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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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Der Tag beginnt fr�h im Schlosse. Im Sommer um 4, im Winter um 5 Uhr �erben die Tore ge�ffnet;
um H beginnt der Dienst im Marstall und in der A�che. Die R�te kommen im Sommer um 6, im Winter um
? Uhr zusammen. Um ? ober 8 Uhr wird die Morgensuppe verabreicht, eine Fleischsuppe mit Brot, Butter, Aase,
getrockneten Fischen u. bgl. saint einem gro�en Becker wein und Biet nach Bedarf. Dieser Morgeninibi� wird den
einzelnen Gruppen der Hofleute besondere zugeschickt: den Kammer fern, auch wohl den R�ten, den Vierrossern, den
Zweirosscrn, den, Frauenzimmer, der Aanzlei usw.
Die Mittagsmahlzeit findet entsprechend fr�h statt: gew�hnlich um 9 Uhr, an den Fasttagen, wo die Kirche
l�nger dauert, um \o Uhr. Um H Uhr nachmittags wird die Abendmahlzeit eingenommen. Diese beiden Haupt'
Mahlzeiten bilden den H�hepunkt des t�glichen Hoflebens. Ver Marschall sagt dem �Gesellicht" an, wann der Nurf�rst
zu Tische geht, damit es ihn begleitet. R�te, Edellcute und Ginrosser speisen mit dem Aurf�rsten zusammen im Rittersaal.
Die f�rstlichen Herrschaften haben ihren besonderen Tisch; das vornehme Hofgesinde speist je nach �Stand und Wesen"
an drei anderen Tischen nach der Dont Marschall gemachten Ordnung: am ersten Tisch die R�te, am zweiten die
Edellcute, am dritten die Einrosser. Die Jungfrauen scheinen im Frauenzimmer, die Sekretarien und Schreiber in
der Aanzlei, die Harnischmcifter, Trummeter und Marstaller an besonderen Tischen in der Hofstube neben dein gemeinen
Hofgesindetisch gespeist zu haben, die Arbeitsleute endlich f�r sich. Am F�rstcntisch werden des Morgens (0, des
Abends 9 G�nge aufgetragen, am Tisch der R�te 6 und 5, an den �brigen sieben bevorzugten Tischen 5 und H G�nge,
wozu noch ein �Aar" Sch�ssel) vom F�rstentisch bei jeder Mahlzeit kommt. Auf den geineinen Hofgesindetisch kommen
morgens H, abends 5 Essen mit 2 oder ( Gem�se; die Arbeitsleute erhalten gleichm��ig morgens und abends 5 Essen.
Als Getr�nk wird an den bevorzugten Tischen je ein gro�er oder kleiner Vecher wein, wie es scheint, zum gemein^
samen Umtrunk, verabreicht; au�erdem wird nach Ved�rfnis Vernauisches und anderes Vier aus gro�en Slandgef��en
und Kauneu geschenkt. Am F�rstentisch wird der bessere Wein, der nur f�r die Herrschaften bestimmt ist, in Flaschen
aufgetragen; man trank noch aus silbernen Beyern, nahm aber schon in Aussicht, in Zukunft Gl�ser statt derselben
zu gebrauchen. Der wein war im allgemeinen �?anbu>ein", eigenes m�rkisches Gew�chs, wie denn zum M�hlenhof
auch Weinberge vor den Toren von Berlin geh�rten; doch wird in der Hofordnung darauf Bebaut genommen, da�
in guten wemjahrcn auch fremder Wein eingekauft und zu dem eigenen Gew�chs in den Keller gelegt werden foll.
um ihn an Ehrentagen zu trinken. Das Vier war teils selbstgebrautes �gemeines Hausbier", teils Bernauer und
Rupviner, oder auch fremdes Vier von Ruf, wie Vraunschweiger Mumme u. dgl. � Brot zur Mahlzeit wird geschnitten
nach der Zahl der Personen bei Tische verteilt, Semmeln aus Weizenmehl kommen nur auf die bevorzugten Tische.
Die Bebienung bei Tische, das Auftragen von Brot und Speisen, besorgen au�er den Edelknaben und Jungen des
F�rsten und der Edettcute die sogenannten �Bretttr�ger", �W�chter" und �Pr�bender"; die letzteren sind Sch�ler, die
zu je zweien, nach der Anordnung des Schulmeisters, wechselweise Freitisch bei Hofe haben und daf�r mit zur Vedienung
herangezogen werden. Auch Keller* und Silbcrknechte sind dabei t�tig, wenigstens am d�rfte Ist die Mahl-
zeit beendet, so setzen sich die, welche dabei bedient haben, an die �letzten Tische" und speisen selbst; dazu soll niemand
anders, namentlich nicht die, welche die eigentliche Mahlzeit vers�umt haben, zugelassen werden. Eine Viertelstunde,
nachdem zu Tisch geblasen worden ist, wird das Tor geschlossen und niemand mehr ein- und ausgelassen. Diese
Ma�regel ist namentlich gegen das heimliche �Abschleppen" von Speisen und Getr�nken getroffen, das man mit allen
Mitteln zu verhindern suchte; fast alle Hofbeamten werden angewiesen, ihr Auge darauf zu haben, da� dieser Mi�^
brauch abgestellt werde. Aus eben diesem Grunde sind auch die �winkcltische" verboten, das �Abspeisen" in R�che,
Keller und in den einzelnen Wohnungen der Hofleute. Auch Unbefugte fernzuhalten mu�te man bedacht sein; nur
wer ein Recht darauf besitzt und vom Marschalk seinen Platz an einem der gemeinsamen Tische angewiesen erhalten
hat, soll bei Hofe gespeist werden; und nur die Aranken d�rfen sich ihr Essen holen lassen.
Ist die Mahlzeit beendigt, so wird das Tischtuch aufgehoben, der Hausvogt klopft mit seinen: Stabe ab;
alsdann darf niemand mehr sitzen bleiben, um etwa noch weiter zu zechen oder zu schw�tzen. Die Ritter- und die
Hosstube wird dann gereinigt und verschlossen gehalten bis zur n�chsten Mahlzeit. Va� solche Reinigung sehr not tat,
        
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