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Prinz Louis Ferdinand als Musiker. Sein Tod, seine Bestattung und sein Andenken

Full text: Prinz Louis Ferdinand als Musiker. Sein Tod, seine Bestattung und sein Andenken

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die in einem wundervollen Briefe den 23aumeifter des mo&etneu preu�ischen Staates anwirbt. In�en, sie sich bewu�t wird,
welche entsagungsvolle Gesinnung die Arbeit f�r den erniedrigten Staat erfordert, segnet sie das kos ihres dahingegangenen
Vruders. �Er h�tte in dieser ?Delt zuviel zu dulden gehabt, und was ich t�glich erfahre, l��t mich empfin6en, da� die
Schmerzen, die Gott uns schickt, oft wohltaten sind, die wir in unserer Verblendung beweinen. Ihm k�nnte ich nur aus
Eigennutz zu leben w�nschen. Er fehlt nur an jedem Cage, in jedem Augenblick meines kebens, und doch f�hle ich, da�
er viel gl�cklicher a?s wir ist." lind wie hier, wo die Prinzessin Cuife um die Zukunft des Hohenzollerustaates �ngstlich
sorgt, die hohe Gestalt ihres Heldenbruders vor ihre Seele tritt, so steht sein Geist eigentlich in dem ganzen Vricf-
wcchsel zwischen Stein und Prinzessin (uise ungesehen hinter den Schreibenden, wenn Cutfc den Minister nach feiner
Aechtung durch Napoleon, die ihn wegen eines unvorsichtigen Aufrufes zum Freiheitskampfe ereilt hat, des teil-
nehmenden Gedenkens aller Vatcrlandsfrcunde versichert, so denken wir ?ouis Ferdinands, den ein gleiches vulkanisches
Temperament abhielt, seine Freiheitsliebo zu verbergen. ?Denn der Perbannte nach der Hoffnungsvolleu Schlacht von
Aspern den Wunsch nicht unterdr�cken kann, der K�nig m�ge feinen wahren vorteil befragen, sich der Kriegsmittel
von Norddeutsch land bein�chtigen und eine ehrenvolle Stellung unter den Festlandsm�chten erk�mpfen, so spricht daraus
der hochgemute Nationalstolz, der den Hohen zollernspro� einst beseelte. Tr�stet die Prinzessin im Fr�hjahr den
nach Deutschland Zur�ckgekehrten, der als der einstu�reiche Ratgeber des Zaren sich r�hmen durfte, den Ansto� zum
gro�en Freiheitskampfe gegeben zu haben, wegen der verkennung, die er durch den K�nig Friedrich Wilhelm III.erfuhr,
so denken wir an das gleiche Schicksal, das der hochgemute prin^ erfahren hatte. Das Schicksal fouis Ferdinands und
der K�nigin Cuifc als der beiden ZVt�vtyvtt der preu�ischen Freiheit weckten bei alleu Vaterlandsfreunden das gleiche Echo.
(�neifeiia�, der in der Fr�hlingsfrcude der Befreiung im April \8\3 aus Altenburg feinen Jubel der edlen F�rstin mitteilt
und sein Gef�hl der Gl�ckseligkeit nur durch den wehm�tigen Gedanken getr�bt sieht, da� die K�nigin nicht mehr lebt,
die das Gl�ck so tief mitempfunden hatte, erinnert sich zugleich schmerzlich, in der N�he derjenigen Grte sich zu befinden,
wo ein edler F�rst f�r eine Sache litt und fiel, die sp�t nach feinem Hinscheiden erst mit Gl�ck wieder aufgenommen
werden sollte. �Der edle Cote kann uns nicht mehr f�hren, aber das Beispiel feiner Tapferkeit soll uns vorleuchten !"
Der Held, der von den Edelsten der preu�ischen Nation so hochgehalten wurde, geno� auch im Tode noch
die Liebe des Heeres und des Volkes, die er im (eben schon in so reichem Ma�e durch seine rein menschliche Liebens-
w�rdigkeit und durch seine hohe Ritterlichkeit gewonnen hatte. Schlichte Berichterstatter werden zu romantischen
Dichtern, wenn sie seine letzten Augenblicke schildern. Ver Schauer des Geisterreiches ergreift uns, wenn sein Adjutant
Nostitz in einer phantastischen Darstellung uns berichtet, in der Mittcrnachtsstunde vor der Schlacht sei dem Prinzen,
ihm und einer Schildwache im Schlosse von Rudolstadt die Wei�e Frau von Vrlam�nde erschienen, um ihm seine
Todesstunde zu verk�nden. Und am anderen Morgen wird ihm das Gespenst an� hellen lichten Tage, am Wegrande
sitzend, von neuem sichtbar und weiht ihn so dein verderbend Auch das Edelfr�ulein Amalia von Uttenhoven, das
im Gefolge des Herzogs von Sachsen-Aoburg die Schreckenstage von Saalfeld in unmittelbarer N�he erlebt hat, berichtet
�ber das Ende des f>rinzen geheimnisvolle Einzelheiten. Sie hatte im Traume einen f�rstlichen Leichenzug gesehen,
ohne sich zun�chst die Bedeutung der Vision erkl�ren zu k�nnen, bis sie in dein wirklichen Trauerkondukt des Hohen-
zollernhelden das widerbild ihres Tramngesichtes wiedererkennt. Franz�sische Infanteristen, mit ihren Adlern und
b�rtigen Zimmerleuten voraus, trugen auf Stangen den keichnam des Prinzen, nackt, in ein gro�es Tuch geh�llt,
1 Extrait des m�moires de feu l'Aide de Camp G�n�ral Comte de Nostitz im A�nigl. Hausarchiv. Das Schriftst�ck, das ein�
ungedruckte Fortsetzung der bekannten Selbstbiographie darstellt, wurde im Mai \H7O Don dem in St. Petersburg lebenden Hohne &es Ver-
fassers, dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm �berreicht, der es, wie so manches andere auf den Prinzen bez�gliche, im l?au5archive nieder-
legte. � Haftel kevin bittet am 9. Januar l�\2 Varnhagen inst�ndigst, dem Gerrit von Nostitz w�hrend seines Aufenthaltes in pr�g feinen
Traum vom Prinzen tonis und Schillers Geisterseher, sowie die Umst�nde vom Tode des Prinzen, die fie ihm einmal so pr�chtig hat
erz�hlen h�ren, nochmals abzufragen und genau aufzuschreiben. (Briefwechsel zwischen parnhagen und Rahel. keivzig (87<$, II, 2\$,)
Der Getreue kam indes nicht dazu. Aoberstcin schreibt dar�ber in feinem preu�ischen Vilderduche: varnhagens sollst fo geschw�tzige Feder
ist uns den Vericht des merkw�rdigen Traumes schuldig geblieben. Nun -- die oben im Texte wiedergcgebene Erz�hlung entspricht offenbar
dem von Rahel Geh�rten; nur ist inzwischen in der lebhaften Einbildungskraft bps Ariegsmannes ans dein Geistertraum eine leibhaftige
Gespenstergeschichte geworden.
        
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