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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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einigen Dames dioertiret". vom 3, bis zum 22. Juni wurde in
pihtitc mit unerh�rter Verschwendung die Verm�hlung der �lteste�
Gr�fin Cosel mit dem Vberfalkenmeister Grafen Friesen gefeiert.
V�low war durch eine eigenh�ndige Randbemerkung feines K�nigs
angewiesen: �er solle alle Page zu pilni^sein und alles Minutissime
berichten, was da Passiret." Die Berichte sind h�chst interessant.
Sie f�llen ganze Aktenhefte. Den Gasten m�rbe eine pomp�se
milit�rische und eine sch�ferliche Schaustellung geboten. Eine k�nstliche
Festung war errichtet und von <*oo Mann in Ianitfcharenkleidung
besetzt; auf der Llbe schwammen drei t�rkisch vermummte Kriegs--
schiffe. Der Feind vertreibt sie mit f�nf Schiffe�, die Festung wird
�ach allen Regeln belagert und erobert. Das Gegenst�ck bildete bas
franz�sische Darf; zw�lf Baucrnh�lischen und eine V�hne waren am
Ende des Parts aufgebaut, und allabendlich gab es dort l�ndlich'
sittliche Feste mitanzusehen. Merkw�rdig genug liest sich hinter
diesen Schilderungen ein Vericht aus dem Juli. Da erz�hlt V�low,
im Holl�ndischen Palais fei ein Mann abgestiegen, niemand wisse,
wer. Der K�nig habe ihn nur von einem Pagen begleitet besucht,
ebenso Flemmina. Hinterher erf�hrt mans: es ist die verwitwete
kangallerie aus Kassel gewesen, sie hat Gold machen wollen; da
sie bald wieder abgereist ist, ist �zu oermuthen, da� von dieser Gold-
inacherin kein gro�er Trost m��e zu hoffen gewesen feyti".
Die nordischen Verh�ltnisse waren seit dem Tode Karls XII.
ziemlich verwirrt. Der schwedische Adelhatte die Gelegenheit benutzt,
sich in bas Regiment zu fetzen. Thronfolger war rechtlich der Sohn
von Karls �ltester Schwester, der Herzog �on Holstein-Gotlorp. (Et
wurde von den St�uben umgangen und Karls j�ngere Schwester(Eleonore mit ihrem Gemahl, dem Herzog Friedrich von treffen-
Kassel, auf den Thron berufen. Tiefe bellten den Dienst mit der
Anerkennung des st�ndischen Reichsrates, der nun in Wahrheit
regierte. 3"1 den Friedensschl�ssen verlor Schweden an England
Hannover das Herzogtum Bremen und Derben, an Preu�en Stettin,
Vorpommern bis zur peene, Usedom und Wollin, an Ru�land die
Vstseeproviuzen; D�nemark gab feine (Eroberungen (Neuvorpommern,
R�gen) heraus, daf�r gab Schweden ihm den Herzog pou Holstein�
Gottorp preis, und dieser wurde des ihm geh�rigen Teiles von
Schleswig beraubt. Der so herausgeforderte Herzog suchte anfangs
bei dem Kaiser, dann bei Peter dem Gro�en H�lfe, wurde sein
Schwiegersohn und erreichte, da� sich Anfang \72^ Ru�land und
Schweden zu feiner Wiedereinsetzung rcrbouberi. Der Wiener Hof
wurde zum Veitritt aufgefordert und zeigte sich geneigt; Ru�land
forberte auch Preu�en auf.
Preu�en war aber von seinem Reichsoberh�upt so vielge�rgert
und gesch�digt worden, da� Fried rich-Wilhelm seine tiefgewurzelte
Hinneigung zu Vesterrcich nicht bewahren konnte. Kurz nachdem
V�low aus Dresden zur�ckgekehrt war, am 3. September wurde
in Herrenhausen zwischen ihm, England und Frankreich ein ve�
teidigungsb�ndnis abgeschlossen; in einem Geheimartikel versprachen
ihm die beiden M�chte, ihm zur Erbfolge inI�lich zu verhelfen.
Die Absicht war,Holland �ndSchweden indas V�ndnis hineinzuziehen.
wahrscheinlich hat sich V�low selber auf dem teuren Vodeu
in Schulden verstrickt.  so erhielt er einen
neuen Auftrag. Zwischen Preu�en und Schweden war \723 durch
eine ehrliche Grobheit des Soldatenk�nigs Zwist entstanden. Ver
schwedische Gesandle, Graf Posset, hatte in Berlin viele Schulden
gemacht. Als er abreisen wollte, meldeten sich feine Gl�ubiger, und
Friedrich-Wilhelm verh�ngte ddfutbarrrft �ber ihn. ?r verstie� damit
gegen das Gcsandtenrecht; er durfte h�chstens von dem schwedischen
K�nig die Tilgung der Schulden fordern. Dieser bezahlte sofort f�r
feinen Vertreter, befahl ihm, ohne Abschied zu reifen, und beklagte
sich bei allen H�fen. Die meisten stimmten ihm 511. Der russische
�bernahm es, zu vermitteln, nnd erreichte von beiden Parteien die
Annahme folgender vier Artikel: \. Der K�nig von Preu�e� schickt
sofort einen Minister an den schwedischen Hof, um das gute Einver-
nehmen wiederherzustellen. 2. Der K�nig von Schweden wird zwar
nicht verpflichtet, auch seinerseits einen Minister zu schicken, wird es
aber doch tun. Z. Der Stockholmer Hof begn�gt sich damit, da�
Graf Posset sich von dem preu�ischen schriftlich verabschiedet, verlangt
aber bas �bliche Abfchiedsgeschenk f�r ihn. <*. Der Wortlaut der
r�paration wird festgestellt.
Der pertrag sollte das gr��te Aufsehen erregen. Gesterreich
mu�te sich vor allem bedroht f�hlen, aber auch Ru�land wurde
unruhig, da man den Vertrag auch gegen den Herzog von Holstein
gerichtet glaubte. So bereitete sich eine Ann�herung Gesterreichs an
Ru�land vor. Rain es zum Kriege, so lag Preu�en am meisten
ausgesetzt. Aber vorl�ufig standen diese gef�hrlichen Wandlimgen
noch nicht deutlich umrissen da.
S�lom wurde in der Instruktion vom September wefent-
lich nur mit der Erledigung des Possetschen Handels beauftragt;
daneben sollte er fiei�ig die Machtverh�ltnisse des Landes, das Creiben
der Parteien studieren. Namentlich in die Absichten der holsteinischen
Partei, der Partei des Herzogs, sollte er einzudringen suchen, von
dem Herrenh�user V�ndnis sollte er wie von einem Defensivwerk
sprechen, zu dem jedermann der Veitnlt offen stehe. Mit dem
englischen und franz�sischen Gesandten gebot die Instruktion^
<�an�<5eM2 und Freundschafft" zu unterhalten, aber auch mit dem
russischen sollte er gute Freundschaft pflegen.
Schon ehe die russische vermitteluug begann, schon imJanuar
5725, war V�low f�r die vers�hnunasmission in Aussicht genommen
und von dem russischen Gesandten gebilligt worden. Jetzt wurde er
mit anderen am (6. September von dem Minister Ilgen dem K�nig
vorgeschlagen, und tags barauf stand seine Wahl schon fest. Der
russische Gesandte �u�erte sich dar�ber �gar content". (Doch hatte
er vorher nicht ausgesprochen, da� gerade V�low erw�nscht fei;
Vroyfen IV 2, 5 5, 3Z5 ist hier imIrrtum. Ueberhaupt kann feine
Darstellung hier eine falsche Meinung erwecken.) DirInstruktion wurde
schon am 19. September aufgesetzt, doch verz�gerte sich die Abreise bis
zum Dezember. V�low erbat sich acht Wochen Frist zur Ausr�stung
und erhielt wenigstens drei. Auch um Erh�hung des Gehaltes kam er
ein. Der K�nig hatte die Sendung auf sechs Monate berechnet und
f�r den Monat 300 Taler ausgesetzt. V�low stellte dem K�nig seine
�ofniperm�genf}eit" dar und bat, das Gehalt auf monatlich 400 Taler
zu erh�hen, auch f�r die Equipierung und den Sekret�r etwas zuzulegen.
Aber nur freie Reise wurde ihm gew�hrt. Schlie�lich hielten noch
Mi�verst�ndnisse �ber den Inhalt der vier Artikel die Abreife auf.
V�low hatte zwei Reisewagen und einen Packwagen f�r die
beschwerliche Fahrt beschafft. Erst am 8. Dezember abends sp�t war
er in Ztralsund angekommen; schlechte Wege und eine Besch�digung
des Wagens hatten ihn aufgehalten. Dort wurden mit dem schwedi-
schen Generalgouverneur und dem Vberkommandanten H�flichkeiten
ausgetauscht. Die Stadt sah von der letzten Velagerung noch
ziemlich w�st aus. Ung�nstiger wind hinderte die Abreife; erst am
konnte man abfahren, aber schon nach vier Meilen sprang der
wind wieder um und hielt das Schiff nach bis in den dritten Tag
fest. Daf�r wurde er dann fo g�nstig, da� die Fahrt bis Ystad in
siebeneinhalb Stunden zur�ckgelegt wurde. Am 59. Dezember fuhr
V�low zu wagen weiter, aber erst am 2^. erreichte er, der schlechten
Wege halber, Stockholm.
verweile war er van drei Verliner Schreiben eingeholt werden(vom 5., 8., 20. Dezember), die ihm den neuen Auftrag gaben, den
englischen und franz�sischen Gesandten zu unterst�tzen, wenn sie
        
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