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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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Durch Kabinettsorders vom (3. Dezember (735 und 25. Januar 1736
wurden ihm zu seinem Departement hinzu gemeinsam mit dem Etatsrat
von Kimbern die Kirchen-, Schul- und Universtt�tZsachen �bertragen.
ImJahre darauf wurden die polnischen Remter seinem Departement
zugelegt. In dieser Stellung blieb er bis Zu seinem fr�hen Tode im
Jahre (738.
Messerklingen imb der Rasten noch (6 Ht. odenein. Von dem
Urlaub des Jahres ;?26 bringt V�low f�r l,^^ Ht, Silberger�t
mit � eine Kaffeekanne f�r 55 Ht. � und nach dem Code des
Paters ((737) erlaubt er sich einen Maffenhandel; er gibt f�r
(\oo Ht, altes Silber an und entnimmt f�r (?so Ht. neue St�cke.
Darunter sind drei Dutzend l�ffel, Messer und Gabeln f�r 305 Ht.,
zwei Dutzend Teller f�r 620 Ht, (wiegen 58 Mark), eine potage-
Sch�ssel f�r 9? Rt., vier gro�e Vratelisch f�r 597 St., vier
etwas kleinere f�r 2^ Ht. Aufgeputzt werden z. V. noch vier
Dutzend Teller und ein Dutzend l�ffel, Messer und (S�beln, fa da�
im ganzen mindestens sechs Dutzend silberne Celler und vierDutzend
silberne l�ffel,Messer und Gabeln vorr�tig waren.
Als er die ersten Monate der Jahre (73t und (?36 und die
letzten des Jahres *737 auf Urlaub in Verlin zubrachte, hatte er
mannigfache Beweise der k�niglichen Gnade 311 erfahren. Seine
Schwester durfte schon nach zwei Jahren zur�ckkehren.
V�lows h�usliche Verh�ltnisse liegen ziemlich offen vor uns.
Als Sohn seiner Zeit und selbstherrlicher Mann liebte er, sich im
Glanz der gesellschaftlichen Feste zu sonnen. Inder Hofgesellschaft
war er aufgewachsen; dem dreizehnj�hrigen Knaben war die Anwart-
schaft auf den Johauniterorden verliehen worden, in dem sich damals
der Adel von sechzehn Ahnen vereinte. In seiner ostpreu�ischen Ver-
bannung mu�te sich V�low manches versagen, was ihm lieb war;
aber den gesellschaftlichen Glanz hielt er auch weiter auf der H�he.
Schmucksachen aus Edelmetall von namhaften Berliner Meistern
fehlen nicht. Da sind zwei Tabati?re� von Jordan & Lautier, von
denen die eine (50, die andere 2*0 Ht. kostet; Tahatieren und
BrillantrinZe von Iean�kouis Girardet; goldene und fchildkrotene
Ztockkn�vfe van Vuyiette und Gotzkowski; aus K�nigsberg wird
nur ein Goldschmied genannt: Tapk [?]. wie unbedacht B�low
seiner Leidenschaft f�r Kostbarkeiten nachh�ngt, ergibt ein Handel
des Zechsundzwanzigj�hrigen, wo er f�r 3300 Tlr. Wechsel einen
Brillanten ersteht und ihn im folgenden Jahre mit 500 Tlrn.Abstauds-
geld zur�ckgibt.
Vlllow wohnte bis �indes H.Major 0. Riyscheu Hause
in der Junkergasse" und bezahlte 132 Ht. Miete; bann zog er in
bas IVallenrodsche Hans. Stauung wurde reichlich mitgemietet, denn
der Etatsrat hielt sich nicht nur sechs Autsch- und mehrere Reitpferde,
sondern auch ein paar R�he und Schafe. Der Kutschstall war alle�
oings der stolz des Hofes, denn dem gn�digen Herrn kam es nicht
darauf an, f�r ein Pferd 60 bis 90 Tlr. auszugeben, und bas Geschirr
war ganz fein, wenn Rutscher J�rgen Sechse lang anspannen mu�te
und bas Geschirr mit dein roten Saffian und den Goldbuckeln heraus�
holte
�
es kostete (65 Dr. � bas imponierte. Und ganz feierlich
waren die lichtblauen paradedecken mit dem vergoldeten Wappen,
dazu Zaumzeug mit Silberbeschlag.
Pr�chtige Pokale mit geschnittenen Devisen liefert der Berliner
Glasschmied Moritz Tr�mper und erh�lt s dis 9 Tlr. daf�r. Das
porzellangefchirr wirdmeistens von einem holl�ndischen Schiffer gekauft.
Da� es von den Tellern immer etwas Delikates zu essen gibt,
steht auch fest. Auftern und Kaviar, Hummern und Sardellen, Hasel-
h�hner und pommersche G�nse, Braunfchweiger und Soucisw�tste,
Glbinger uul� parmesankHse, Maronen und �Oliven: das gibt es alles
in F�lle. Hundert Auftern kosten 2 Ht. (6 Gr., ein gro�er Hummer
X Ht. (6 Gr., ein halbes Schock Pfirsiche 5 Ht. ,2 Gr. Im April
des Jahres l.736 und Oktober des Jahres (73? geht auch ein Jagten
Kaviar an den RronprinZen nach Huppin.
Treten wir in das Haus. Die Zimmer sind mit damastenen
oder lackierten Tapeten ausgeschlagen. Portr�ts schm�cken die w�nde,
darunter bas Bild des Etatsminifters selber, von keinem Geringeren
als dem Hofmaler Antoine pesne, imFr�hjahr (73S gemalt und mit
(3o Tlrn. bezahlt. Da steht der stattliche B�cherschrank. Wir sehen
einige R�ckentitel an: Corpus iuris publici; Schmauftns Reichs�
Historie; M�moires pour servir ? l'histoire des hommes illustres;
Histoire secr?te des roys d'Any [?]; M�moires de Lam-
bost?g [?]; Lettres du cardinal Dostat [Ossat?]; Macchiavel
(�tr?s rare"); Lettres de Henry IV.; Histoire des Rois de
Pologne^ L'�tat des provinces unies; Echard, Histoire
Romaine; Histoire ancienne de Rolin (Holin starb (7*0; der
zweite Teil seines Werkes wurde von lefsing �bersetzt); Walsingham,
M. M. . . p les Ambassadors ; Le parfait ambassadeur:
Wodward, Geographie physic; Le Repos de Cyms; Oeuvres
d'Horac Nouv.; Les cent nouvelles nouvelles; Nouveau
Th��tre fran�ais; La Saxe galante {�rare"); Cauces c�l?bres.
Bezogen sind die meisten Sudler durch Naud� in Berlin. Auch die
Bibliothek eines Onkels, des Zellischen Gro�vogts Joachim? Heinrich,
die anscheinend nach (S�ttingen gegeben worden war, ist V�low in
seinen Vesitz zu bringen bem�ht, wahrscheinlich mit Erfolg. (Er ist
also ein interessierter Mann, und man hat ihn auch zum Kurator
der Universit�t ernannt.
� (Ein Gewehrschrank perr�t die Jagdlieb-
haberei des Herrn, Klavier und Kniegeige die Viilowsche Musik�
bigfeit.
Der Wein wirdmeistens an den �Vuellen gekauft. Aus Frankfurt
kommen zwei St�ckf�sser Rheinwein, die dort zusammen 5l2Rt.kosten,
aber durch die Fracht auf ??? Rt. steigen. Der Champagner und
�Pontac" (Vurguudei), auch Rheinwein wird in Amsterdam von
holl�ndischen Schissen verladen und nach K�nigsberg verfrachtet. Der
Ungarwein wird von einem H�ndler aus Vrieg bezogen (einem
Pietisten, der jeder Sendung ein Gott geleit mitgibt) und reist �ber
Breslau, Frankfurt, Stettin und dann �ber See. Iwei Monate ist
die Sendung unterwegs. Regelm��ig findet sich inden Frachtrechnungen
ein Posten: Trinkgeld an den Schiffer f�r Umgehung eines Zolls,
besonders des Schwedenzolls in wolgast; bezahlt wird in der Regel
durch Wechselorder.
An Garderobe werden dem Kammerdiener anvertraut:
ein purvurkleid mit Silber gestickt mit einer taffetenen Weste; ein
graues perp�tuelles Kleid mit Silber, dazu eine wei�e Weste; ein
kaffeebraunes Kleid mit g�ldenen Troddeln; ein olioenfarbenes, ganz
mit Silber gesticktes Kleid; ein grau tnchenes Kleid mit seidenen
litzen; ein Sommerkleid auZ gelbem Kamelot; ein schwarz� tuchenes
Trauerkleid; eine Seidenweste mit silbernen Blumen, eine goldene
Drap d'orne Weste, eine gelbe Weste mit rotsamtnem Aufschlag ;ein
biberhaarig� und ein damaftner Schlafrock m t�rkischem Schnitt.
Str�mpfe sind buntfeidene, fchwarzfeidene, biberhaarige, wollene da,
an Schuhen eine Galerie von sechzehn paaren, Per�cken sechs und
H�te die verschiedensten, mit Tressen, silbernen und goldenen Troddeln.
Gin� Erfindung des Modistengeist� steht noch in einsamer Gr��e
da: Trauerfchuhe, ein
�
Trauerfchlafrock und
� Trauerpantoffeln.
Von den Preisen sei einiges angef�hrt: f�r ein Paar Herrenstiefel
werden Rt. 4 Gr., f�r ein Dutzend Glacehandschuhe 5 Rt., f�r
Zu dem Silberfchatze des Hauses liefern die ber�hmtesten Gold-
schmiede der Zeit ihre St�cke. Dies hier ist von dem Berliner Alt-
meifter Johann� Christian licberk�hn und seinem Sohne Christian:
�in Rasten mit einem Dutzend t�ffeln, Messern und Gabeln inPorzellanschalen; das Silber wiegt 4 Mark 2 lot, die Mark kostet
52 Rt., das Ganze also �ber 5� Rt. und die Porzellanschalen, oie
36�
        
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