgte noch eine Vesichtigung des Naturalien -Kabinetts. Da indessen die Sitzung
schon drei Stunden gedauert hatte, konnte eine aus Anla� dieses Tr�ges von Francheville verfa�te Denkschrift �mit
curieuse� Anmerkungen �ber den Ursprung der T�rken" dem Gesandten nur �berreicht werden.?
�Zur Zeit der langen Mittern�chte," nach Achmets Ausdruck, d< h. AAtte Dezember kam der A�nig wie
allj�hrlich nach Verlin, um hier bis Ende Januar des folgenden Jahres seinen Aufenthalt zu nehmen. Nunmehr
begann der Aarneval, der sein feststehendes, von Friedrich geregeltes Programm hatte. Auch die C�rken beteiligten
sich, nach kehndorffs Zeugnis, 3 lebhaft an den Festlichkeiten: �Der alte Gesandte bewahrte immer seine Iv�rde und ist
nur ein einziges INal im Schauspiel gewesen." Es war am l^.Dezember, als auf dem Schlo�theater in Gegenwart
des gesamten Hofes von der Aoch'schen Truppe die komische Gper: �Iportenwsi �eUa K^wi-a" auf-
gef�hrt wurde. Achmet beschreibt den Eindruck, den er von der Vorstellung empfing: �tanzende M�dchen und
2Nimiker spielten und sprachen von kicbe und leiteten die Geschichten zwischen den kicbenden zu einem guten Schlu�.
Viswcilen wurden diese Spiele durch fr�hlichen Gesang unterbrochen." * Drei Cage sp�ter folgte eine Redoute im
Gpernhause. Zu Sylvester gab Prinz Heinrich der A�nigin und dem Adel einen Vall en ciominc�. Auch hier sind
die T�rken zu Gaste, und Achmet schildert die Redoute: �Die W�rdentr�ger und viele Damen waren zugegen.
1Formey, �Souvenirs d'un citoyen", Bd.II,S. 245 ff.(Vcrlin \7H*)). Vgl.auch �Helden-, Staate* und lcbensaeschichte", B�. h, 3. 65 ff.
und lehndorff, S. 468. � 2 Heftig ereifert sich Diez i,tn der (Einleitung 311 Achmets �wesentliche Verachtungen". S. f.) gegen diese Venkfchrift,
in der Franchemlle die in alten Chroniken des 7.Jahrhunderts ausgesprochene Ansicht behandelt, da� die d�rren von den raufen abstammten.
Nicht nur, so f�hrt er aus, da� diese Ansicht falsch, da� der Harne �T�rke" fur Achmet beleidigend fei, da die Nation nach dem Stifter
ihrer Monarchie sich Gsmancn nenne, sondern Achmrt werde auch gelacht haben, da� man ihn in Berlin �ber don Ursprung der T�rken
belehren wollte. Dann aber legt Dicz auch dagegen Verwahrung ein, da� man Achmet als �b?te" charakterisiert habe; denn es fei unrecht,
einem Manne lvcrt und verstand abzusprechen, �l'on bem man weiter nichts gewu�t, a?s was man ihm �u�erlich angesehen", und der
durch feine �Gleichg�ltigkeit" verraten habe, da� er die �Konzerte, Kom�bien, VAlle, Assembl�e�, Elektrisierungen und andere physische
Experimente und wie sonst die �u�ern Denkm�ler unserer ger�hmten Kultur und Aufkl�rung weiter hei�en m�gen, welche man ihm der
Aeihe nach zur 3chau aufgestellt hat", nur als �Spielereien" betrachtete, �welche er niemals nachgemacht haben w�rde". Aehnliche Nritik
�bte ja auch der K�nig in feiner CDbe �lieber die Reputation" (vgl. oben 3. 20 Anm. 2) und in feinen an prinj Heinrich gerichteten
Briefen (i>al. oben 5. an den Berlinern, und ebenso prin3 Heinrich in seiner Antwort an den K�nig �0111 27. November 1763, wo
er schreibt: ,,I-a plupart des personnes qui vont voir l'ambassadeur, ne s'instruisent pas des m?urs, tle la langue ni <.!�.<; usages des Turcs;
ils reviennent chez eux et n'apportent d'autres lumi?res que celles que peut donner le spectacle d'un homme assis en longue robe et les
jqmbes crois�es, d'un turban et de tapis de Perse. Le plus curieux serait de les questionner beaucoup, de conna�tre par soi-m?me quels
sont leurs pr�jug�s, s'ils ont cl� la finesse dans les affaires qu'ils recherchent, et s'ils �rit des notions des choses abstraites" (?uvres,
Vd. 26, 5. 297).
�
8 5. � * val. Volland, 5. 29.
        
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