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Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

Full text: Eine türkische Gesandschaft am Hofe Friedrichs des Großen im Winter 1763/64

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Staatsntimfter Friedrich von Vorcke hin, der den Huf eines feinen Kunstkenners genie�e und, da er zurzeit in
Berlin sei, die Ausf�hrung �berwachen k�nne. Im besonderen empfahl er noch, da� �bei Anlegung des Portr�ts"
barauf gesehen w�rde, �damit eine noble und degagierte Stellung genommen (w�rde) und fonften basfelbe nicht schlecht
geraten m�chte". Als Finckenstein, der am Hoflager in Magdeburg weilte, sich daraufhin mit Vorcke in Verbindung
fetzte, schrieb er ihm, seiner Ansicht nach sei Vubuisson 1 zurzeit derjenige !Naler in Berlin, �der den gr��ten Ruf
bes��e, sowohl was Colorit als auch was Stellung und Haltung betr�fe". Schwieriger war noch die Wahl der
Vorlage f�r bit Kopien. Finckenstein �u�erte, es g�be seines Wissens nicht ein einziges Vildnis des K�nigs, das
�wirklich gut" sei; bas einzige in der verlangten Gr��e, in ganzer Figur, das ihm �besser als alle �brigen" zu sein
schiene, hinge in den Zimmern der K�nigin. Vorcke machte sich nunmehr auf die Huche. Er �entdeckte" dabei,
wie er in seiner Antwort mitteilt, �das einzige (Original, das der verstorbene pesne einst von dem K�nig gemacht
hatte", das \739 in Rheinsberg gemalte Vrustbild. Im �brigen ineinte er, muffe man sich an bas von Fincken-
stein genannte Vild im Schlosse halten und die �brigen heranziehen, �um mehr Aehulichkeit zu erzielen". Doch als
Sachkenner ihn auf ein Portr�t, das in Sch�nhausen war, aufmerksam machten, gab er diesem den Vorzug, da
er selbst es �sehr gut" fand. Auch Me Analer lie� er �Revue passieren", um gleichfalls sich dann f�r Dubuisson zu
entscheiden. Als Vorcke noch die Frage aufwarf, ob der K�nig unbedeckten Hauptes und mit dem K�nigsmantel,
wie auf dem Bilbe in den Zimmern der K�nigin, oder mit dem Hute auf dem Kopfe dargestellt werden solle, wie
man ihn seitdem gew�hnlich gemalt habe, stimmte Finckenstein f�r bas erftere, 2 und Eichel, nochmals um sein Urteil
angerufen, pflichtete ihm bei. 3
Im Dezember 5?6^ gelangten endlich die Geschenke zur Absendung.^ Ihr Ileberbringer, ein holl�ndischer
Kaufmann Velon, erhielt von dem K�nig, dem nach den bisher gemachten Erfahrungen ernste Zweifel an Rexins
Geschicklichkeit aufgetaucht waren, noch den besonderen vertraulichen Auftrag, die Aussichten f�r den Abschlu� des Der-
teidigungsvertrages festzustellen und den Gesandten bei den Verhandlungen tatkr�ftig zu unterst�tzen.
Um so bedeutsamer ist diese Mission V?lons, als die orientalische Politik Friedrichs damals wiederum in ein
wichtiges neues Stadium getreten war, handelte es sich doch um nichts geringeres als darum, die Tartarcn, deren Gro�-
khan der uns schon von her bekannte Keriin Geray inzwischen geworden war, zum offenen Bruch mit Ru�land zu
bestimmen. Nach mancherlei indirekten Versuchen, die jedoch nicht zum Ziele f�hrten, sandte der A�nig im September
ebenfalls einen Holl�nder, den bisherigen Kurier Voscamp als Emiss�r nach der Krim, vorl�ufig noch ohne
Vollmacht und Beglaubigungsschreiben. Noch war dieser nicht in Vaktschisarai, der Residenz des AHans angelangt,
da erschien, Mitte November, ein Abgesandter Kerims, sein keibarzt Mustapha Aga, im k�niglichen Hauptquartier mit
der Erkl�rung, da� sein �Kaiser", wie er ihn nannte, bereit sei, �init einem Korps von 60 oder 80000
dem K�nig gegen seine Feinde zu sekundieren". Zur genauen Feststellung des Feldzugsplanes lie� Friedrich auf Wunsch
des AHans seinen Huartiermeisterleutnant Karl Alexander von der Goltz mit Mustapha die Heimreise antreten. Dem ersten
tartarischen Sendboten folgte im Dezember ein zweiter, Iakub Aga, der den Aufbruch des Khans gegen Ru�land f�r den
M�rz des folgenden Jahres ank�ndigte. Nunmehr wurde Voscamv als Resident beglaubigt. Auch ein Arzt, Dr. Frese,
den der leidende Khan sich ausgebeten hatte, ging jetzt nach Vaktschisarai. Geschenke folgten. Dein Sultan und den; Khan
bot Friedrich Subsidiengelder an, dem letzteren verhie� er �berdies die Garantie aller Eroberungen, die ei machen w�rde.
1 Gemeint ist der Portr�tmaler Emanuel Du&utjfoii. � *Finckenstem an Vorcke, 23. und 3o. Mai, 2^.Juni; vorcke an finden*
stein, 27. INai und 6.^um i?60 (G. 5h A.). � 8 Eichel an Finckenstein, u-3��" 60 (P- 2). � * Auf Sefehl des K�nigs
blieb ein urspr�nglich zum Geschenk bestimmter pb,aeton zur�ck, da, wie Eichel an Finckenstein am (9. November \76\ meldet, �nach der
Rexin'fchen Anzeige solcher dorren nicht angenehm sein noch zu gebrauchen w�re, und wenn auch schon ein 5ofa zum liegen darin gemacht
werden wollte, unsere leute doch nicht verstehen w�rden, wie es eigentlich gemacht werden m��te" (p. C. 2i� 86). Aber auch die �brigen
Geschenke kamen nicht zur Verwendung, da Rexin mit Erlaubnis des K�nigs sich endlich entschlo�, solche selbst inRonstailtinopel anzukaufen,
um die �ffentliche Audienz, non der die Fortsetzung der Verhandlungen abhing, nicht l�nger aufzuschieben. Auf k�nigliche Weisung mu�te
Rexin dann die obigen Geschenke wieder 3iiriirff*nbcji.� 6 Ein Auszug ans dein Cagebuch von Goltz �ber feine Sendung in die Krim ist
in Wagners �Denkw�rdigkeiten f�r die Krieg5kunst und Kriegsgeschichte", Heft VI, 5. !08ff. (Berlin *82O), ver�ffentlicht. Auf diesem Auszng
baut Ctj.inniibt fein v�llig romaichaft ausgestaltetes yii^leiii�Krim Girai, ein Vundesgenosse Friedrichs des Gro�en" (Berlin *855) auf.
        
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