Path:
Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

18
Kampf gegen Gesterreich und zur Eroberung Schie�ens schritt. Da aber der K�nig sich nicht vorzeitig durch ein
V�ndnis mit Frankreich ober mit einer der anbereu Gro�m�chte binden wollte, war von der Pforte nicht weiter die Rede.
Trotz alledem tauchten alsbald, Friedrichs Verh�ltnis zu den T�rken mythenhaft ausgestaltend, allerlei gcheimnis-
volle Ger�chte auf, nach denen er mit der Pforte in Verbindung stand. Zun�chst sollte es ein Graf Seewald gewesen
sein, der in Aonstantinovel als preu�ischer Unterh�ndler auftrat; bann, \7<\% sollte ein Grieche im Namen des K�nigs
den T�rken vorgeschlagen haben, ihre �wohlbegr�ndeten Rechte und Anspr�che auf Ungarn" gemeinsam gegen Gester-
reich geltend zu machen. �Tlit gutein Grunde nahm denn auch der K�nig im folgenden Jahre eine Gelegenheit wahr,
um derartige beriete kurzerhand als �contes arabes" zu brandmarken und die ausdr�ckliche Erkl�rung hinzu-
zuf�gen, da� er bisher �keine Liaison noch Correspondance mit der otwmanischen Pforte" gehabt habe. Und als
wenige ZUonat� sp�ter ein Anerbieten zu direkter Ankn�pfung ihm unter der Hand gemacht wurde, erwiderte er, auf
den seit \74>\ und von neuem seit Juni UW im ihm verb�ndeten versailler Hof weisend: �wenn etwas mit den
T�rken zu machen ist, so mu� Frankreich sich hineinmischen, um baraus Dorteil zu ziehen."
Die gleiche Zur�ckhaltung bewahrte er auch nach dem Friedensschl�sse mit Gesterreich. Zu Anfang des
Jahres bekam er die Nachricht, die Pforte beabsichtige, ihn� einen Gesandten zu schicken. Er suchte dem mit
der Erkl�rung vorzubeugen, da� er f�rchte, die Aaiserh�fe m�chten daraus den Argwohn sch�pfen, als wolle er mit
dem Sultan ankn�pfen, uni ihre Interessen zu sch�digen oder gar um einen T�rkenkrieg zu entz�nden. In gleicher
Weise beantwortete er ein Angebot der Pforte zu einem Handelsvertrage nur mit einem h�flichen Aomvliment, und
selbst, als er darauf zu Veginn des Jahres l?^8 vernahm, da� sie den Abschlu� eines formellen Allianzvertrages
mit ihm �leidenschaftlich" verlangte, war er nicht geneigt, darauf einzugehen; nur �gute Freundschaft", so erkl�rte er
dem Grafen podewils, wolle er mit ihr unterhalten.
Erst die drohende Entwickelung, welche die Ereignisse im n�rdlichen Europa nahmen, brachte den A�nig
dazu, seinen bisherigen reservierten Standpunkt aufzugeben. Vie Russen beabsichtigten damals, Schweden, das ganz im
franz�sischen Fahrwasser segelte und j?H7 auch ein V�ndnis mit Preu�en abgeschlossen hatte, ihrem beherrschenden
Einflu� wieder zu unterwerfen und zu dem Zweck den Kronprinzen Adolf Friedrich, der mit seiner Gemahlin Ulrike,
der Schwester Friedrichs des Gro�en, die Seele der antirussischen Partei war, von der Thronfolge auszuschlie�en.
Gelang es dem Petersburger Hofe, England und Vesterreich f�r seinen Plan zu gewinnen, dann erschien der Ausbruch
eines neuen allgemeinen Arieges unvermeidlich. A�nig Friedrich machte mobil; auch Frankreich erkl�rte, einen Angriff
Ru�lands auf Schweden nicht dulden zu wollen. Als der Versailler Hof sich jetzt erbot, in Aonstantmopel geheime
Verbindungen anzubahnen, griff Friedrich sofort zu und erm�chtigte den dortigen franz�sischen Vertreter, den Grafen
Desalleurs, �ber ein Verteidigungsb�ndnis zwischen Preu�en und der Pforte in Verhandlung zu treten, und zwar sollte
sich dieses ganz allgemein �wider benachbarte puissances" richten, von denen rnan �Feindseligkeiten zu gew�rtigen"
habe. Ein von Desallcurs daraufhin nach dem Muster des schwedisch-t�rkischen Vertrages von aufgesetzter
Entwurf befriedigte den K�nig nicht, da derselbe sich lediglich auf Ru�land bezog, w�hrend die Hauptgefahr, die f�r
Preu�en drohte, gerade von �sterreichischer Seite zu bef�rchten stand. So erkl�rte denn auch Friedrich: �Sobald der
Vertrag nicht dazu dient, Wien zur�ckzuhalten, ist er f�r uns unn�tz." Ueber Jahr und Tag zogen sich die Ver-
handlungen hm, ohne zu einem Ergebnis zu f�hren. Auch das Ariegswetter ging, dank Friedrichs R�stung, die
Gesterreich und England zur�ckschreckte, 5?HH nochmals vor�ber.
Gleichwie seine R�stungen von \7^9 �ostentativ" waren/ so bezeichnete Friedrich auch das projektierte V�ndnis
mit der Pforte als �affaire d'ostentation 1', Nicht ohne Absicht geschah es da wohl, da� er einen t�rkischen Janit-
scharen-Rittmeister, der in den kritischen M�rztagen nach Potsdam gekommen war, um Pferde zu verkaufen, �ffentlich
auszeichnete. Der Dichter des �Fr�hlings", Ewald von Aleist, der in Potsdam bei der Garde stand, schreibt dar�ber
1 vgl. Roser, �A�nig Friedrich der Gro�e", B�.I,5. 475 (2. Aufl. Stuttgart u. Berlin, OoO� � 8 Vgl. �Politische Corre-
sponoenz Friedrichs &es Gro�e�" (k�nftig zitiert: p. . ?, 5. 232.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.