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Die Hohenzollern und die Oranier in ihren geistigen, verwandtschaftlichen und politischen Beziehungen

Full text: Die Hohenzollern und die Oranier in ihren geistigen, verwandtschaftlichen und politischen Beziehungen

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Gest�tzt und getragen durch Me starken politischen un& geistigen Belegungen, die sich seit \6?\ zun�chst in
den Niederlanden und sodann auch unter allen reformierten M�chten Deutschlands geltend machten, wurde das alte
Vand zwischen den beiden engbefreundeten Dynastien von neuem st�rker und fester gekn�pft. 3n den letztvcrstossenen
Jahrzehnten hatte Fiiedrich^wilhelm, solange er bis nat�rlichen Bundesgenossen beraubt war, zwischen dem Aaiser
und Schweden mit M�he seine politische Stellung behauptet; seine Sympathien aber hatten auch in der Zeit seiner
Gegnerschaft wider Johann de Witt und die Staaten immer den Niederlanden geh�rt, die er, wie George pages neuer-
dings mitRecht bemerkt hat, stets als �seine religi�se Heimath" betrachtete.' Unter allen den verschiedenen Beweggr�nden,
die ihn leiteten, war nach pages zutreffendem Urteil jedesmal die religi�se Sympathie die st�rkste und ausschlaggebende.
Seit 6? stammte die alte Begeisterung von neueni in ihm auf, und als tudwig XIV. sich anschickte, die
protestantische Vormacht auf dem Festlande niederzuwerfen, da fa�te er den heldenhaften Entschlu�, sich auf die Seite
der Gramer und der Staaten zu stellen und die Allianzen der letzten Jahrzehnte mit einem Schlage zu zerrei�en.
Es war der gewaltsamste, der gef�hrlichste und der selbstloseste Entschlu�, den dieser F�rst je gefa�t hat. Nicht
die Erw�gung von Machtfragen, sondern die Gesinnung hat diesen Entschlu� diktiert, der nach der Ueberzeugung
der meisten Zeitgenossen den Staat vor die Gefahr des Unterganges stellte.
Es war ein Gl�ck f�r den Aurf�rsten, da� diese seine Denkart bei dein Vundesgenossen und Partner, den
er gew�hlt hatte, Verst�ndnis und wiederhall fand. Ganz im Unterschiede von seinem Pater, Wilhelm II., der im
Sinne seiner Gattin aus dem Hause Stuart die Familien und Machtinteressen in erster linie sprechen zu lassen pflegte,
lebte in Wilhelm III, die Gesinnung des Schweigers und seines Sohnes Friedrich. Heinrich noch einmal aus; auch
Wilhelm III.hat seine Existenz mehr als einmal eingesetzt, um die Ideen durchzusetzen, f�r die seine Vorfahren
gek�mpft und gelitten hatten und ohne die ihm die blo�e Macht ein Gef�� ohne Inhalt schien; er f�hlte und ahnte
zugleich, da� eben in diesen Ideen sein Einflu� und seine Macht �ber weite Areise vornehmlich beruhten.
Man kennt den Ausgang des Unternehmens von als Ludwig XIV. den, Kurf�rsten in seinem R�cken
in den Schweden einen neuen Feind erweckte und als alle Welt ihn verloren glaubte, da schlug er � es war die
entscheidende Tat der brandenburgisch-preu�ischen Geschichte � bei Fehrbellin die m�chtigste und gef�rchtetste Milit�r-
macht Nordeuropas auf das Haupt. An diesem gewaltigen Erfolge hat kein Staatsmann und kein Feldherr Friedrich-
Wilhelms einen erheblichen Anteil; es war alles sein pers�nliches Werk. Aber die Unterhandlungen, die zehn Jahre
sp�ter die Unterlage f�r das B�ndnis vom 23. August zwischen Wilhelm III, und den: Aurf�rsten schufen, Ver-
handlungen, die nur dadurch zum Ziel gekommen sind, da� es m�glich war, sie unter den Schleier des tiefsten Ge-
heimnisses zu f�hren, sind doch zugleich in erheblichem Ma�e ein Werk der stillen Arafte, mit denen die beiden F�rsten
in eine br�derliche Gesinuungsgemeinschaft getreten waren.
Als die durch kudwia XIV. in Szene gesetzten Religionsverfolgungen und die versuche A�nig Jacobs II.,
England zu rekatholisieren, ihren H�hepunkt erreicht hatten, da zeigte es sich, da� �ber die ganze abendl�ndische
Aulturwelt verbreitete, gut organisierte Ar�fte vorhanden waren, die in freiwilliger Hingade f�r die Ideale der
Toleranz und der Humanit�t k�mpften. Politische Verstimmungen ernster Art hatten nach den Ereignissen der
siebziger Jahre die beiden innerlich so nah verwandten F�rsten lange Jahre hindurch einander entfremdet; es schien
wenig Hoffnung auf einen Ausgleich vorhanden zu sein, zumal da die schwebenden Projekte f�r die N�chstbeteiligten,
besonders auch f�r Brandenburg, abermals ein sehr gef�hrliches Risiko in sich schloffen.
Da gelang es einsichtigen und wohlunterrichteten Freunden, in aller Stille die lange unterbrochene Veziehung
wieder anzukn�pfen und im April 5685 kam, wie bemerkt, das V�ndnis zustande, das die Macht der Stuarts st�rzen
sollte und das den Pl�nen Ludwigs XIV.dauernd halt gebot. Auf den niederl�ndischen Schiffen, mit denen Wilhelm III.
am November zu Torbay an der englischen R�ste landete, befanden sich auch brandenburgische Regimenter,
die an dem Siegeszuge des Graniers durch England teilnahmen.
1 Georges Pages, Le Grand �lecteur et Louis XIV 1660� �688. Paris 1905. 3. 25.
        
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