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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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die der alte Achmet mit seinem jugendlichen Herzen sch�nen jungen Damen sagen lie�. Vie unvermeidliche Ianilscharcn-
musik �mu�te sich," wie weiter erz�hlt wird, �bei allen Gelegenheiten h�ren lassen, und alle Stunden wurden die
Anwesenden mit Caffee aus Flehten schalen, welche (auf) vergoldeten F��gen standen, bedienet". Die Geringf�gigkeit
der gespendeten Trinkgelder veranla�t unseren Korrespondenten zu der Bcmcrfung: �Die T�rken sind gute Wirte und
nehmen lieber, als da� fie geben." Als �sehr schlecht" wird die Tafel &es Gesandten bezeichnet; er nimmt alles mit
den H�nden aus der Zch�ssel, reicht wohl auch den Anwesenden auf einer Semmelfdjnitte von seinem Essen, �welches
aber/' wie N��lcr hinzusetzt, �wegen der vielen Zwiebeln und Anoblauch und der sehr unreinlichen Zubereitung von
uns nicht genossen werden konnte". Nach dem abendlichen Gebet hat Achniet gefragt, �wie uns das Gebet gefallen,
welches denn wegen der gro�en Devotion vor Gott nicht anders als ger�hmet werden konnte". Einer besonderen
Erw�hnung geschieht endlich noch des jungen Neffen Achmets, der verschiedentlich bei Huf1er speiste, sich aber
trotz aller Versuche mit Messer und Gabel nicht su befreunden vermochte. l?litk�stlicher Naivit�t deschlie�t N��ler
feinen Bericht �ber ihn: �Er freute sich �ber das Frauenzimmer und h�bsche M�dchen, besonders gefiel ihm
des Kastellans aus Zch�nhausen Vefreundtin sehr wohl, zumal fie ihm auf meine Veranlassung einen Au� geben
mu�te. Er hatte die Gesundheit: was wir lieben! von dem Herrn Major von Pirch gelernet, allein Wein
wollte er doch nicht mit uns trinken/"
Gleichwie das N��lersche tandhaus in Ivei�cnfee, so wurde in Verli� das von Vernezobre erbaute und
heutige Prinz Albrechlsche Palais (Wilhelmstra�e 1.02) f�r die Gesandtschaft hergerichtet. Auch dieses wurde aus-
ger�umt. In einer Aabinettsorder vom 5K. September ? wurde Finckenstein n�her �ber die neue Ausstattung und
t�rkische Lebensweise unterrichtet: �In der Aammer, welche dem t�rkischen Minister Zu seiner eigenen Vewohnung
angewiesen werden wird, mu� an denen w�nden herum eine Vande von etwa sechs Fu� hoch von rotem Zcharlach
oder aber auch von Scidcnzcuge von der gleichen Couleur geschlagen, in dieser Aannner aber auch eine Estrade, so gro�
als etwa der vierte Teil von der Aammer ist, genmchet und gleichfalls mit rotem Tuche beschlagen werden, auf
welche Estrade er dann seinen Hopha oder feine Aissen legen lasset und darauf sitzet und Tobak rauchet."
Mit diesem Erla� gelangen wir mitten in die Vorbereitungen hinein, die f�r Achmcts Empfang in Verlin
getroffen wurden. Ausdr�cklich befahl der A�nig, das ganze Zeremoniell so zu regeln, �damit in keinen, Punkte
gegen den Anstand noch gegen die Auszeichnungen, die man den: t�rkischen Gesandten schulde, versto�en w�rde".^
Es galt also, �ber die gebr�uchlichen Formen sich zu unterrichten; alle erreichbaren Verichte �ber t�rkische Gesandt^
schaften wurden zu Rate gezogen und alle Erfordernisse f�r Empfang und Audienzen bis in das kleinste Detail aus-
gearbeitet. Eine gro�e Arbeitslast wurde damit auf Finckenstcins Schultern gelegt. Er versicherte denn auch, wie
Graf tehndorff in seinem Tagebuche vermerkt, �da� der Hubertusburger Friede^ ihm nicht soviel Arbeit gemacht
habe, wie die Festsetzung des Zeremoniells in diesem Fall". Auch der R�nig klagte, da� das �sonderbare" Zeremoniell
mit den� T�rken ihm �mi�falle und ihn sehr genire"; gern w�rde er, ginge es nach ihm, darauf verzichten, um so
mehr, da es recht kostspielig sei.''
Nur einer am Hofe frohlockte, Varon p�llnitz, der �alte Varon", wie er allgemein genannt wurde. Er hatte
in seiner Jugend die persische Gesandtschaft, die l,?^5 Paris besuchte, gesehen; er galt in allen Fragen der Etikette
als erste Autorit�t am Hofe � ihn zogen denn auch der A�nig und Finckenstein zu Rate, und Friedrich ernannte
ihn als denjenigen, �der sich am besten auf dergleichen Dinge versteht", zum Kommissar, der Achmet einf�hren sollte.�
P�llnitz ist �verj�ngt", er ist �ganz in seinem Elemente", berichtet (ehndorff, und Prinz Heinrich meinte sogar, der
1 N��ler an cn^ein, (3. November (763 (G. St. A.). lehndorff (3. 555) berichtet nur k�rz : �Der t�rkische Gesandte ist
in wri�ensee eingetroffen. Mehrere Berliner waren bort, um ihn 311 sehen; man finde!, da� er das Aeu�ere eines ehrw�rdigen Greise�
hat. Auch r�hmt man seinen sanften Charakter, will aber wissen, da� ei schmutzig geizig ist."
�
�vgl. p. (?. 22, Anm. 2.
�
8 Ver K�nig an Finckenstein, <*. August ;?b2 (p. (?. 23, 75).
� * lelmdorff (5. $&5) nennt irrt�mlich den �Dresdner" Frieden; damals
war aber Finckenstein noch Gesandter in Stockholm.
� fi Der K�nig an pt-1113 Heinrich, 2. nnl� \<\. �lopember ;?62: ?uvres, Vd. 26,
3. 293 u. 295. � 6 Ver K�nig an Fin^enstem, 5�. Oktober ,?63 (G. 5t, A.).
        
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