Path:
Prinz Louis Ferdinand als Musiker. Sein Tod, seine Bestattung und sein Andenken

Full text: Prinz Louis Ferdinand als Musiker. Sein Tod, seine Bestattung und sein Andenken

209
Sit?cf zu einer gro�gef�hrten Kantilene voll erhabenen Sf^mcrjcs und ergreifender Sch�nheit, wenige Takt.,', die aber
in ihrer Wirkung an bas d�stere �Largo c mesto" in der gro�en Sburfonate feines hohen Vorbildes erinnern. (Es
ist, als ob Co?ts Ferdinand hier mit seherischein Blicke fein tragisches Geschick erschaut und sich heldenhaft darein
Ar.9. Esdurquartett. Op.5. Menuett. Tempo di Minuetto, ma moderato.
ergibt. Einen ebenso d�steren Charakter tr�gt das Menuett im finsteren Esmoll, das ebenfalls ganz den Geist bes
gro�en Wiener Meisters atmet. Ein 21�otir-, bas wie eine ernste Frage an das Schicksal klingt, wird in reich
wechselnden Harmonien �erfolgt, bis wieder der d�stere Grundton als Abschlu� gefunden ist, Diesem grollenden
hanplsatze steht ein ungemein lieblich s��es ?Erio im leuchtenden hdur gegen�ber, bas- dem Trauernden milden Trost
in die Seele gie�t.
wir wissen nicht, wann bas ?sburquurtett geschrieben ist. Allait moditc aber wohl glauben, da� es eine
Frucht der k�nstlerischen Anregungen ist, die der Prinz auf seiner wiener Reise im Jahre M>H empfing. Diefe
Reise hat bekanntlich eine politis�t Bedeutung gehabt. Couis Ferdinand suchte in Unterredungen mit dein leitenden
�sterreichischen Minister Coben3l f�r eitlen preu�isch-�sterreichischen Bund 511 wirken, und mau darf es aufs tiefste
beklagen, da� diesen feinen vaterl�ndischen Bestrebungen, die er in mehreren Denkschriften der preu�ischen Regierung
gegen�ber vertrat, jeder Erfolg gefehlt hat. Gleichzeitig aber benutzte er die Gelegenheit, um dag reiche musikalische
?eben in Wien und auf den b�hmischen Adclssitzen zu genie�en. (Er erneuerte dabei seine Bekanntschaft mit dem
von ihm hochverehrten Beethoven, der ja auch ihn besonders sch�tzte. Leider sind �ber ihren Verkehr nur wenig
Einzelheiten bekannt. Hur eine Anekdote wird uns berichtet, die die menschliche Liebensw�rdigkeit des Prinzen in
feilem Gl�nze zeigt. Eine alte Gr�fin gab den: hohen Gaste eine Pleine musikalische Abcnduntcrhaltung, zu der
nat�rlich auch Beethoven eingeladen murbc. Als man zum Abendessen ging, war an dem Tische des Prinzen nur
f�r hohe Adlige gedeckt, w�hrend Beethoven an einen anderen Cisch gewiesen wurde. Ver reizbare A�nstler fuhr auf,
sagte einige Herbheiten, nahm feinen Hut und entfernte sich. Einige Cage sp�ter gab der priri3 dem gro�en ll?ufifer
eine gl�nzende Genugtuung f�r diese. Kr�nkung. Er hatte einen CctI derselben Gesellschaft, barunter auch die Gr�sin,
zum Mittagessen geladen und verteilte nun die Pl�tze an der C^afel in der Weise, da� die Gr�sin auf der eilten,
Beethoven auf der anderen Seite neben ihm sitzen mu�te. Eine Auszeichnung, an die sich der stolze l�?artn immer
mit Behagen erinnerte.
Gerade damals war bas Alavierkonzcrt Beethovens in CntoII, eine hervorragende Sch�pfung feiner ersten
Zeit, die nur durch seine sp�teren gro�en Aonzcrte in Gdur und Esdur �bertroffen wird, in den H�nden bes
Stecherg. Als es im November \8O\ erschien, trug es auf dein Citel den Namen deg Prinzen. Obwohl diese
Widmung doch wohl erst dem fertigen Werke aufgesetzt worden ist, hat man mit Recht gesagt, da� der ritterliche
und Zugleich poetisch-schw�rmerische Charakter des Werkes dem Wesen des Prinzen entspreche, den Beethoven den
menschlichsten Menschen nannte.
wenn aber dieses Aonzert in seiner Form und auch in seinem Inhalt noch ganz den hergebrachten Bahnen
folgt, so ist dies nicht etwa eine R�cksicht des A�nstlers auf die Fassungskraft seines G�nners, kouis Ferdinand hat
bewiesen, da� er seinen Zeitgenossen im Verst�ndnisse der Beethovenschen Condichtungen vorauseilte. Er hielt sich
damals auf Raudnitz, einem Landsitze des ber�hmten Atusikg�nners, des F�rsten Anton Isidor Tobkowitz, auf, der sich
27lioijfiiiollfi'ii-3iil!rl"irf; !!>�>"-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.