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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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des Hofgerichts, &a der Vorschlag n�tzlich und der Formfehler gering
sei, und wies am 54. September beide Parteien zur Ruhe; bas Hof-
gericht solle Subordination beobachten, die Regierung aber die
Autorit�t desselben voll bewahren und es mit geh�riger Bescheiden�
heit und ohne Animosit�t traktieren.
war, ist nicht 311 entscheiden, aber in K�nigsberg hatte man
damals schon genug gegen ihn auf dem Herzen.
wie bas Hofgerichi auf dies Gutachten geantwortet hat, war
noch nicht festzustellen; aber auf ein �hnlich lautendes der lanolechts�
kommission schickte es unter dem 56. Oktober ein Promemoria, bas in
feinem heftige� Ton, seiner schneidenden Ironie B�lows pers�nlichste
Teilnahme verr�t. Die Bedenken gegen die Existenzf�higkeit des
HofgerichtZ werden tu dem Geist des modernen Absolutismus abgefertigt:
�weil3r. A�nigl.Majestaet einen Praesidenten und zwey R�hte
hinl�nglich zu seyn erachtet, so geb�hret der land Hec^ts-Commission
nicht dar�ber nu raisonieren." Zwei Richter s�hen oft mehr wie
acht � 3. V.in dieser Frage! Die Gr�nde gegen die Zusammenlegung
werden dann der Reihe nach entkr�ftet ober beiseite geschoben.
Das Hofgericht sei f�r die K�lmer, Freien und Bauern sowieso
schon erste Instanz und die anderen w�rden sich auch dazu gratulieren,
da bas Insterburger Amtsgericht die Prozesse verschleppt habe, um
lange melkende K�he zu haben, lappalien m�rben nicht viel vor�
kommen und �berhaupt gebe es f�r ein Gericht keine Lappalien.
Die Ferien habe sich das Hofgericht bisher schon versagen muffen, die
Ordnung der Registratur und Kirchensachen werde sich doch ineiniger
Zeit madjeu lassen. Polizeisachen geh�rten nur wenige 311 dem Amts�
gericht, von vielen Romvetenzstrciti gleiten k�nne keine Rede fein.
Anspielungen auf Di�tengeliiste werden ah �h�mische Anz�glichkeiten
wider ehrliebende Gem�ter" gebrandmarkt, der Vorwurf der Unwahr-
heit, Geh�ssigkeit, C�cke nicht gescheut. Man �rgere sich inPreu�en
�ber dieExistenz des Hofgerichts und seine Besetzung mit� �Deutschen".
In zwei andern Fallen hadern Amtsgerichte mitde�� Hofgericht
und werden in K�nigsberg unterst�tzt. Das Hofgericht hatte der
Ragniter Amtsvogtei mehrmals die berechneten Sportein f�r die dele-
Zierten Richter herabgesetzt, so da� diesen nicht mehr absehbar schien, wie
sie mit ihren �nombreusen familien" existieren sollten. 5ie beschwer�
ten sich. Am (9. Mai {75{ entschied die K�nigsberger Regierung,
die Sportein feien allerdings 311 hoch angefetzt gewesen, bas Hofgericht
sei aber verpflichtet, feine Streichungen im einzelnen zu begr�nden.
Va das buchst�blich in dem landrecht und Sportelreglement nicht
vorgeschrieben war, beschwerten sich Pr�sident und R�te des Hof"
gerichts am 26. Mai beim K�nig und wu�ten schlau einstie�en zu
lassen, da� die Sportein aus der k�niglichen Malefizkasse bezahlt
w�rde�. Am 4.Juni entschied der K�nig zu ihren gnnsten. Eine
neue Beschwerde aus K�nigsberg fand kein Geh�r. � Der Ragniter
Amtsoerwefer, von M�llenheim, erkannte wegen eines Falles von
Sobomiterei auf Tortur. Das Hofgericht und Tribunal traten bein
Urteil bei, B�lowbefahl die Exekution. Vu kamen dem Amtsverweser
Bedenken, und er schickte die Akten nach K�nigsberg ein. Deshalb
erhielt er von dem Hofgericht einen Verweis; die Akten h�tten nach
Infterburg geschickt werden m�ssen. Nunbeschwerte sich vonM�llenheim
in K�nigsberg, und die dortige Regierung erteilte ihrerseits 33�lou>
einen Verweis. Ver Ausgang des Streites ist nicht zu erkennen. Da derK�nigbei seinem Entschlu� blieb, verfiel dieK�nigZberger
Regierung auf eitlen Racheakt: sie riet die Justizsachen dem Hofgericht,
die Amtssachen aber dem Pr�sidenten pers�nlich zu �bertragen. B�low,
der sich vorher seiner Arbeitsf�higkeit so ger�hmt, mu�te jetzt erkl�ren,
diese tast gehe �ber eines Mannes Kr�fte. Friedrich"wilhelm be<
stimmte fchlie�lich eine K�nigsberger Regierungskominisston zur Unter'
fuchung des Zwistes, und zur Genugtuung des Hofgerichts konnte
sie nicht umhin, selber die Vereinigung vorzuschlagen. Der K�nig
schrieb an den Rand: �sollHofgericht alles haben."
Der Groll entlud sich aber schon in einem neuen Handel.
Am ?. November l.?20 forderte der K�nig von B�low ein Gutachten,
ob man nicht die Insterburger Amtsvogtei eingehen lassen und f�r
diesen Bezirk das Hofgericht auch inerster Instanz richten lassen k�nne.
Dieser berichtete am 2y. November nach K�nigsberg und am 29.Januar
nach Berlin, es empfehle sich zwar, dieRechtfprechung an das Hofgericht
zu �bertragen, die Amtshauptmannstelle sonst aber samt Titel und
Gehalt bestehen zu lassen, um den Adel nicht zu verletzen. Der
wunderliche Vorschlag verkannte jedenfalls die k�nigliche Absicht auf
Sparsamkeit. Die Frage wurde aber erst dringend, als imJuli NZl
der Amtshauptmann starb. Der K�nig befahl jetzt die Vereinigung.
Darauf schickte die K�nigsberger Regierung am N.August ein langes
Gutachten nach Berlin, um sie zu hintertreiben. Alles m�gliche wurde
eingewendet: ein Gericht solle nicht erste und zweite Instanz zugleich
fein; die Eingesessenen verl�ren ihre zweite Instanz, m��ten vor
dem Hofgericht so vielmehr Praze�kosten bezahlen, die Privilegien des
Adels w�rden angetastet, wenn er sich �mit den Dorfvrieftern, Schul-
meistern, ja Kr�gern und K�lmern" in einem Gericht belangen lassen
m�sse; umgekehrt m�sse sich das Hofgericht mit vielen lappalien
abgeben, es werde feine Ferien (5 2.Juli bis ,. Gktober) verlieren, die
beiden R�te w�rden nicht Zeit behalten, die Registratur und die
Airchensachen zu ordnen und die Polizei zu verwalten; w�hrend das
Hofgericht sonst unter dem Tribunal und der Regierung stehe, trete
es dann z.V. f�r die polizeifachen unter die Kriegs� und Dom�nen"
kammer, f�r die Rechnungssachen unter die Rechnungskammer, und
Verwirrung k�nne dabei nicht ausbleiben, von diesem graulich ver-
dunkelten Hintergrunde hob sich nun ein anderes Bild uin so besser
ab: DieK�nigsberger Regierung w�nschte, statt der Amtshauptmann�
schaft das Hofgericht aufgehoben zu sehen; es sei zu gering befetzt
und werde dadurch in seiner Arbeitsf�higkeit und inseinem Ansehen
beeintr�chtigt. Eine absonderliche togikt Es war doch nur zu folgern,
da� das Hofgericht dann verst�rkt werden m�sse. Das Gutachten
bedeutete einen Vorsto� des St�ndestaates gegen die neue Monarchie;
ob es auch aus Rank�ne gegen B�low pers�nlich hervorgegangen
Wie sehr sich �3iilcro in Erbitterung hineingearbeitet Hai,
verr�t eine Beschwerde vom 1. September *73U Vie K�nigsberger
Regierung redete B�low in ihren Anschreiben mit Vu an; nach
ihremKanzlei gebrauch kam das Pr�dikat Ihrnur den Generalleutnants,
Staatsminiftcrn, Grafen und
�Predigern zu; die Bevorzugung der
Pfarrer �nachte aus den seligen Hofpredigerzeiten stammen. Dar�ber
hatte sich B�low schon mehrfach beschwert und namentlich auf seinen
Freiherrn stand und fein Johanmter- Rittertum (�folglich geistlichen
Standes bin") gepocht. Jetzt beklagte er sich in Berlin, da� die
Regierung fortfahre, ihn �mit Du seltsahm zu benennen und zwar
unter dem Vorwand, da� au�er General -Lieutenants, Staats'
Ministres, Graffeil und denen Predigern, Niemand Ihr zu
benennen sey"; sie solle ihn �wenigstens denen Dorf� und �tabt-
Predigern gleich tractiren". Da die K�nigsbeiger sich auf ihren
Kanzleistil berufen konnten, wurde V�low abgewiesen.
Ivie er sich sonst in seiner Stellung bew�hrt hat, wissen wir
nicht. Am 28. April ;?3Z wurde er seinem eigenen Wunsch und
Vorschlag entsprechend zum Etatsrat und Mitglied der preu�ischen
Regierung ernannt, als Ober -Inspektor �ber alle Justiz�, Kriminal�,
Kirchen� und schulsachen ganz Litauens. Dabei sollte er aber
Pr�sident des Hofgerichts bleiben, auch Insterburg als Wohnsitz be�
halten und nur etwa alle halbe Jahre auf ein paar Cage nach
K�nigsberg kommen. H�heres Gehalt wurde verhei�en. Diese Er-
Weiterung seiner Stellung �in Ansehung der getreuen und �sprie�-
lichen allerunterth�nlgsten Dienste" war f�r Villon� eine laute An-
erkennung. Seinen Wohnsitz hatte er k�nftig doch in K�nigsberg.
        
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