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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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ohngef�hr pou 70 Jahren fein; indessen ist er noch ein gro�er Liebhaber von Frauenzimmern, und pflegt er aile
diejenigen, so zu i^m kommen, wenn fie h�bsch uni, jung sind, zu caressiren uni) ihnen auf das freundlichste M� Sacken
zu streicheln, wogegen er auf die alten und h��lichen im geringsten nicht rcflcctiret." Da� Schlabrcndorff bei feiner
drastischen Schilderung keineswegs mit einem zu groben pinfei gemalt hat, best�tigen Kirchs Berichte an Finckenstein/
der bas Gefolge als �insolente Treaturen" bezeichnet oder ein andermal mit voller Ueberzeugung erkl�rt: �?s ist ein
niedertr�chtiges l?olk." Uno als der <5ug endlich am \. November^ in Strausberg ankommen, da ruft er aus:
,,^ch will es gern verschw�ren, an diese (�poque meiner Lebenszeit jemals zu gedenken."
In wei�eusee hielt die Gesandtschaft vor dein Einzug in Verlin eine letzte mehrt�gige Rast. Das mit einer
2Neierei verblindene Landhaus des Geheimen Rats N��ler, wo sie auf Vefchl des
K�nigs Quartier nahm, war f�r sie eingerichtet, uud, um den fremden �tten
gerecht zu werden, waren aus den Zimmern �alle 3Neuble5, Tapisserien und
Tableaux, als welche die T�rken nicht gern um sich haben m�gen", entfernt uud
der f�r Achmcl bestimmte Ivohnraum �mit einer Lstrade und einem Veschlag
von rotem Tuch" versehen worden/' Auch N��ler sandte, nach dem Abzug seiner
G�ste, an den Grafen Finckenstem einen Bericht, der an drastischer Anschaulichkeit
lnuter dem von nicht zur�cksteht uud gleichzeitig auch die Neugierde
und die R�cksichtslosigkeit der Verliner Bev�lkerung in ein Helles Cicht setzt. 5>o gibt
auch diese Schilderung ein treffliches jener bewegten Tage.
Der 2lnfaug des Schreibens enth�lt eine einzige gro�e Alage, zun�chst �ber
die Fahrl�ssigkeit der T�rken: da� sie �mit die Feuerbr�nde und langen, offenen,
brennenden Tabakspfeifen �ber die l)�fe und in den St�llen herumgelaufen", da�
sie ferner �nicht allem auf dein l)erdc, sondern auch auf dein Pflaster in der
ganzen A�che gekocht und gebraten, wodurch dann A�che, Herd, Schornstein,
Tastrullenl�cher, alleZ gewaltig ruinieret und zugerichtet worden". Dann wird der
�nicht kleine" Schaden beschrieben, �welchen die T�rke,, sowohl als die Verlinsche
populace gethan": die Z�une seien ruiniert und verbrannt; �die Fenster sind eben
falls nebst den Glasth�ren, sowohl in meinem als dem daneben stehenden Domestiken-
hause, eingeschlagen und durch das gewaltige Eindringen der Zuschauer zersprenget,
auch der Taxis am Hause ruiniret und niedergerissen, die Fenster aber, wo der
Gesandte zu sitzen pflegen, in dessen Zimmer, um ihn desto besser zu sehen, zerbrochen
worden". Nunmehr kommt N��ler auf Achinet selbst zu sprechen: �lieber den Herrn
Gesandten selbsten kann ich fonsten garnicht klagen, er ist ein w�rdiger Greis, welcher
Mitglied der t�rfiid^Pii ff>eiun?Mid>(ift (765/64 '"il
einem berliner ttnijjr?ijungpn. K�trljpidjnutnj
von D. lEhoboiuierft
voller Freundlichkeit und welchen niemalen b�se gesehen; er erlaubte allen 3Nenschen den Eintritt in seine Aammer und
denen vornehmen, da� sic sich bei ihm auf der Estrade setzen und durch einen Dolmetscher mit ihm sprechen konnten. Er that
best�ndig viele Fragen an die Anwesenden, er erkundigte sich nach allem. Einen Nachmittag hat er mich wegen Auf-
nahme des A�niglichen Hauses, wie aus den kleinen Thurf�rsten und aus diesen hicrnachst A�nige geworden,
und wodurch die des Hauses so sehr herangewachsen, weitl�ufig befraget." Auch N��ler erw�hnt �Douceurs",
1 Vom 29. (DEtobcr lind .November {~67> (aftpaare
Achinet ?ffen&I natjin
bon fangen Kaufmantt*fot}ti
mit sich atu Jl�iiudji'bciij,
sprach stets ans sanfte�� Ton,
er lie� den Knaben gar
bei sich im tragen ftt^cti;
unib feine Bl�digkeit
durch liul� 311 untersuche�,
Coiiffct und Caffc gab er ibm
aus giildiicii schalen.
Es zeugt selbst dieser CUynipb
pon Achmct� tSna&cnftral|Icii."
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,fiiutiM[ftciiian 27�(jler, 19, September \~b$ (.G. St, 21.)
'.
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