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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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Rammergerichtsr�ten; sie wurden zur Entscheidung der geistlichen Prozesse, mit denen dag Konsistorium zu tun hatte,
in �hnlicher IVcise zugezogen wie andere R�te zu den Rechnungssachen. Vie Ratstube ist der Stamm, aus dem die
verschiedenen Zweige der Verwaltung hervorgehen.
Diese Stammbeh�rde war nicht in dem Sinne unorganisiert, da� sie keine feste Form und Ordnung gehabt
h�tte, aber ihr fehlte noch die Gliederung in besondere Kollegien f�r die verschiedenen Arten von Gesch�ften: Politik,
Rechtspflege, Finanzverwaltung, Airchenregiment. Aus ihr werden R�te kommittiert zu den Rechnungssachen und zum
geistlichen Gericht; in der Hauptsache ist sie Rammergericht, aber immer noch zugleich auch das Kollegium zur politischen
Beratung des Tandesherrn, zur Vesorgung der ausw�rtigen Korrespondenz in Verbindung mit der Kanzlei, und zur
Teilung der allgemeinen tandesvcrwaltung. Diese politischen Sachen erscheinen fast wie ein Annex der Rechtspflege;
ihr Nmfang war, abgesehen von den Supplikationen , die ja auch gewisserma�en mit zur Justiz geh�rten, aber von
den eigentlichen Kammergerichtssachen geschieden werden m�ssen, kaum sehr bedeutend; es war ja die Art des deutschen
kandesf�rstentums im 56. Jahrhundert, da� die Politik sich in Srbvcrtr�gen, Familicnverbindungen , Sukzessious-
anspr�chen, daneben in Reichs- und kirchlichen Sachen ersch�pfte; und die Hauptarbeit in diesen Angelegenheiten haben
meist die Kanzler und einzelne R�te wie Eustachius von Schlieben besorgt.
Die Sitzungen des Kammergenchtes waren sp�ter auch wohl �u�erlich, imkokal, von den �brigen Veratungen
in der Ratstube getrennt; aber auch, als Dr.Koppen als Vizekanzler den regelm��igen Vorsitz imKammergericht
�bernahm, fand noch keine Abgliederung der Rechtspflege von Ratstube und Kanzlei statt. Die Kanzlciordnung
von zeigt, da� jedenfalls die Supplikationen noch immer vor den eigentlichen Gerichtssitzungen erledigt wurden,
und da� die Kanzlei ebenso kehnbriefe, AAssiven, K�chen- und Aemtersachen schrieb, wie Gcrichtsvorladungen und
Urteile. Dann wird sich auch im Taufe des kaum etwas Erhebliches ge�ndert haben; erst mit der
Vegr�ndung des Geheimen Rates im Jahre findet die grunds�tzliche und vollst�ndige Abtrennung der politischen
Gesch�fte von der Rechtspflege im Kammergericht statt. Die Ratstube wird nun ganz und gar zum Kammergencht,
ihre Kanzlei zur Gerichtsschreiberei, aber noch unter Aufrechterhaltung eines gewissen Zusammenhanges mit der
kehnskanzlei; die politischen Gesch�fte samt der allgemeinen Aufsicht �ber die Tandesverwaltung gehen an das
Geheime-Rats-Aollegium �ber, und dieses erh�lt auch seine eigene Kanzlei daf�r, wie das Rammergericht, so erh�lt
auch die Amtskammer damit erst ein abgesondertes Dasein f�r sich; immerhin aber finden noch Zusammenh�nge
mit dein Geheimen Rat statt, der jetzt als die eigentliche Zentralbeh�rde erscheint, weil der Kanzler und andere
Geheime R�te auch noch im Aammergericht oder in Amtskammersachen zu tun haben, so werden nur zwei w�chent-
liche Sitzungen des Geheimen Rates angeordnet, am Dienstag und Donnerstag: das sind die Tage, an denen keine
Kammergerichtssitzungen stattfanden.
Die Begr�ndung des Geheimen Rates tritt, wenn wir nur die Stiftungsurkunde ber�cksichtigen, wie eine
neue epochemachende Sch�pfung auf; der Irrtum ist wohl begreiflich, als ob erst von diesem Akt der Beginn einer
f�rstlichen Veamtenregierung und einer geordneten Ratsbeh�rde zu datieren sei. Fassen wir aber den Gang der Ent-
Wickelung w�hrend des Jahrhunderts ins Auge, in den die Hofordnung Joachims II.uns einen Einblick verstattet,
so ergibt sich, da� die Errichtung des Geheimen Rates im Grunde nur die letzte entscheidende f)hase des Differenzierungs-
prozcfses darstellt, durch den aus der alten ungeteilten Ratstube der Hofordnung als gesonderte Zentralbeh�rden das
Aammergericht, die Amtskammer und der Geh. Staatsrat hervorgegangen sind. Man hatte bei der Vegr�ndung des
Geheimen Rates ein lebhaftes Gef�hl davon, da� es sich dabei um eine Nachahmung des Beispiels �anderer wohl-
bestellter Aolitieen und Regimenter" handle; man mochte an Sachsen, an den kaiserlichen Hof, vielleicht auch an
Frankreich denken. Aber das entging dem Kurf�rsten Joachim-Friedrich und seinen Beratern, da� sie mit diesem
Akt eine lange Entwicklung zum Abschlu� brachten, die � ohne nachweisbare Nachahmung � doch in ganz �hnlichen
Bahnen verlaufen war wie in anderen k�noern und Reichen. F�r Vesterreich ist ja bekanntlich schon vom Ende
des Jahrhunderts ab, unter Maximilian I., das Beispiel der franz�sisch -durgundischen Verwaltungsorganisation
ma�gebend geworden mit der Trennung von Rat, Gericht und Finanzkammer; in Brandenburg sehen wir diese
        
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