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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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alte Baron fei w�hren!� dieser Cage �der gl�cklichste Mensch im ganzen K�nigreich" gewesen: �er lebt in den Festen
und Zeremonien wieder auf, wie der Salamander im Feuer." ]
Mit einer gewissen Ironie betrachtete Friedrich dieses ksben und Treiben , sowie er auch von dem T�rken
nicht anders als von dem �^llamamouchi"^ sprach. Als er f�r p�lhii? ein Staatsfleid und (Beider f�r die ?ir�reen
seiner ?3edienteu anwies, �notificierte" er mit drolliger Feierlichkeit seinem Bruder, da� er �der Schneider be$ alten
Varans" geworden fei,3 Er wandte sich dann auch an p�IIni^ um Auskunft, wie er selbst sich bei der Audienz
Achmets zu verhalten habe. Dieser nahm die Gelegenheit wahr und schilderte ausf�hrlich, was alles geschehen m�sse,
menu �tan die t�rkische Gesandtschaft, die J755 in Wien die Thronbesteigung des Sultans (Dsmau angezeigt hatte,
zum Muster n�hmet Der K�nig, fuhr er fort, habe nichts anderes zu tun, als unter dem Thronhimmel stehend die
Ansprache des Gesandten anzuh�ren und diesem zu gestatten, ihm den Rockscho� zu k�ssen. Friedrich war bereit, allen
�Vorschriften" von fl�llmtz seine Zustimmung zu geben, und erkl�rte ferner mit launiger Setbftironie : er werde auch
ein �propreres Aleid, als er gew�hnlich trage", anlegen, �damit keine Tabakswolke dem TNamamouchi in die Nase
fliege".5 Dem Berichte, den er �ber diese Unterredung an Fmckenstein erstattete, f�gte A�llnitz sorgenvoll hinzu:
�Trotz allem, was Seine Majest�t gesagt hat, b�rge ich nicht daf�r, da� es auch zur Ausf�hrung kommt; handelte
es sich um eine Schlacht, so w�rde ich f�r seine Unersch�tterlichkeit einstehen; da aber nur von einer C�r�monie die
Rede ist, wei� ich nicht, was ich davon denken soll." Er schlie�t mit den Worten, der K�nig fei nach Sanssouci
�bergesiedelt, um dort den ganzen Oktober zu verbleiben: �Inzwischen liegen wir alle auf dem Pflaster; das ist ein
Probest�ck f�r meine alte Gesundheit. Ich halte den K�nig f�r unverwundlich ; gebe Gott, da� die schlechte Jahreszeit
ihm nicht schade, und da� er unsterblich sei."
An, 9. November hielten �des Vrients geschenkbeladcne Voten", wie die Aarschin singt,� ihren feierlichen
Einzug in Verlm. Eine milit�rische Eskorte er�ffnete, und schlo� den langen Zug. In einer Autsche sa� der
Divan Effendi, der Sekret�r, mit dem Schreiben des Sultans, der Gesandte selbst war zu Pferde, Pirch und der
Dolmetscher Frangovulo ritten an seiner Seite. Der A�nig war von Potsdam her�bergekommen, um von: Schlosse
aus dem Schauspiel zuzusehen.' Die ganze Stadt war in Vewegung, so erz�hlt tehndorff.^ �Um I.I. Uhr kommt
der Gesandte an. Er sitzt sehr gut zu Pferde, auch sind alle T�rken in seinem Gefolge sch�ne M�nner. Im
�brigen finde ich den Aufzug nicht gerade pr�chtig; freilich erkl�rt man, da� der ganze Pomp f�r die Audienz
bei dem A�nig aufgespart bleibe. Die t�rkische Musik ist entsetzlich, das ganze Auftreten der keute und ihr
Aussehen m�chte man j�disch nennen."
1 Tgl. tehndorff, 5. H6�. Prinz Heinrich an den K�nig, \Q. November (763: ?uvres, Vd. 26, S. 2|H. � 2 Dieses wort
ist OCH Moli?re im �Bourgeois gentilhomme", der entstand und durch eine in demselben Jahre n Paris erscheinende t�rkische
Gesandtschaft einen gewissen politischen Hintergrund erhielt, als (Titel eines t�rkischen W�rdentr�gers frei erfunden worden.
�
s Der
H�nt9 an P�llnitz, 2,. Oktober; an Prinz Heinrich, 26. Gktober (7*i3: ?uvres, Vd. 70, 5.92 und Vd. 26, 3. 29^. tchndorff ist
also falsch belichtet, wenn er in feinem Tagebuch (5. erz�hlt, der K�nig habe dem Baron p�llnitz bei dieser Gelegenheit geschrieben:
�Wenn Sie an mich schreiben, werden Sie fortuit adressieren: An den Herrn Herrn Friedrich, ber�hmten teil,schneide des Saron
von P�llnitz, wohnhaft 311 Potsdam in der Vorstadt Sanssouci." Im Gegenteil, auf die Meldung des Bavons, da� Cwreen und Staats'
ffeib bestellt feien, erkl�rte ihm der K�nig am 29. Gktober ausdr�cklich: �c'est ? pr�sent l'ouvrage du tailleur pour les fournir" (?uvres,
Vd. 20, S. 92V wie an dieser Stelle, werden wir auch im folgenden noch mehrfach sehen, da� ?etjnJ>orffs Aufzeichnungen keineswegs
vollkommen genau und zuverl�ssig sind. Er war nicht gut unterrichtet; ferner sind auch die Eintragungen, wenigstens aus dieser Zeit,
nicht an dem jeweiligen Tage, sondern, wof�r auch die mehrfach irrige� Daten sprechen, erst sp�ter, vielleicht am Schl�sse jedes Monats,
in zusammenfassendem R�ckblick gemacht. � * tats�chlich wurde auch bas �sterreichische Zeremoniell von ;?55 zugrunde gelegt und nicht, wie
Nicolai (S. 84, 2lnm.) irrig behauptet, dasjenige, �welches bei Ankunft eines moskow�tischen Gesandten im \7. Jahrhundert war beobachtet
worden". � 5 �Pour ne pas donner une bouff�e de tabac dans le nez du mamamouchi." Vcricht von p�Hnitj an Finckenstein, Potsdam
13, Vktober �?HI (G. 5t. A.>. Vurch diesen authentischen Vericht werden die Darstellungen von Nicolai (S. 84, 3Imn.) und von Chiidault
(,,Mes souvenirs de vingt ans de s�jour ? Berlin ', Vd.II,5. 5|^f.; Paris (804) �ber ein Staatstleib r das sich Friedrich ausdr�cklich
habe machen Kiffen, und bas er nachher aber doch nicht angezogen habe , widerlegt. Allerdings n�hert sich Nicolai etwas der obigen
Schilderung, da nach ihm der Asnig, der mit p�lhii^ �viel 311 scherzen pflegte", diesen �mit einer Art von Feierlichkeit" gefragt haben soll,
�ob er wohl 311 ?r/ren des T�rken feine Staatsmiiform anziehen m�sse", uno P�llnih habe ihm nun geraten, sich ein �blaues fammteties
Kleib" anfertigen zu lassen. � �I"bex (Dbe �An die Alio", anl��lich des Geburtstags des KSnigs am 24. Januar \76
    
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