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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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Gliederung w�hrend des J6. Jahrhunderts langsani sich porbereiten und ausbilden, ohne da� hier die Einwirkung
eines fremden Musters sichtbar w�rde. Nur in der festeren Organisation der Ratstube und der Aanzlei, mit bestimmten
Sitzungsstunden und einer f�rmlichen Gesch�ftsordnung, k�nnte man eine solche Einwirkung erblicken wollen. Diese
Ver�nderung wird unter Joachim I. vor sich gegangen sein; Me Hofordnung von H73, die Aurf�rst Albrecht-Achilles
f�r seinen Sohn und Statthalter in der Mark Brandenburg, den Markgrafen Johann, entwerfen lie�, kennt einen
solchen organisierten Rat noch nichts Aber trotz dieser geringen, kaum erkennbaren Beeinflussung durch ein fremdes
2��ufter finden wir eine merkw�rdige Aehnlichkeit zwischen der Entwicklung des Bch�rdenwesens inBrandenburg und
in Frankreich. Hier wie dort bewegt sich die Hofverwaltung lange Zeit in den Formen eines unorganisierten, unsteten,
vielfach wechselnden Personals von R�ten und Dienern, aus denen als die eigentlichen Tr�ger der administrativen
Aufgaben die gro�en Hofbcamten hervortreten, die unter sich keine kollegiale Verbindung haben. Vas erste Kollegium,
das sich aus dieser unorganisierten, fiuktuierenden Masse herausbildet, ist in Frankreich im \3.^ai}Y^imbext das pariser
Parlament, in Brandenburg im {6.Jahrhundert die Ratstube, die vornehmlich als Kammcrgeric{?t wirksam ist.
weder die eine noch die andere Beh�rde ist ausschlie�lich Gericht, sondern hat anfangs auch politische Gesch�fte zu
besorgen; auch die Gerichtsbeisitzer, die �pairs" in Frankreich, die st�ndischen Deputierten der drandenburgischen
Grdnung von \5{6f sind feine zuf�llige �hnlichkeit. Mitglieder des Parlamentes wurden in Frankreich zu den
Rechnunggsachen kommittiert, wie Mitglieder des Harnmerger in Brandenburg, bis eine fest^abgesonderte Rechnungs-
und Fmanzbeh�rde entsteht, in Frankreich anfangs des \^.3a??rt?unbert5 die Chambre des combles, in Brandenburg
Ende des (6. 3a^unb�rts die Amtskammer; beide in einer gewissen Verbindung mit der Zentralkasse, dem Crefor
in Frankreich, der Hofrentei in Brandenburg. Ziemlich gleichzeitig mit der Absonderung der Rechenkammer erscheint
in Frankreich der besondere politische Rat des K�nigs, der zugleich die Supplifationen bearbeitet und die allgemeine
Aufsicht und Leitung der Verwaltung f�hrt, das Conseil du Roi, anfangs des \% t 3a^r?junbcrts, entsprechend dem
brandenburgischcn Geheimen Rat anfangs des ;(7.3af?rfnm6crts. Diese Zeitunterschiede geben zugleich einen Ma�stab
f�r den Abstand der allgemeinen Kulturgrabe; wir k�nnen sagen, da� Brandenburg in feiner Entwicklung etwa 300 Jahre
hinter Frankreich zur�ck war. Im �brigen aber scheint aus dem wesensgleichen Keim eines feudalen F�rstenhofes
heraus unter �hnlichen Verh�ltnissen in der gesamten politischen Entwickelung auch die Ausbildung des Beh�rden-
wcsens in �hnlichen: Stufengang sich vollzogen zu haben, ohne da� eine direkte Nachahmung des franz�sischen Musters
in Brandenburg stattgefunden h�tte. Auch der Antrieb zu der Begr�ndung des Geheimen Rates, bei der man das
Bewu�tsein der Nachahmung hatte, ist ja im Grunde durch die Verwickelung Brandenburgs in allerlei ausw�rtige
Beziehungen, durch die Aussicht auf (Er�ffnung der Sukzessionen in Aleve und Preu�en und andere Verh�ltnisse gegeben
worden, die aus dem territorialen �tillleben hinauswiesen in die bewegte Weit der europ�ischen Politik. Eine praktische
Veranlassung lag also auch hier vor; und �hnlich wird es fr�her gegangen sein.
Diese Ansicht von der Ausbildung des Beamtentums am Hofe ist nun nicht ohne Bedeutung f�r die politische
Struktur des brandenburgischen Territorialstaates �berhaupt. Die Auffassung, die neuerdings noch Vornhak im Anschlu�
an Droysen vorgetragen hat. als ob im Jahrhundert die brandenburgischen Aurf�rsten in �er Hauptsache nur mit
den st�nden, als ihren geborenen R�ten, die Regierung gef�hrt h�tten, als ob erst die Errichtung des Geheimen Rates
im Jahre den Beginn einer Regierung durch Beamte bezeichne und bannt einen prinzipiellen Gegensatz gegen
das st�ndische System bedeute, kann in dieser Sch�rfe nicht aufrecht erhalten werden. Der Einflu� der St�nde wird
dabei �bersch�tzt, die Bedeutung der R�te nicht gen�gend gew�rdigt. Da� schon das eine Regierung
durch R�te gekannt hat, da� die alte Ratstubc eine wenn auch noch ungegliederte, so doch festgeordnete kollegialische
Beh�rde gewesen ist, kann gegen�ber der Hofordnung Joachims II.nicht mehr bezweifelt werden, wenn auch die Technik
1 Riebet, Oxl. dipl, IlranO. Abt, II, Vd. 2, 5. U">ff- Allerdings ist auch hier schon die Hebe davon, da� gefuttert wird: \, den
Bisch�fen und den Rufen, die b�ni Markgrafen zugeordnet sind, 2. den Herren und R�ten, betten man zuzeiten ,,gem Hof schreibt". Das
ist der Unterschied der wesentlichen R�te und der R�te von Haus aus. Das Verzeichnis der wesentlichen Hofr�te bei priebatfe^, polit.
Lorr. d. Albrecht-Achilles I, {22. Ha? wesentliche ist aber, da� es noch keine festen Sitzungen und keine Gesch�ftsordnung gibt.
        
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