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Prinz Louis Ferdinand als Musiker. Sein Tod, seine Bestattung und sein Andenken

Full text: Prinz Louis Ferdinand als Musiker. Sein Tod, seine Bestattung und sein Andenken

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?an�> der Tr�nen emportragen. Der Genius des K�nftlers erscheint noch dem Erdgeist preisgegeben, k�mpft
m�hselig mit dem Staube, sucht Pergebens in wildem blutigem Ringen mit den Kentauren sich aus feinen Schranken
loszurei�en und ersehnt umsonst int Sturme des irdischen Gebens den Weiheku� verkl�rter Geister. Erst im
Tode ist er zum Achte erwacht.
wilder Geist! jetzt hast Du �berwunden!
Veine Nacht verschmilzt im Morgenrot;
Und Dein lehnen klagte nicht vergebens:
(Einmal ward's in Deiner Seele Tag,
Als Dein HerZ am k�hnsten Ziel des 3treben5
Aalt und blutend auf der WaWatt lag.
sterbend l�ste sich der Sturm des Lebens,
Sterbend l�ste sich der Harfe Schlag;
Ausgek�mpft fin!) Deiner Pr�fung stunden,
leer der Reich, den Dir das Schicksal bot.
Kunst und teben hat den Kranz gewunden.
Auf die locken dr�ckte ihn der Tod.
Deinen Grabstein faim die Zeit zermalmeil,
Doch die ?�rbeem werden dort 311 Palmen.
Und des Rimmels siegoerkl�rte Sottne
Crugen Dich ins freie Land der T�ne.
Die sch�nen Dichterworte haben unzweifelhaft die eindrucksvollste und ernsteste Sch�pfung des strmzen, das
Fmollquartett im Sinne. Aber auch dieses tiefste IPcrf l�st in uns nicht mehr die font Dichter bezeichneten Gef�hle
aus. Nicht ein titanisches aber trostlos erfolgloses Singen mit den Erdgcwaltcn ohne befreiende Verkl�rung scheinen
uns diese T�ne zu k�nden, sondern eine ergreifende Alage �ber die Verg�nglichkeit des Irdischen, die doch des milden
Trostes und der himmlischen Erleuchtung von oben nicht entbehrt. Gigantentrotz dem Schicksal gegen�ber, wie ihn
uns die gewaltigen sp�teren Werke Beethovens malen, scheint uns dem musikalischen Genius 3ouis Ferdinands ganz
fremd zu sein. Und doch hat ihn Theodor K�rner herausgeh�rt. Wie erkl�rt sich das? Zun�chst wohl aus dcrn
Umst�nde, da� alle Deutung der Musik auf Seelenzust�nde subjektiv bleibt. So mag K�rner, unbewu�t beeinflu�t
durch die tragische Gr��e, die im Schicksale des Prinzen lag, durch die abenteuerliche Wildheit feines tebcnsganges
und feiner Leidenschaften, manches in die Musik hineingelegt haben, was nicht ohne weiteres in ihr liegt. Sodann
aber d�rfen wir wohl annehmen, da� den noch an haydns und Mozarts einfachere Tonsprache gew�hnten Zeilgenossen
die Veethovens Geist atmende Ausdrucksweise des Prinzen heroischer erschien als uns, die wir andere Effekte fennen
gelernt haben. Karl Maria von Weber hat jedenfalls die Auffassung K�rners in allem wesentlichen geteilt, denn er
hat die Terfe des Dichters in One gekleidet, die er s�st ganz der Musik ?ouis Ferdinands und zwar vorzugsweise
wieder dem Fmollquartctt entlehnt hat. Und er hat damit eine h�chst eindrucksvolle Gesangsszene geschaffen, oie ein
w�rdiges Denkmal des Prinzen darstellt. 1 Noch viel sp�ter haben die Weisen des ber�hmtesten Werkes fouis Ferdinands
den gr��ten aller modernen Pianisten, Franz Aszt, begeistert, ihm seine musikalische Huldigung darzubringen, 311 eiuer
stimmungsvollen Elegie verarbeitet er ebenfalls die Hauptmotive des ersten Satzes des Fmollquartetts und widmet
sein Charakterst�ck der Prinzessin von Preu�en, der sp�teren Kaiserin Augusla.? So haben gro�e Tondichter noch bis
in sp�te Zeit die Erinnerung an den ungl�cklichen Hohenzollernprinzen als A�nstler piet�tvoll gepflegt und ermutigen
uns so, sein verdunkeltes Vild nach (00 Jahren wieder ans Acht zu stellen.
In derselben Zeit, in welcher Prinz 3ouis Ferdinand seine musikalischen Studien so vertiefte, da� er zum
Tondichter ward und unter den Aammermusikkomponisten eine geachtete Stellung gewann, zeigte er auch in seinen
milit�rischen Arbeiten und seinen politischen Gedanken steigenden Ernst. Seine taktischen Aufs�tze hatten die freudige
Aufmerksamkeit Scharnhorsts erregt, und auf seinen Reisen nach �sterreich, Vayern und Italien suchte er durch das
Studium der Schlachtfelder und Festungen seine strategischen Kenntnisse zu erweitern. Vie Ursachen der franz�sischen
Siege und insbesondere der Napoleons bildete dabei vor allem einen Gegenstand seines Nachdenkens. Denn tief uud
schmerzlich empfand er die Erniedrigung Deutschlands und Europas unter Frankreich und seinem vorn Gl�ck gekr�nten,
1 Kart Maria von Weber, tcyer und Schwert. Heft III. Bei der Musik des 11301 louis Ferdinand �Ott Preu�en,
Komponiert \8[G. 2$. Nov. Berlin. � a Franz Liszt, Klcgie sur les moLifs du Grince Louis Ferdinand de Prusse, d�di�e ? S. A. K.Madame
la Princesse de Prusse. Berlin chez A. M. Schlesinger.
        
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