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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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Vicie neugewonnene und gerobete 2lerfcr und T�ndereien waren hont Aurf�rsten unverzmst geblieben. Solches
Neuland f�llen die verordneten Haush�lter mit dein Amtmann zusammen bereiten und einen geb�hrlichen Zins barauf
legen; in Zukunft soll ohne des Kurf�rsten ober fetner Amtleute Erlaubnis keine weitere Rodung vorgenommen werden.
Die Amtleute sollen auf des Kurf�rsten Hausern und Aemtern alle unn�tigen Aasten g�nzlich abschaffen; tun
sie es nicht, so sollen sie selbst daf�r einstehen und solche Rosten nicht auf den Aurf�rsten abgew�lzt werden.
So stellt sich der Zustand der Amtsverwaltung in den Zeiten Joachims II. bar. 1 IDie die Entwickelung zur
Amtskammer, die wir unter Johann Georg bereits wahrnehmen, sich vollzogen hat, dar�ber entnehme ich einer freund'
lichen vorl�ufiges! Mitteilung des Herrn Dr. Martin i?af 3 folgendes:
Schon in einem wahrscheinlich noch von Canipert Distelmcier herr�hrenden Bedenken wird vor allem f�r
notwendig erkl�rt, da� der Kurf�rft �eine fromme, ehrliche, verst�ndige, gef�rchtete Person" bei sich am Hof h�tte, die
nicht nur die Hofhaltung selbst und die Rechnungsf�hrung �berwachen, sondern auch, wie bisher die bestellten Haus-
wirte, die Aemter bereiten und sonst in allen Dingen, wenn der Aurf�rst selbst behindert sei, die oberste Aufsicht �ber
das Hof^ und wirtschafte wesen f�hren m��te. Man kam damit auf den Gedanken zur�ck, der schon \537 der
Bestallung Christophs von Scheiding zugrunde gelegen hatte. Aber auch jetzt ist er nicht in dieser weise zur Aus-
f�hrung gebracht worden. Unter Johann Georg tritt an die Seite des Rentmeisters ein besonderer b�rgerlicher
Allmmermeister, der nun die Uebcrtnadjung der Dom�uenwirtschaft zu besorgen, insbesondere die Einl�sung der Pfands
schaftcn und die Visitationen vorzunehmen hatte. Ihm hat dabei einer der t�chtigsten Hofr�te, Dr. Matthias Aeinnitz,
zur Seite gestanden. \57T wird bann Dietrich von Holtzendorff, ein Hofrat, zum �Amtsrat" auf zehn Jahre ernannt.
Er hat �den Amtsrechnungen und Visitationen und allen und jeden Amts- und Haussachen und Gesch�ften neben den,
Amnmermeister und anderen dazu verordneten Personen beizuwohnen". Damit ist also am Hofe selbst ein st�ndiges
Zentrum f�r die Amtsverwaltung geschaffen. Man sprach damals schon non einer �Amtskammer", zu der auch noch
ein �"Kannnerbiener" und ein �Aammerschreiber" geh�rten, ohne da� doch bereits eine feste kollegialische Verfassung
eingef�hrt worden w�re; R�te, deren Hauptt�tigkeit sonst dein Aammergericht gewidmet ist, werden gelegentlich zugezogen;
mit der Bezeichnung �Amtskammcr" wechseln die Bezeichnungen �Amtsr�te" und �zu den Amtssachen verordnete
R�te". � Diese �Kammer^ und Amtsr�te" werden ja auch in der Instruktion f�r bett Geheimen Rat \6o% erw�hnt;
die Amtskammennstruktion von l,6<.5 hat ihnen nur eine festere kollegialische Form gegeben.
Vom Aonsistorium, das schon eingerichtet wurde und I.5H5 seine erste Ordnung erhielt, ist auch in den
sp�teren Fassungen der Hofordnuug nicht die Rede. Das hat einen guten sachlichen Grund: die Aircheubeh�rde
geh�rte nicht zur Hofverwaltung, wie Ratstube und Rentei; �lau legte damals Gewicht darauf, da� die �Vrgane des
Airchenrcgimentes von denen der weltlichen Hof^ und Candesverwaltung getrennt blieben, Den Aeru der Airchen-
beh�rde bildeten ja auch Geistliche, cm ihrer Spitze der Generalsuperintendent Stratner. Die weltlichen Beisitzer des
Konsistoriums aber wurden aus den rcchtsverst�ndigen Mitgliedern der Ratstube genommen, d. h. also aus den
'Die T�tigkeit der Amtleute kommt hier nur nach ihrer wirtschaftlichen Seite in Betracht. Sie ersch�pfte sich damals aber
feines in diesen Funktionen. Der Amtmann (ober, wie er in einigen Remtern auch hei�t: Hauptmann) hatte auch noch obrigkeitliche
Befugnisse, die �ber den Kreis der Dom�nenverwaltung hinausgingen. l'as �Amt" wurde noch als ein allgemeiner Gerichts� und Der�
waltungZbezirk aufgefa�t, obwohl sich bereits damals der rilterfchaftliche Rreisverband in vielen Dingen, wie 3. !Z. in den 3teuerfragen,
in der Wahl vom ritterfchaftlichen Deputierten usw. ma�gebend geltend machte. (Es ist meines Wissens bisher unbemerkt geblieben, da�
die Amtleute auch �ber einen Teil des Adels Gerichtsbarkeit besa�en, da� es einen �amts�sfigen" neben dem �schrifts�ssigen" Adel gab,
wie in Hachsen (das geht hervor aus dem Artikel der Vrdming von 55 56: �wer f�r das camergericht soll und mag geladen werden");
damit stimmt, da� oie Prozesse zwischen (Ebc�cuien und Bauern wegen der Dienste ihnen �berwiesen werden (siehe oben Seite 22), sowie
die Erw�hnung non �Oerh�rsachcn des Adels vor den Hauptleuten" in winters St�nbepub�fution, Zeilschrift f�r preu�ische Geschichte und
Landeskunde (g, 28�. Ferner waren die Haupt' und Amtleute noch immer das Organ zur Oermittelung Zwischen dem Kurf�rsten und
dem nicht schlo�gefesseneii Adel, der �auf Schrift aus der furf. Kanzlei" sa�. A. a. G. 59, 2<)( (Hr. 9) befindet sich ein Zirkular an die
Hauptleute d� Altmark, Uckermark, Ptigni�, des landes Kuppin, des I^arellanbcs, des landes zu 5tolp, durch das der Hauplmam�
angewiesen wird �alle von Adel feiner Amtsverwaltung" 3iifatnmen3uberufi'n usw. l?ier hat man es wohl mit Landeshauptleuten zu tun,
doch scheint teilweise eine Vermischung mil den lokalen Hauptleuten eingetreten 311 sein.
�
a vgl. jetzt auch �Forschungen zur brandend,
und preu�. Geschichte" Vd. 5'), 1.
        
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