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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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dauern, dann werde man den T�rken satt haben und ungeduldig feine Abreise erwarten. Aber er, er habe die AosteN,
die monatlich auf 7000 Caler sich beliefen, zu tragen, und so verglich er sein Schicksal mit dem des Harlekin, der f�r
alle pr�gcl, die er einheimse, auch noch zahlen muffe.1
Ermahnte Friedrich scherzhaft den f)rinzen Heinrich, sobald er nach Verlin fam�, eine t�rkische Ali?ne aufzusetzen/
um auf der H�he der 2Node zu sein, so erkl�rte er, da� er nach Potsdam wieder zur�ckkehre, um nicht selbst sein
bi�chen Verstand, das er habe, zu verlierend Auf feinen Wunsch folgte ihm in einigen Tagen auch Achmet dorthin,
und er hatte mit ihm ein wichtiges politisches Gespr�ch, auf das wir sp�ter zur�ckkommen werden. Dieser Vesuch
veranla�t ihn nommais, in feiner Korrespondenz mit Heinrich auf die T�rken einzugehen. �2T?amamoucr;i ist hierher
gekommen," so schrieb er am H. Dezember/ �der alte tEffenoi findet viel Geschmack an Schauspiel und Jagd; beides
habe ich f�r ihn veranstalten lassen, und es hat ihn� viel Freude gemacht. Ich habe Spahis zu Pferde steigen
sehen, was mich an die Rosaken erinnert." Dann, einen vergleich zwischen der Vev�lkerung des Abend- und
Morgenlandes ziehend, erkl�rte er: �Unsere europ�ischen V�lker sind in gro�em Dorteil vor den Asiaten und den
Vewohnern der �brigen Erdteile. Wir sind genierbstatiger, gebildeter als sie, und fennen wir auch nicht den Urgrund
aller Vinge" � es ist der Philosoph, der hier zu Worte kommt, � �so wissen wir doch Hunderlmal niehr a?s alle
diese Leute zusammen genommen."
Auf sechs war der Aufenhalt Achmcts in Verlin berechnet. Er erhielt, wie er in seinem Reisebericht
erz�hlt, eine Autsche, �um alle Verter nach Wohlgefallen zu besehen; auch wurde den Gro�en zu verstehen gegeben,
da� sie uns einladen und Ehre erweisen sollten." 3o begegnen wir ihm �berall in der Hauptstadt/ Er weilte als
Gast in den H�usern der W�rdentr�gers Er besuchte die Realschule und wohnte dem Unterrichte und einem Examen
bei. der Ierusalemerkirche h�rte er 2Nusik und predigt. Er besichtigte die Zuckersiedereien, die Saffian-, die
Gehmigkcsche Tuchfabrik, die k�nigliche wo vor seinen Augen �vier schwere St�cke" gegossen wurden, und
die porzellanmanusaklur, die letztere zu �fteren Malen. Sein Urteil �ber ihre Leistungen war, da� sie �wohl in einigen
Jahren es mit der s�chsischen aufnehmen d�rfte". Vei einein Besuche bestellte er �verschiedenes Porzellan in chinesischem
Geschmack", nach dein Grundsatz, wie der Direktor der Manufaktur, Griemnger, in seinen Aufzeichnungen erz�hlt:"
�Je dicker und schwerer die Porzellane, je sch�ner und vollkommener" erschienen sie ihn,. Der Aonig lachte, als
Grieninger die in Auftrag gegebenen Sachen ihm zeigte, ��ber ihre Schwere" und befahl, sie nebst anderen St�cken,
�an welchen der Gesandte sein vorz�gliches Wohlgefallen gehabt h�tte", als Geschenk ihm zu �berbringen. H�ren wir,
wie Grieninger dieser Weisung nachkam: �Da ich mich melden und dabei sagen lie�, da� ich auf h�chsten Vefehl
Seiner Majest�t des K�nigs an den Herrn Gesandten etwas zu �berreichen h�tte, wurde mir eine Stunde bestimmt,
in welcher ich kommen sollte. Der Vetter (vielmehr: Neffe) des Gesandten, ein sehr sch�ner und gesitteter junger T�rke,
mit dem Reise^Stallmeister, dem Hofmeister, und ein Dolmetscher empfingen mich beim Eingang in das Vernezobresche
Palais und f�hrten mich zu dem Gesandten, der auf einer drei Stufen hohen Estrade, die mit Scharlach beleget war,
sa� und etliche von seinein Gefolge hinter sich stehen hatte. Ich wurde auf das freundlichste empfangen, und sobald
ich mich des k�niglichen Auftrages entledigt hatte, mu�ten die vier gro�en A�rbe voll Porzellan ins Zimmer gebracht
und vor ihm ausgepackt werden. Er betrachtete ein St�ck nach dem andern aufs genauste, k��te viele derselben und
1 ?er K�nig au Prinz Heinrich, 3., \%., 2;. November und (2. Dezember (?uvres, Vd. 20, 5. 293. 2(j5f. ,>. 2�,�,); an die
K�nigin Ulrike, 28. November i?65 und 4. Februar U61 (p, C. 23, 197 u. 268).
� *
Her K�nig au Prinz Heinrich, 2U November
und 12. Dezember 5?62: ?uvres, 2Zd. 26, 3. 2�)6 u. 23?. � 3 vgl. ?uvres, �?�>. 26, 5. 298.
� * F�r n�here Einzelheiten vgl. �Helden
Staats" und lebensgeschichte Friedrichs des Andern", Vd. 8, 3. 65f. u. 460ff. (Frankfurt und Leipzig, \7b6).
� B Besonders zeigte
Achmets Neffe, �ein junger Mann voller Feuer," eifriges Bestreben, �unsere Vr�'uche kennen 311 lernen. i?r hat schon" wie lehndorff
bald nach seiner Ankunft erz�hlt (S- 566), �bei mehreren Herrschaften in der Stadt soupiert und scheint sich in unsercn Gefellfchaflen
recht gut zu gefallen." wenn die von der Karschin dem Obersten von Anhalt gewidmete �be �Das t�rkische Vacchusfest" (a. a. �V..
S. 63 ff.) nicht eine poetische Fiktion ist, scheint das Treiben bisweilen recht bunt gewesen zu fein; der junge Achmet wird darin als
der �sch�ne G�tterschenke" gepriesen. Nach dem Zechgelage zog die Kavalkade mit Fackeln durch die Stra�en Berlins, vorauf Anhalt;
�Euch," so ruft die Dichterin ihm 311: �Euch folgten alle (Curknitr�ger, Zentauren w�ret )hr und lieft au allen T�ren Sturm."
�
"
vgl. fff^ottcnjoUcrn "Jahrbuch" �902, 2. 594.
�oIjfnjoUiniOuljirbiii I^9o;, b
        
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