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Der Kaiser und die Kunst

Full text: Der Kaiser und die Kunst

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Vbwohl das Anwachsen Berlins zur Nlillionenstadt �ie urspr�nglich f�r andere Verh�ltnisse zugeschnittene
Geffnung der K�niglichen G�rten in Berlin und pote&am die Bc(jagltd^ffit,6er k�niglichen Jamilie stark beeintr�chtigende
Konfequcnjen zur Folge hat, ist der Vesuch der G�rten und Schl�sser mit ihren Aunstsch�tzen in jeder Weise erleichtert
worden. Sie sind gewisserma�en zu �ffentlichen Museen erwachsen, aus denen eine Unfumme von k�nstlerischen
Anregungen in die breitesten Schichten des Golfes �bergeht, eine Akademie der Kunft, wie sie sch�ner un� erfolgreicher
nicht gedacht werden kann. IXlan versuche nur sich auszumalen, was unserem �ffentlichen Aunstleben genommen
w�rde, wenn diese Quellen reinster Aunstsreude und Belehrung f�r die Veffentlichkeit geschlossen w�rden.
(Ein Ausflu� dieser Anspruchslosigkeit, soweit die eigene Person in Frage kommt, ist auch der Umstand, da�
der Kaiser 5ich mit den von Seilten vorfahren ererbten Schl�ssern begn�gt und trotz Seiner Freude am Bauen und
an k�nstlerischer T�tigkeit f�r Sich kein neues Schlo� hat erstehen lassen. Trotz aller Nnbequemlichkeiten und der
ver�nderten Aomfortanspriiche hat die kaiserliche Fannlie sich in zum Ceil sehr unbequemen alten Geb�uden eingerichtet.
Nur in Hominten hat der Aaiser �ich selber, um der !Velt
f�r kurze Zeit entfliegen zu k�nnen, ein einfaches und anspruchs-
lofes i)au5 gebaut. Vas in pofen erstehende neue Aais^rschlo�
tr�gt nur politischen Auforderungen Rechnung und wird deshalb
auf Aosten des Staates errichtet.
Dieser Zug der Anspruchslosigkeit bei den Bed�rfnissen der
eigenen Person, verbunden mit der piet�t gegen die Kunft*
sch�pfungen Seiner Vorfahren, zeigt sich auch in den vom Aaiser
befohlenen weitgehenden Renovierungen der alten Schl�sser und
Kunstwerke. 3" nicht weitsichtiger Sparsamkeit und aus mangeln
dem Interesse f�rderartige kostspielige, aber nach au�en hin wenig
dankbare Arbeiten ist nach dieser Richtung seit Jahrhunderten viel
vers�umt worden. Nur f�r gerade imVordergr�nde des Interesses
stehende oder bewohnte Innenr�ume wurde einigerma�en gesorgt.
Heute ist darin manches anders geworden. Viele Hunderttausende
werden j�hrlich zur Renovierung alter Geb�ude, wie des Berliner
Schlosses, Cr/arlottenburgs, des Heuen palais, des Vclvederes und
Japanischen Hauses in Sanssouci, des Jagdschlosses Grunewald
und aller der zahlreichen Schl�sser in der Provinz, verwendet,
-d'iinin& bei fi'gi'ljnd;tnh'ieoi
Arbeiten, die um so besser ausfallen, je weniger das Auge nach der Fertigstellung von ihnen bemerkt, und die ihren Tohn
nur in der inneren Befriedigung finden, den von den Vorfahren ererbten architektonischen Aunstbefitz vor der Vernichtung
und Zerst�rung dewahrt su haben. Ebenso sorgt der Aaiser mit offener Hand f�r die Erhaltung der Skulpturen in
den A�niglichen G�rten, an denen unser nordische Klima, verbunden mit der allgemeinen Veniachl�ssigung, schon
manches unwiederbringlich zerst�rt halte, bedeutende �l�ittel sind von: Kaifer zur Verf�gung gestellt worden, um die
Ge'n�lde in den Schl�ssern durch sachkundige Renovierungen wieder f�r Jahrhunderte der Nachwelt zu erhalten oder
die zum gro�en Teil der zum Gpfer gefallenen und verkommenen kostbaren IDandteppiche in ihren urspr�nglichen
Zustand zur�ckzuversetzen. F�r derartige Erfordernisse ist der Aaiser nach genauer Pr�fung der Sachlage stets zu haben,
aber immer auch nnt dem Nebengedanken, da� das �ffentliche Int�ress� dabei im Auge behalte� werde, da� z. V. die
Einrichtungen, die f�r die schwierigen Wiederherstellungen von Wandteppichen getroffen werden mu�ten, auch f�r die
Allgemeinheit nutzbar gemacht und diese einst in Berlin so bl�hende Aunsttechnik wieder zu neuem keben erweckt werde.
Ein merkw�rdiges, anziehendes Bild. Ueberall tritt uns die zwingende Pers�nlichkeit, die ausgepr�gte
Individualit�t des Aaiscrs entgegen, �berall aber auch tritt sie wieder in den Hintergrund, da sie nirgends f�r sich
pers�nlich etwas erstrebt, sondern stets dein allgemeinen Besten oder der Sache an sich dienen will.
        
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