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Prinz Louis Ferdinand als Musiker. Sein Tod, seine Bestattung und sein Andenken

Full text: Prinz Louis Ferdinand als Musiker. Sein Tod, seine Bestattung und sein Andenken

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3ft Me wissenschaftliche Vehandlung deg Gegenstandes somit nicht leicht, so ermutigt dazu auch dag bisherige
Schicksal der musikalischen Sch�pfungen des Prinzen keineswegs. Scheinen doch feine Werke nur vor�bergehend eine
Holle im Aonzertsaale gespielt zu haben, und schon in den ersten Jahren nach ihrem Erscheinen durste ein wohlwollender
Kritifer dar�ber klagen, da� sie so geringe Verbreitung f�nden. Hur wenig Musikgeschichten machen den Versuch,
ihm eine bestimmte Stellung; anzuweisen/ und auch diese lassen tiefere Kenntnis seiner Tondichtungen vermissen. 3n
der Gegenwart gibt es nur einige in der �lteren Literatur bewanderte Kammermusiker, die des Prinzen Aompositionen
kennen, Hub doch wohnt den besten derselben unzweifelhaft ein hoher musikalischer wert inne, der es beklagen l��t,
da� sie immer nur ein kleines Publikum gehabt haben, und man darf prin$ ?ouis Ferdinand getrost den gr��ten
Musiker unter den hohenzollern nennen.
Es mag daher zum Todestage des genialen Prinzen der Versuch gemacht werden, die musikalische
Bedeutung Toms Ferdinands eingehender zu w�rdigen, und au�erdem wollen wir einige Zeilen seinem Ende, seiner
Vestatwng und seinem Andenken weihen.
U)ic uns �ber die Erziehung des Prinzen Touis �berhaupt nur Fragmentarisches �berliefert ist, so wissen wir
�ber seine Ausbildung in der TNusik, zu der er schon fr�h die gr��te Neigung und Anlage zeigte, gar nichts. Sein Vater,
f)rinz Ferdinand hatte vor�bergehend im Anfange der achtziger Jahre eine kleine Hauskapelle." Vb ein Mitglied
derselben sein Musiklehrer war, ist unbekannt, wir erfahren nur, da� er fr�hzeitig eine gro�e Fertigkeit auf dem
Fortepiano gewann und da� er in diesem Gegenstande alles Ernstes und Flei�es wie aller Geduld und Beharrlichkeit
f�hig war. Ja, wie die Folge zeigt, gen�gte ihm nicht die virtuose Beherrschung seines Instrumentes, er mu�te in
die Tiefen der Aunst eindringen und lernte die Tonsetzung. wer ihn dann unterwiesen hat, l��t sich nicht feststellen.
Auf die ersten Anf�nge seiner musikalischen Taufbahn wirft ein kleines r�hrendes Venkmal ein fl�chtiges Streiflicht.
Am Juli 5 780 weilte auf dem Schlosse Friedrichsfelde, das von 5?65 � der Landsitz des Prinzen Ferdinand
war und auf dem der junge Prinz Toms die Tage seiner Kindheit verlebte, die �ltere Schwester des Prinzen Ferdinand
und Friedrichs des Gro�en, Prinzessin Amalie. An diesem Tage zeichnete sie eine Melodie auf, die die Aufschrift:
�An den Sch�pfer" tr�gt und den Text hat: Dich soll mein Tied erheben. Dich Vater der Natur, und frommen Vank
Dir geben auf dieser stillen Flur. Die weise ist kindlich einfach gehalten und nach der �berschrift �vor die zwey
junge printzen" bestimmt. Es ist wohl nicht Zu k�hn vermutet, wenn wir annehmen, da� des achtj�hrigen Prinzen
kudwig musikalisches Talent, auf den neben dem �lteren, sp�ter fr�h verstorbenen Vruder Heinrich die �berschrift
hindeutet, die Veranlassung zu dem Tiedchen der Tante gegeben hat/ Prinzessin Amalie hatte von dem musikalischen
Talente der hohenzollern bekanntlich ein reiches Ma� geerbt. Aber im Gegensatze zu ihrem k�niglichen Vruder war
sie ganz und gar der ernsten, streng vielstimmigen Richtung eines Sebastian Vach zugetan, und mit Recht durfte ihr
der ber�hmte Musiktheoretiker Airnberger, der ihr Aapcllmeister war, das Werk �ber die Aunst des reinen Satzes
widmen. Manche ihrer Chor�le haben den weg in Sammlungen ernster Musik gefunden, und selbst Milit�rm�rsche
aus ihrer Feder zeigen vielstimmige Faktur. Auch das kleine Kinderlieb von Friedrichsfelde hat sie, altem Brauche
folgend, mit beziffertem Basse aufgezeichnet, ohne die Begleitung auszuf�hren.
Von des Prinzen weiterer musikalischen Bildung wissen wir, wie gesagt, nichts. Erst tritt er auf diesem
Gebiete wieder in unseren Gesichtskreis. Beethoven erscheint in Berlin. Der A�nig Friedrich Wilhelm II. empf�ngt
den jungen K�nstler, der damals noch mehr als Virtuose, als als Aomponist bekannt ist, sehr huldvoll. Zur Erinnerung
an seinen Aufenthalt an, Berliner Hofe komponierte Beethoven die Cellofonaten op. 5, die f�r den A�nig selbst bestimmt
1 Ain wertvollsten sind die Mitteilungen, die uns A. V.Marx �ber ihn inSchillings Univerfallexikon gibt.
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a Nach Hchletterer,
3- ,-fr. Reichardt 6^8, bestand (?82 eine Kapelle de5 Prinzen Ferdinand, die sehr klein war, aber einige vorz�gliche Musiker, darnnter den
ausgeZeichneten Geiger Raab hatte. Ver Etat der Hofstaatskasse de? Prinzen Ferdinand von us^ � (785 gibt die Besoldungen f�r vier
Musiker an. A�nigl. HauZacchw 3� Charlottcntmrg. � 8 Vanchagen, Denkw�rdigkeiten und vermischte Schriften ;sH2. 4. ob. S. 5*.
�
4 Die Komposition findet sich in einem Sammelbcmbe der musikalischen Abteilung der K�niglichen Bibliothek, der Autographen Friedrichs
des Gro�e� und seiner Schwester enth�lt. Gerrit <3?berbibliothekar Dr. Kopfcrmann danke ich an dieser Stelle f�r die liebensw�rdige
Unterst�tzung meiner Studien.
        
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