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Prinz Louis Ferdinand als Musiker. Sein Tod, seine Bestattung und sein Andenken

Full text: Prinz Louis Ferdinand als Musiker. Sein Tod, seine Bestattung und sein Andenken

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von furchtbaren Wunden entstellt, unter einem lustigen Siegesmarsche in den Schlo�hof. Auf die Ermahnung des
Schwiegersohnes des Herzogs pou Koburg, des Grafen von TNensdorff, brachten die Sieger die Leiche alsdann in die
Stadtkirche, wo sie vor dem Alt�re einbalsamiert wurde und sp�ter in der Fnrslengruft ihre Ruhest�tte fane*.
Von vielen Teilnehmenden, Preu�en und Franzosen, wurde er begr��t, das Haupt gar mancher Cocfe beraubt.
Amalia von Uttenhoven ging heimlich in bas Gotteshaus und schm�ckte das durch den Cad noch nicht entstellte Haupt
des Helden mit einen: Lorbeerkr�nze. Jahrelang ruhte der Leichnam in der Saatfelder Iohanniskirchs, bis nach der
R�ckkehr des K�nigspaares in die Residenz und dem hinscheiden der K�nigin ?uife in der Familie des alten Prinzen
Ferdinand der Wunsch laut wurde, die Ucberreftc des Prinzen in der Berliner hahenzollerngruft beizusetzen. Auf Befehl
des greisen Paters wurde der leichnam durch den Aammerrat Gicseke im stillen abgeholt und in Gegenwart der
k�niglichen Prinzen am 2\, M�rz \S\\ im Dome beigesetzt. Die Berliner Singakademie ehrte den zu seinen V�tern
heinigekehrten F�rstenfohn durch eine w�rdige Trauermusik (am 2N�rz). Ein von Zelter nach Worten Cie6ges
gesetzter Choral: �Den Menschen treibt ein ewig Streben" leitete die Feier ein; alsdann erneute H�ndeis Judas
Vfiaccab�us in stattlicher Besetzung die (Erinnerung an den gefallenen Helden.
Ein dichterisch begabter Patriot, namens Vauz, verherrlichte in w�rdigen und mannhaften Versen das
Andenken des Gefallenen, der vor allen anderen Gpfern des Arieges sich selbst der Nnterwell geweiht habe.
War er k�hn der Erste, der dem Drohe�
Fremder Kr�fte sich entgegen warf.
Selig in dein Glauben der Heroen,
Da� wer sterben kann, d�5 H�chste darf.
Sein Veispicl ist der letzte Stern, der dein preu�ischen Volke noch leuchtet; seine R�ckkehr in die Heimat ein Liebes
zcichen der ewigen Gerechtigkeit, da� die neue Sonnenh�he naht.
Nicht an seinem 5^arge la�t uns luenicn !
lebte er, et w�re niiuber gro�;
Friede den geheiligten Gebeinen,
welche heul die K�nigsgrnft verschlo�t
Die schweren Jahre der preu�ischen Anechtschafl sind f�r unsere nationale Geschichte unendlich wertvoll als
Zeit der Vorbereitung und der Selbstbesinnung, des sich wiederfinde ns von F�rst und Volk, wenn wir da der R�ck-
kehr des K�nigspaares in oie Hauptstadt, dem hinscheiden ?utfens in dieser Entwicklung eine besondere Stelle anweisen
m�ssen, so geh�rt auch der Vestattung kouis Ferdinands im Dome ihre Bedeutung. Und a?s 1,91,5 die nationale
Begeiferung mit elementarer Gewalt aufstammte und die Dichter zum Kampfe riefen, da war unter den Heldengeistern,
die man beschwor, auch der fr�h geopferte prinj ?ouis, und die 2Uufe K�rners, Fouque^5 und St�geinanns huldigte
dem ITl�rtyrer deutscher Freiheit aus hohenzollernstamme von neuem.
Es war eine Schuld der Nation, die die piet�tvolle Schwester des Prinzen bezahlte, wenn sie an Stelle des
ganz einfachen Denksteines bei w�'hlsdorf, wo er gefallen war, ein w�rdiges Denkmal aus Gu�eisen errichtete. Auf
einen� gro�en viereckigen Postament erhebt sich ein von einein einfachen Giebel gekr�nter Vau, in dessen Vorderwand
eine Nische von antiker Forni sich befindet. In ihr steht ein unbekleideter jugendlicher Genius, an eine S�ule gelehnt,
von der eine teier herabh�ngt. Seinen rechten Ellenbogen st�tzt er auf diese S�ule, mit dem Zeigesinger der rechten
Hand h�lt er einen Corbeerzweig nach der Stelle, wo der f)rinz fiel. Uebcr die rechte Schulter und den rechten
Schenkel wallt ein leichtes Gewand, hinter seinen F��en lehnt ein altdeutscher Schild, neben dem der Griff eines
Schlachtschwertes hervorblickt. Das sch�ne, von Schmkel entworfene und von Friedrich Cieck modellierte Werk wurde
am 1,9. Oktober feierlich enth�llt." Es tr�gt die Inschrift:
Glorreich brach der gefallene Held die blutige AricgZbahn. AuZ des Spartaner� Zersplittertem Speer gr�nt ewigem Oalmlaub.
Mit teonidas Muth fand er leonidas Tod. tudwigs gesunkener Stahl stammt in unsterblichem licht.
1 (Erinnerungen einer Hofdame vom Monat Oktober l�06 (von Am. v. Uttenhoven), hier und da in Archiven handschriftlich
portfanben, auch gedruckt in der selten gewordenen Allgem. Modezeitung, herausgegeben von Viez'mann. \8^. 5�. Jahrgang. Silber-
magazin Nr. z^�26, 5. 95
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103.
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s Nachtfeier bei dem teichenznge seiner KSnigl. Hoheit des Prinzen Friedrich Christian ludroig
von Preu�en, 2\. M�rz \s\\ (von Vanz). Einzeldruck im K�nig!,Hausarchw. � 3 Im Venth-Schinlelmufeum zu Charlotten b�rg finden
sich zwei einander sehr �hnliche Entw�rfe des Denkmals von Schwkels Hand aus dein Jahre \6z \.
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