Path:
Miscellanea Zollerana

Full text: Miscellanea Zollerana

277
Friedrich von V�low (l093�l?38), preu�ischer zuwider wurde die evangelische Veo�lkerung Polens i� ihren b�rge�
lichen Rechten geschm�lert und mit Glaubensha� verfolgt. InThor�
lie�en sich bei einer Prozession fanatische Ich�ler des Jesuitenkollegiums
3� roher Mi�handlung evangelischer B�rger hinrei�en und trieben es
so lange, bis die Verfolgten in ihrer Wut auf bas Kollegium ein-
st�rmten, es pl�nderten und Heiligenbilder verbrannte�. Vie Jesuiten
klagten bei der Regierung, k�nigliche Truppen wurden in die Stabt
gelegt, eine Unter fud^ungsfomtmfj�on eingesetzt und in willk�rlichem
Rechtsverfahren das Urteil gesprochen: die beiden B�rgermeister
wurden zum Tode verurteilt, die letzte evangelische Kirche den
Katholiken ausgeliefert; ehe andere M�chte eingreifen konnten,
wurden die Hinrichtungen vollzogen. (Dezember I72^)8
ein Stammhalter geboren worden, wahrscheinlich stand der Kurf�rst
selber paie und gab dem T�ufling feinen Hamen Friedrich. Der
Junge kr�nkelte ohne Ende, und mit dem Manne wurde es nicht
anders; er spricht selber von feinem �so elenden K�rper", un& nur
vierzig Jahre ist er alt geworden. Am 7. Vktober \7\5 wird er in
Halle immatrikuliert. Ver Studienzeit folgten vermutlich Reisen.
\?2\ finden wir ihn als Rat des Hof- und Kammergerichts inBerlin.
Schon in diesem Jahre (am l.6. August ;?2l,) verm�hlte er sich. Vie
Erkorene war eine Tochter des Felomarschalls Georg-Abraham
von Arnim, der damals schon auf feinem schl�sse Boi3enburg von den
Feldz�gen am Rhein, inItalien, inUngarn, inSdjmebif�Vpommern
ausruhte. Tim 22.Juni taufte bas junge paar den ersten 5ohn,
u�d an der Spitje der hohen patenfchar stand der K�nig selber. Am
23. Februar l,?2^ wurde der zweite Zohn geboren und der Kronprinz
erschien als p�te. Sis �,?22 war bas halbe Dutzend Jungen voll,
zur besonderen Zufriedenheit des Gnkels Kuno-Iasua, des Hanno"
versehen Feldmarfchalls. Drei davon sind jedoch als Kinder gestorben.
Die Verbindungen am Hofe f�hrten Friedrich 00 u N�low halb
den gr��eren 5taatsgefd|�ften zu. Anfang (725 ging er indivloma�
tischem Auftrage nach Dresden. Zwischen dem preu�ischen und s�chsisch-
polnischen Hof hatte es allerhand Mi�Helligkeiten gegeben. DreiStreit�
f�lle namentlich harrten der Erledigung und wurden N�low inseiner
Instruktion vom 20. Februar >,?25 besonders ans Herz gelegt. Die
Grafschaft Mecklenburg war nach hundertj�hrigen� Proze� einem
Grafen Solms zugesprochen worden, und von diesem hatte sie
Friedrich I.gekauft (1.707). Jetzt hatte auf kaiserliche Anregung hin
ein Graf Ventheim dagegen Widerspruch erhoben und die Grafschaft
f�r sich gefordert. In�ftfrieslanb hatte der Gro�e Kurf�rst gewisse
Anspr�che erworben, und seit �ber 30 Jahren standen in �Linden ein
paar hundert Mann preu�ischer (Truppen, auch waren mit de� st�nden
Vertr�ge abgeschlossen, in denen Preu�en ihre Rechte gegen den ?anbes*
Herrn in Schutz zu nehmen versprach. Jetzt erging ein Reichshofrat'
dekret, da� jene Vertr�ge null und nichtig feien und die preu�ischen
Truppen zur�ckgezogen werden m��ten. In beiden F�llen lie� sich
Sachsen gegen Preu�en gebrauchen, und als der Reichshofrat auf
Exekution erkannte, gar zum Mitglied der Kommission ernennen,
obwohl es nicht zum Nieders�chsifchen Kreise geh�rte und anderer
Religion war. Dos kr�nkte Fricdrich-Wilhelm schwer, und auf feinen
Befeb.1 mu�ten zwei Vriefe, die der s�chsische Gesandte inBerlin zu
dieser Sache �berreichen sollte, a?s unstatthaft zur�ckgegeben werden.
V�low sollte erkl�ren, da� Preu�en diese Kommission nimmermehr
anerkennen k�nne, und sollte bitten, Sachsen m�ge davon zur�cktreten.
Der dritteHandel, der beide H�fe entfremdet hatte, warbas ber�chtigte
Chorner Bluturteil, f�r bas der Kurf�rst von Sachsen als K�nig von
polen mitverantwortlich war. Den Vestimmungen des VlivaerFriedens
Flemmmg verschob feine Antwort und entschuldigte sich mit
einem Unwohlsein. Nur f�r den Thorner Handel erkl�rte er sich
gleich unzust�ndig und verwies V�low, wie den englischen Gesandten,
daf�r an den polnischen Vizekanzler Prinzen Czartoriski. Dieser hielt
sich gerade in Dresden auf und zeigte wenig Entgegenkommen; die
weggenommenen Kirchen feien nicht in dem Glivaer Frieden mit
einbegriffen, der Streit k�nne nur in dem n�chsten polnischen Reichs-
tag ausgetragen werden. V�low war daher so vorsichtig, die vcr�
Weisung an Czartoriski vorderhand nicht anzunehmen.
1(Duellen; Drohen, Geschichte der preu�ischen polilif- Teil q> Abt.Z. Bb. l,
5. 3�!Hf,;Vncke�, Friedlich' Wilhelm I. und Sir lh<�l>5 hocham (Forschungen zur
brnnbenti. preu�ischen Geschichte, VII. VIII,IX, bes. Vif, .195), F�rst�, Friedrich'
WilhelmI.I,383, III,8. 1?5 ; v.p�Unih. INemol��. II,2�. M^moirei d*Fr�d?tfiiu�
Sophie Wtlhcltnine, Margrave de Bareith. I,15?� 286; �Stun�manii , Versuch einer
Ilcktlni�rklfchen Adelsgefchlchte, S. J93ff. 268 (Arnims).
�
Bei de� Ft>mlIIenpap!er�n
private und dienstliche Vriefschaftrn. projefe(�ab geringe Nachrichten. � Hus Bern
Serlinrr �et;. Si?attai?fiv sind bfnu�t Rep. X,Nt.?9 ?lcldjii^stifftri(223 3uU 22
bis ?luguf? 23 
    
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.