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Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

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Sache gehe eigentlich mir den dortigen F�rsten und feine St�ube an
und wachsen habe sich ganz imparte� gehalten. ?Iemiiiing kehrt
bann den spie� um und beschuldigt Preu�en der Zettelet. Da der
K�nig von Preu�en die beiden s�chsischen Briefe zui'�crgcniiesen habe,
m�sse Sachsen verlangen, da� der K�nig auch feine Antwort auf
diese Briefe zur�cknehme. Wegen des Grenzstreites werde man die
Rommission neu unterweisen.
wolle, m welchem Staube seine (Truppen seien und baff er imbillige
Zumutungen abwehren k�nne. Va lie�Friedrich'Wilhelm am 1,6. April
an den s�chsischen Residenten in Verlin, 2uhm, und gleichzeitig durch
��fotu au Fleinming die raube Frage stellen, was die Campements
bedeuteten, und lie� binnen zehn Tagen eine glatte Antwort ver-
langen; andernfalls werde die preu�ische Armee am 20. Mai an der
s�chsischen Grenze kampieren. � Jetzt endlich lenkte Sachsen ein.
Es erkl�rte sich bereit, die (Campements weiter ins Innere zu verlegen,
schlie�lich wurden fie infolge friedlicher Erkl�rungen auf beiden Seiten
am B. Mai g�nzlich aufgehoben. Viilow hatte geh�rt, der kaiserliche
Hof habe sich weitergehenden pl�tten versagt; wirklich kam jetzt gerade
ein kaiserlicher Abgesandter nach Verlin. � Von den Streitfragen
war ja allerdings noch keine erlebigt, und es ist durch S�Ioids Mission
keine einzige erledigt worden. Aber Preu�en hatte doch deutlich
feine Meinung gesagt, und Sachsen war eingesch�chtert. Graf
Flemming hatte durch die Aufhebung der Campements eine Nieder-
lage erlitten ;B�low glaubte zu wissen, da� er bei seinem K�nig, bei
den polen und in Wien inMi�kredit gekommen sei und einen Krieg
in Polen heraufbeschw�ren wolle, um sich wieder in Ansehen zu
setzen. Jedenfalls macht seine Politik jetzt die seltsamsten Spr�nge
unb zeigt, wie unsicher er geworden war. Am 4. Aprilh�rte ViUow
in einer Audienz von der K�nigin, Flemming habe ihr gesagt, der
Kurprin� m�sse wieder zur lutherischen Religion zur�ckkehren; offenbar
war das eine Falle. Am 28, Aprilkonnte er berichten, da� Flemming
sich in der Chorner Frage sehr entgegenkommend ausspreche, ja sein
Adjutant von Unruh hatte sich, eben aus polen zur�ckgekehrt, bei
V�low bitter! �ber die Willk�r gegen die Dissidenten beklagt und
wegen eines galles den preu�ischen K�nig um feinEinschreiten bitten
wolle�. Noch mehr, der kaiserliche Gesandte Seckendorf ermunterte
V�low, feinem Herrn die Betreibung des Chorner Handels anzu-
raten; der wiener Hof werde ihn nicht st�ren. Nur wenn Polen
geteilt werde, m�sse der Raiser nat�rlich auch etwas beanspruchen.
Der Preu�e mi�traute der ganzen Freundlichkeit, und Fnedrich-Vilhelm
schrieb unter den Bericht: �Dieses ist alles gut, wenn es nur sinc?re [?]
ist." Heber Sockendorfs Teilungspl�ne wollte er n�heres h�ren,
aber am 5). Mai schrieb er: Die Projekte von einer Teilung Polens
sind �chim�rique und windichle jd�en." Am <.Iunl berichtete
23�lon), da� sich Flemming pl�tzlich feindselig ver�ndert zeige; er
habe ihm mitgeteilt, da� Sachsen in der Cecklenburger und Magde�
burger Sache Schritte getan habe. Am Juni dagegen meldete er,
da� sich Flemming wieder freundlich vernehmen lasse, ja eine Reise
nach Verlin plane, vielleicht wolle er damit Mi�traueil zwischen
Preu�en und England s�en. Flemming wurde von Berlin aus Zu
der Reise ermuntert, verschob sie aber und sagte fie endlich am
Ili.Iuliganz ab.
Hier war eine schlechte Stiche mit den fadenscheinigsten Gr�nden
verteidigt worden. V�low bekam am 2<$. M�rz ans Berlin die
Weisung, nicht verschleiern zu lassen, da� Hachsen als katholischer
Staub und Nichtmltglieo des Nicders�chsischen Kreises schlechterdi�gs
nicht die Rommission �bernehmen d�rfe. Und er sollte dringend
warnen, etwa noch auf andere Rommissionen einzugehen; war doch
seit vierzehn Tagen in Berlin das Ger�cht verbreitet, wachsen wolle
sich zugunsten der aufs�ssigen Edelleute imMagdeburgischen gebrauchen
lassen. Schon auf die erste Runde davon hatte A�!ou> erkl�ren
muffen, der K�nig wurde solche Rommifsion �auf alle weise 311
hindern und derselben Uns hautement 311 widersetzen necess?rt
fein". Vas Ger�cht best�tigte sich wirklich. Der kaiserliche Auftrag
war schon am i.Februar du Schweden, Sachsen und den oberrheinischen
Rreis gegeben. Daraufhin erging am ?. April an Aiilowder Befehl,
Flemming dringend vor der Almahme Zu warnen; sonst gebe es eine
�offenbare collision". � Der Grenzstreit schien sich eher zu ver-
sch�rfen. Es handelte sich haupts�chlich darum, da� beide Parteien
die Zollfreiheit alles F�rsteng �tes mi�achtet hatten. (Serabc jetzt hielt
der kurf�rstliche Zolleinnehmer eine partie Rlafterholz an, die f�r
den K�nig von Preu�en bestimmt war, uud zwischen zwei Grenz-
d�rfer� wurde eine gro�e pingelei geliefert.
In der Thorner Sache war auch nichts zu erlangen. DiePer�
Weisung auf den Reichstag schien dem preu�ischen Hofe unbillig;
denn wenn der Reichstag nicht versammelt fei, fei der K�nig executor
legitimus. Vas, aber nicht mehr sollte V�low vorstellen und im
�brigen Englands Entschl�sse abwarten. Offenbar wollte man in
Berlin auch abwarten, wie sich Ru�land nun zu der Frage stellen
w�rde, nachdem am 8. Februar auf Peter den Gro�en Ratharina
gefolgt war. Die Stimmung war dort gegen Polen, aber doch war
nach Dresden F�rst Dolgorucki geschickt worden, der als s�chsischer
Pension�r galt und sich nach B�lows Beobachtung wirklich auf
Sachsens Seite stellte. 23�low bekam Auftrag, ihm scheinbar per-
traulich zu begegnen. Dolgorucki reiste schon Ende April zur�ck.
Da� man in Polen nicht an Nachgiebigkeit dachte, bewies ein neues
Edikt des Erzbischofs von Krafau gegen die Dissidenten seiner Di�zese;
es bezeichnete und behandelte diese als ungehorsame H�hne der Rirche,
verbot ihnen, neue Rirchen zu bauen und die vorhandenen auszu-
bessern, erkl�rte jede Ehe f�r ung�ltig, die nicht in der katholischeil
Rirche von dem katholischen Priester vollzogen fei, sprach alle Aemter
den Ratholiken 311 und befahl, etwaige Dissidenten aus ihnen zu
entfernen, und anderes. V�l�w mu�te feinen Einspruch versch�rfen
und mit Repressalien der evangelischen M�chte gegen ihre katholischen
Untertanen drohen (27. M�rz). Am 5?. M�rz fragte Preu�en bel
den Evangelischen St�nden herum, ob man angesichts der Thorner
Sache und der vorenthaltung des Stiftes Naumburg Sachsen noch
in dem Direktorium des corporis evangelici belassen k�nne. Die
Situation spitzte sich gef�hrlich zu. Viilow hatte schon am 5. M�rz
berichtet, es werde stark gewarben, besonders St�ck' und wagenknechte,
wirklich hatte Sachsen schon im Februar beschloffen, seine Truppen
311 Ende Mai in zwei lagern bei Wittenberg und �bbeu zusammen"
zuziehen. Die Anstalten, die dazu gemacht wurden, entgingen der
preu�ischen Wachsamkeit nicht, und man forberte Erkl�rungen. Sie
lauteten vage und doch trotzig genug, der K�nig von Polen habe in
der Thorner Sache so viel zu h�ren bekommen, da� er einmal zeigen
Ende Juli ging der ganze Hof nach Polen, am 29. hatte
V�low Abschiedsaudienz und bekam das Zeugnis mit, da� er nicht
nur �eine durchgehende verst�ndige Conduite gef�hret, sondern auch
die von Ew. Ma), ihm anvertraute Gesch�fte mit guter Vernunft und
Geschicklichkeit auch unerm�detem ?yfer ..besorget und wahrgenommen
h�be." Schwerer wog es f�r ihn, da� sein K�nig schon am 2^. M�rz
unter einen Bericht geschrieben hatte: �bin mit den Rapords
zu frieden."
Wir fragen noch, was V�low an h�fischem Glanz im lande
Augusts des Starken genossen hat. vom 2^. April bis zum 8. Mai
war er mit dem ganzen Hof nach leipzig zur Messe gegangen. Rurz
vorher war gerade die politische Spannung aufs �u�erste gestiegen;
da� die Me�vergn�gungen bevorstanden, trug vielleicht zu der schnellen
tosung bei. V�low meldete am 20. April:Ver R�nlg hat sich einige
Tage �ihnen Selber gewalt anthun muffen Sich der Arbeit mitzu-
unterziehen". Des Abends habe er sich allerdings doch noch �mit
        
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