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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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�Hofdiener". Sie zerfallen in verschiedene Rangstufen nicht blo� nach ihren: Staube, ob fie Grafen, Herren ober
blo� von gew�hnlichem Adel sind, sondern auch (was wohl �fters bannt zusammenhing) nach der Zahl der Pferde,
mit denen sie dienen, als vierrosser, Dreirosser, Zweirosscr, auch Sechs- und Achtrosser; die �Ginrosser" sind wohl
einfache Ritter ohne besitz; die sogenannten �Einsp�nnigen" schrillen keine Ritter oder Edclleute und �berhaupt nicht
�Diener" in dein vornehmen Sinne gewesen 511 sein.
Neben den dauernd am Hofe anwesenden �Hofdiencrn" gibt es eine gr��ere Zahl von solchen, die als
�Diener von Haus aus" oder auch als �Rath und Diener von Haus aus" bestellt sind. Das sind Edelleute, die sich
verpflichten, mit einer bestimmten Zahl ger�steter Pferde dem Aurf�rsten von ihrem Gute aus auf Erfordern 311
dienen und die neben den� dabei sehr gew�hnlichen Ratstitel zugleich auch eine Besoldung empfangen. Alan hat sich
wohl zu denken, da� sie zuweilen an den Hof kommen, um dort eine Zeitlang dein Aurf�rsten ihre Dienste zu widmen;
wenigstens wird mehrfach unterschieden zwischen den Personen, die dauernd, und denen, die vor�bergehend im Dienste
des Aurf�rsten am Hofe sich aufhalten; aber �ber den Hofdienst hinaus hatte eine solche Vestallung wohl auch
Vedeutung f�r das fctnisfriegsMenftoertyUtms, bas, wie es scheint, nur durch solche besonderen Soldverlr�ge noch zu
einigerma�en zuverl�ssiger Wirksamkeit erhoben werden konnte. Man wird sich dabei erinnern m�ssen, da� Joachim II.
schon ernstlich damit umgegangen ist, die Dienstpflicht der Vasallen durch Tehnpferdegelder abzul�sen. Das Sold-
rittertum war gleichsam ein Ersatz f�r bas alte Ministcrialcnverh�ltnis, das sich schon seit dein \3, Jahrhundert mit
dem pasallit�tsvcrh�ltnis vermischt halte und in ihm aufgegangen war; es war eine Verst�rkung und Belebung der
!?asallit�tspsticht, die ohne das wohl kaum mehr ordentlich geleistet werden konnte. Diese Verpflichtung beruhte auf
einem befristeten Dienstvcrtrage, der gew�hnlich auf 5�^0 Jahre geschlossen war, aber auch erneuert werden konnte.
Die ?c??nscopiaric� enthalten f�r die sieben Jahre \557� (5^3 nicht weniger als 22 solcher Akte, durch die jemand
juin Rat und Diener bestallt wird; die Gesamtzahl der Pferde, mit denen sie dienen sollen, betr�gt 86; daraus la�t
sich wohl der Schlu� ziehen, da� dieses Dienstverh�ltnis ziemlich h�usig vorkam und da� ein erheblicher Teil des
Adels dadurch an die Person des Aurf�rsten gebunden war. Uebrigeus ist der zugrunde liegende Dienstvertrag
auch f�r nichts ritterliche Diener, Kanzler, Sekret�re, Doktoren, Hofhandwerker angewandt worden; man darf ihn wohl
als die Wurzel des modernen Veamtenvcrh�ltnisses betrachten; hin und wieder, aber selten, begegnet auch schon die
lebensl�ngliche Dienstpflicht in diesen Vestallungen.
Am Hofe m�gen sich in der Regel gegen .)0 solcher adligen Diener aufgehalten haben; meist waren es �Ein"^
und �Zweirosser" ;nur wenige vornehmere Personen haben vier und mehr Pferde mit einer entsprechenden Zahl von
Anechten und Jungen; der Marschalk, unter dem dies ganze reisige Gefolge steht, verf�gt �ber Pferde.
wie anderswo, so war es auch in Vrandenburg �blich, da� alle diese Pferde am Hofe und im Dienste des
Aurf�rsten �auf der Herrschaft Schaden standen"; siel oder verdarb ein Pferd, so hatte der Aurf�rst den Schaden zu
ersetzen. Es gab feste, nach dem wert der Pferde abgestufte S�tze f�r diesen �Schadenstand". Das keibro� eines
Grafen, Herren oder Edelmannes wurde mit 70 rheinischen Gulden verg�tet, das seines Jungen mit 60, das eines
Anechtes mit 55. Die einfachen Ritter hatten geringere Pferde: die Zweirosser sollten f�r das eine Pferd H0, f�r
das andere 30 Gulden erhalten, die Einrosser 55 Gulden. Es war eine der haupts�chlichsten Obliegenheiten des
Marschalks, sich die Pferde anzusehen, die zu Hofe gebracht wurden, und einen Anschlag von ihrem werte zu machen,
damit, wie es hei�t, �wir in dem nicht �bersetzt oder mit Schelmen gesattelt werden". Dem Marschalk haben Stall-
meister und Schmiede aus dem Marstall dabei zur Seite zu stehen.
Reitet der Aurf�rst �ber Tand, so begleitet ihn ein Teil dieses reisigen Gefolges. In der Regel besteht im
Schlosse selbst der Dienst nur darin, da� die Junker morgens um l^? oder 9 Ahr sich in der Ritterstube versammeln,
um auf den Aurf�rsten zu warten und ihn in die Airche zu begleiten. Da sollen sie bleiben � wird vorgeschrieben �,
solange der Aurf�rst bleibt, und nicht eher fortgehen, damit er nicht, wie es �fter geschehen war, in der Airche allein
gelassen werde. Auch nach der Messe bis zur Mittagsmahlzeit haben sie sich zum Dienst des Aurf�rstcn bereit zu
halten, es sei denn, da� sie besonderen Urlaub von' Marschalk haben.
        
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