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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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In enger Verbindung nul der Ratstube steht die Aanzlei. wie in der Ratstube die politischen und die
gerichtlichen dachen zusammen beratschlagt werden, so ist auch die Aanzlei zugleich Gerichtsschreiberei.
Vorsteher der Kablet ist der Kanzler; er hat �ber die Sekret�rin und Schreiber, die hier besch�ftigt sind,
die Disziplinargewalt. ?r hat auch die Aufsicht �ber die Akten Registratur; ohne seine Erlaubnis darf niemand
etwas davon lesen ober exzerpieren ober sich eine Abschrist daraus machen lassen.
Der enge Zusammenhang des Kanzlers mit der Kanzlei hatte dazu gef�hrt, da� beim Raummangel im
Schlosse zu Anfang des z�x Jahrhunderts die Akten im Hause des Kanzlers Stublinger aufbewahrt worden waren,
bas sich boni Schlosse gegen�ber in der Vreitenstra�e neben dem Marstall befand. Joachim I. hatte den: Aanzler
dies Haus \5^8 abgekauft^; dort wird sich auch 1,537 noch die Aanzlei befunden haben; erst bei der Erweiterung
des Schlosses ist die Aanzlei wieder hierhergebracht und zugleich der Raun� der Ratstube durch �verschiedene sch�ne
Conclapia" erweitert worden, die neben der Dreifaltigkcitskirche (dem alten �Dom") rechtwinklig an das schlo�
angebaut und �zur Audienz und f)arthenstuben" eingerichtet worden waren; die Anlage war so eingerichtet, da� der
Aurf�rst vom Schlosse her unvermerkt hineingehen und der R�te Consilia, wiewohl unangesehen, mit anh�ren konnte. 3
Vorher scheinen in dem Hause der Vreitenstra�e auch zuweilen Sitzungen stattgefunden zu haben; doch hatte das
Kammergericht von jeher samt der Ratstube prinzipiell Zum Schlosse geh�rt."
Der Aanzlcr hatte offenbar eine beherrschende Stellung in allen Gesch�ften, die eine schriftliche Ausfertigung
mit sich brachten. Aber man trug Uedacht, seinen Einflu� und seine 2Nacht nicht zu gro� werden zu lassen. In
der zweiten Fassung der Hofordnuug wird bestimmt, da� er alle Ausfertigungen der Aanzlei vor der Absendung in
den Rat bringen solle, wo sie �berlesen werden sollten: also eine koilegialische Revision. Nur die gerichtlichen vor-'
ladungen und andere Schriftst�cke ohne erhebliche Vedeutung waren davon ausgenommen.
Vie Dienststundcn m der Aanzlei waren dieselben wie in der Ratstube; zwei von den j�ngsten Schreibern
der Aanzlei sollten alle Nacht �heroben" in der Aanzlei schlafen.
Es wird angeordnet, da� je ein besonderes Vuch (Registrum, Copiale) f�r die st�ndischen Sachen und f�r
die Privilegien und andere Vriefe angelegt werden solle.
Die Vesoldung des AanzleiPersonals erfolgte aus den Gef�llen der Aanzlei. Es soll eine Iahrrechnung
dar�ber gehalten, und den Sekretarien und Schreibern je nach ihrem Verdienst daraus etwas angewiesen werden.
Unbefugte sollten von der Aanzlei wie von der Ratstube ferngehalten werden; auch die Knechte und Jungen
der R�te sollten weder hier noch dort mit eintreten d�rfen.
Auch auf dieser Kanzleiorduung ist sp�ter fortgebaut worden. Die neue �kurf�rstliche Ordnung der Canzley
des Kammer-Gericht zu Berlin", die Aiylius unter dem Jahre 1.562 abdruckt^ ist ebenso wie die Rawordnung aus
diesem Jahre, lediglich eine Erweiterung des Aapitels aus der Hofordnung. Unter den Neuerungen ist von Vedcuwng
namentlich die Bestimmung dar�ber, wie die Gesch�fte durch den Kanzler verteilt werden sollen. Die eine Gruppe
von Sckretarien und Schreibern soll �unsere, der Herrschaft Sachen, F�rstenbriefc, ausl�ndische Supplications" bearbeiten,
die zweite: �sirivilcgieu, Konsense, (ehnbriefc, Testaments- Confirmationen, teibgedinge" usw., die dritte �Suppliken"
und Zwar getrennt nach Vczirken: Mittclmark, 2. Altmark, 3. Anegnitz und Ruppin, H. Ukermark, 5. St�dte.
Es ist der Anfang der Areiseinteilung, der f�r die Aanzlei durch die Ordnung von weiter ausgebildet worden ist.
1 fj�lt^c, tokalg?schichte des Rcnmuergericht� (f. � 3 m. Fr. Seidel, Brevis historiok Camerac electoralis Branden burgicae (566�)
tu K�sters Collect�o opusdulorum h�siQriaiii Marchicam illustrantium ,Bd. 2, St�ck 2(�25, 5. 2s?f. Varans wiederholt in R�sters Altein
und Heuern Berlin 3, 366 (mit &cm �inirf|ft*(]IerKofen^allifc^cs statt Fo�eichallisch� Hans). ?ie Uebcrf�hnmg der Akten und die Eilt-
richtimZ der neuen R�ume scheint danach erst in den vierziger Jahren, also nach der �Reformation" von \$, gebaut worden. !l*o3111- Zeit Joachims II.Ratstube und Kanzlei sich befanden, l��t
sich nicht sicher angeben. � a Pie lNeiimng St�tjels (a. a. G.I,172;, da� das Aammergencht erst nach dein Umbau des Schlosses 311 einem
�Annex der 2�atr|fiiilic" rtomorben fei, h�ngt zusammen mit seiner Ansicht von der Fortdauer der O^uortalft^iingen mit adligen Beisitzern.
�
Reifte, kokalgcschichte d?5 2(al!i!nergericht3 \\., betont, wie auch Seidel an der oben angef�hrten stelle, da� es sich bei dem 3tublmgersche�
(sp�ter ,fo�enr;atlfcr?eii; iiaufe in der Hauptsache nur um die Aufbewahrung der Akten gehandelt habe. � * C. C, M.II,I, Xlx, \o.
        
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