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Die Hohenzollern und die Oranier in ihren geistigen, verwandtschaftlichen und politischen Beziehungen

Full text: Die Hohenzollern und die Oranier in ihren geistigen, verwandtschaftlichen und politischen Beziehungen

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zusammen und m der �gro�en Versammlung" derselben im Haag Januar \65{) wurde beschlossen, keinen neuen
Statthalter und keinen neuen Oberbefehlshaber de�. Heeres mehr zu ernennen. Damit begann die erste statthalterlose
Penode der Republik, die unter Beg�nstigung der Zeitumst�nde erst ihr Ende fand, als Wilhelm III. zur Gro�-
j�hrigkeit herangereift war.
Vie Erziehung Wilhelms III.war zwar von den Gegnern seiner Familie �berwacht worden, aber diese Ueber-
wachung hatte nicht hindern k�nnen, da� sich fr�hzeitig ein Vertrauensverh�ltnis des jungen Prinzen zu seiner Gro�mutter
Amalie von 3olms und besonders zu dem uns bekannten intimen Freunde und Gesinnungsgenossen seines Gro�vaters
kudwig von Nassau-Veverweert (gest. sowie zu Konstantin Huygens und Gras Friedrich zu Dohna,
die wir bereits kennen, entwickelte. Es kam hinzu, da� neben der Mutter, der Prinzessin Maria, der Gro�e Aurf�rst,
Amalie von Vranien und der Pfalzgraf bei Rhein als Vorm�nder best�tigt wurden, und da� mithin Friedrich-Wilhelm
von vornherein, ebenso wie, Louise-Henriette, einen gewissen Einflu� behielten. Der Aurf�rst, der den durch seine T�tigkeit
in Brasilien bekannten F�rsten Johann-Moritz von Nassau zu seinem Statthalter in Aleve, Mark und Ravensberg
gemacht hatte, blieb schon durch diesen mit dem oranischen Hause im Haag in st�ndiger Beziehung. Aber noch
wichtiger erwies sich die Tatsache, da� Konstantin Huygens und die gesamte starke Partei, deren F�hrer er war,
auf oranischer Seite auch jetzt noch verblieben, obwohl gerade Huygens von Amalie viele Ar�nkungen erfahren hatte;' er
war und blieb ihr Ratgeber und pers�nlicher Freund in den langen schweren fahren, die jetzt f�r die Familie anbracheil.
Es war ein Gl�ck f�r das oranische Haus, da� Friedrich-Heinrichs Reffe, Graf Friedrich zu Dohna, der mit
Huygens nahe befreundet war und der die Grafschaft Grange damals als Statthalter verwaltete, sich als treuer Kampf-
genosse erwies. Sobald Wilhelm III.im Jahre m�ndig geworden, rief er Friedrich zu Dohna in seine N�he,
der nun alle Ma�regeln zur Wiedererlangung des oranischen Einflusses leitete.
Die Organisation der Gesellschaften hatte in dieser Zeit unter dem starken Druck der herrschenden M�chte
viele Einbu�en erlitten, wir erfahren zuf�llig aus den Ma�regeln, die die oberste Rirchenbch�rde der Calvinisten in
Sachen der B�hnen traf, einiges von den Konflikten, in die die Br�der damals geraten waren, wir haben oben^
erw�hnt, da� die �Aammern" das Theater in dem Sinne als ihre Aanzeln benutzten, da� sie durch sie im Sinne von
Tugend und Wahrheit k�mpften. Jetzt wurden die Theater, soweit ihre leiter dem obersten Airchenrat nicht genehm
waren, geschlossen und dadurch den Aammern ihre Finanzquellen verstopft; es kam zu heftigen Aonflikten.^
Sobald nun Prinz Wilhelm III. m�ndig geworden und Friedrich zu Dohna nach dem Haag zur�ckgekehrt
war, zeigt sich eine starke Wiederaufnahme ihrer Ar�fte. Im Jahre trat eine neue Gesellschaft ins (eben, die
den Wahlspruch f�hrte: Kil volenridus ar6uuln. die nachmals sehr ber�hmt geworden ist, die aber ihre Satzungen,
ihre Geschichte und ihre Verhandlungen mit einem so tiefen Schleier verh�llt hat, da� wir noch weit weniger �ber sie
als �ber die Gro�loge Friedrich-Heinrichs wissen.
Der Umschwung der Weltverh�ltnisse, der durch den gewaltigen Machtzuwachs kuowigs XIV.eintrat, beg�nstigte
die Pl�ne der oranischen Partei, und abermals war es der Aampf um die Religion, der die Situation in einem
Sinne �nderte, der den Vork�mpfern der Gewissensfreiheit zustatten kam.
Die Aussichten f�r die Wiederherstellung der katholischen Airche auf dem Festlande, wie sie den leitenden
M�chten in Rom und Paris noch immer vorschwebte, sind selten g�nstiger gewesen als in der Zeit, die
zwischen den Jahren liegt, kudwig XIV., ganz erf�llt von diesen Ideen, war dem erhofften Ziele
damals n�her als jemals. Aber zum vollen Gelingen fehlte einstweilen eine wesentliche Voraussetzung: solange die
Niederlande als Vollwerk dastanden, war die Araft des Protestantismus auf dem Aontinentc nicht gebrochen und es
kam daher alles darauf an, die vereinigten Provinzen zun�chst politisch zu isolieren, un: sie dann milit�risch niederzuwerfen.
Als die Aurie sich damit einverstanden erkl�rte, da� der dritte Teil der Anegskosten wider Holland aus den geistlichen
1 Arthur Nleinschttlidt a. 
    
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