Path:
Die Hohenzollern und die Oranier in ihren geistigen, verwandtschaftlichen und politischen Beziehungen

Full text: Die Hohenzollern und die Oranier in ihren geistigen, verwandtschaftlichen und politischen Beziehungen

222
tiefgewuselten religi�sen Vcd�rfnisses mit einer weitherzigen Toleranz, die die Achtung vor jeder fremden Ucbcrzeugung
in sich schlie�t und zur Voraussetzung hat. Das starke praktische und ethische Interesse, as mit dieser Gesinnung Hand
in Hand ging, bewahrte diese M�nner vor den Gefahren, die jede tot� Gl�ubigkeit in sich birgt, w�hrend andererseits
der religi�se Einschlag, der ihre Weltanschauung kennzeichnet, sie vor jedem �den und unfruchtbaren Moralismus sch�tzte.
Genau in derselben weise, wie einst int Zeitalter der Renaissance ein Vand pers�nlicher Freundschaft die
Vork�mpfer des Humanismus mit den F�rsten verkn�pfte, die ihre Schutzherren und Patrone waren und �hnlich une
im \3. Jahrhundert die gro�en Vertreter unserer klassischen ?ttcratur in vertrauten, Verkehr mit ihren f�rstlichen
G�nnern lebten, so begegnet uns bas gleiche Vand inniger pers�nlicher Zusammengeh�rigkeit im V- Jahrhundert bei
allen genannten M�nnern, gleichviel ob sie mit dem Schwert oder mit der Feder f�r die Geistesfreiheit und die
Erziehung des Menschengeschlechtes gek�mpft haben.
Viesc enge pers�nliche Beziehung von M�nnern, die durch starke soziale Scheidew�nde getrennt waren, ist schon
den Zeitgenossen aufgefallen, und in den Schriften der Gegner wird geradezu behauptet, da� nicht nur ein inneres,
sondern auch ein �u�eres Vand vorhanden gewesen sei, das diese Alanner umschlungen habe. Vie �Naturphilosophen"
und �Synkretisten" � so nannte man im gegnerischen lager die ganze Geistesrichtung
�
seien, so sagte man, zugleich
�Adepten", die �sich gegen die bestehenden M�chte verb�ndet h�tten". Vbwohl die Betroffenen solche und �hnliche
Namen zur�ckwiesen � wir wissen, da� der Gro�e Aurf�rst jedesmal, wenn man ihn einen Synkrelisten oder Adepten
nannte, in gro�e Erregung geriet � so haben die zeitgen�ssischen Widersacher doch den Zusammenhang der Vinge
und der Personen richtiger durchschaut als viele sp�tere Historiker: es ist in der Tat ebenso wie einst im Zeitalter der
Meoi^eer und wie sp�ter in der Epoche des deutschen Neuhumanismus auch das �u�ere Vand einer festen
Organisation vorhanden gewesen, das unter dem Schleier der Verschwiegenheit den Voden f�r die geineinsame geistige
und politische T�tigkeit bereitet hat, auf dem sich die Gramer und die Hohenzollern die Hand zu freundschaftlichen:
Zusammenwirken gereicht haben.
An der Schwelle der Entwickelungen, die wir hier zu betrachten haben, steht die m�chtige Gestalt eines der
Gro�en aus der Geschichte der neueren Zeiten, Wilhelm I. von Nassau-Granien, dessen Vild bis auf den heutigen
Tag in den Herzen unz�hliger Menschen in lebendiger Erinnerung und begeisterter Dankbarkeit fortlebt. Sind doch
die Gedanken, f�r die er gek�mpft und gelitten hat, vor allem der Gedanke der Toleranz und der religi�sen und
politischen Freiheit, die Triebkr�fte geworden und geblieben, die allen sp�teren Entwickelungen der abendl�ndischen
V�lker den Stempel aufgedr�ckt haben.
Wilhelm, Graf zu Nassau, war als Sohn Wilhelms des Reichen und der Gr�sin Juliane von Stolberg
am 25. April zu Dillenburg geboren. Wilhelms des Reichen Vruder, Heinrich von Nassau-Vreda, war durch
seine Heirat mit der Prinzessin Claudine non Gmnien-Chalons einer der reichsten Edelleute seiner Zeit, und die
Umst�nde f�gten es, da� Heinrichs Sohn, Rene von Gramen, sich entschlo�, seinen Vetter Wilhelm durch Testament
zu seinen: Erben einzusetzen. Diese Erbschaft war die Veranlassung, da� Wilhelm nach Vr�ssel �bersiedelte, wo damals
die Schwester Aaiscr Aarls V., die A�nigin -Witwe Maria von Ungarn, als Regentin der Niederlande Hof hielt. Ver
Aaiser, zu dem der junge Graf von Nassau damals in Veziehung trat � bei der Uebertragung der niederl�ndischen
Herrschaft an seinen �Sohn Philipp II. erschien Rar! V. gest�tzt auf den Arn, Wilhelms in der Versammlung � hatte
die hervorragenden Gaben des jungen deutschen F�rsten rasch erkannt, und er ergriff jede Gelegenheit, ihm sein ver-
trauen zu bezeigen. Als Admiral von Holland und Seeland, als Markgraf von Antwerpen und Vesancon, und als
Befehlshaber spanischer Vesatzungstruppen in den Niederlanden gewann Wilhelm allm�hlich Machtbefugnisse und Ehren
wie kein anderer Magnat neben ihn: in den spanischen Niederlanden. Aurf�rst Moritz von Sachsen best�tigte gleichsam
diese Stellung, indem mit seiner Zustimmung seine Tochter des Prinzen Gemahlin wurde.
Die Meinungsverschiedenheiten nahmen ihren Anfang, als Wilhelm dem Aardinal Granvella, dem damaligen
Minister Philipps II., seiner Glaubensanschauungen wegen verd�chtig wurde, vom ersten Augenblick an f�hlten Philipp
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.