Path:
Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

160
vullkomenen ?uocn an herschildc", die nat�rlich seine S�te sein k�nnen, hier scheint es sich noch nicht um eine Ver-
schmelzung von Hof- und Rammergencht zu handeln. Johann von Vuch spricht, da er einen Richtsteig kandrechts
schreibt, vom lehnrechtlichcn Verfahren �berhaupt nicht, er setzt nur den 3nftan5en 5 9 in landrechtlichen Sachen aus-
einander und behandelt das Aammergericht nur als die h�chste Verufungsinstanz. Er sagt nicht, da� der Hofrichter
an des Markgrafen statt bas Aanmiergericht hege; da er es a?s �des K�inmerers "Kanmicr" bezeichnet, so liegt n�her
anzunehmen, da� er an den Vorsitz dieses oder eines anderen Hofbeamten denkt. Vas hofgcricht mag daneben
bestanden haben; Johann von Vuch selbst wird als �Iudex curiae nostrae" bezeichnet.
Aber schon in dem �Sch�ffenrecht" des Berlinischen Stadtduches, bas in der Zeit von 1(39^
�
verfa�t
ist und das den Richtig wie den Sachsenspiegel benutzt hat, ist die Vorstellung einer Verschmelzung von Hof. und
Aammergericht durchgedrungen. Da hei�t es (�� und {7)1: �Tu Augermunde plach von older der Heren kamer
tu wcsen, dar man ordel up schalt und ok alsus recht halcde uinme lehn und lehnerve .... Nu aver lecht eyn herre
syn kannnerrecht war he wil.. .. wen sy dar komm, so sul di marggreve oder syn hoverichter eyn ding hegen
mit vulkomcn oromen luden, geboren tu deine Herschilde" .... usw. hier also ist mit klaren Worten gesagt, da�
der Hofrichter an Stelle des Markgrafen in, Rammergericht den Vorsitz f�hrt und da� das Aammergericht nicht blo�
als oberste landrechtliche VerufungZW stanz, sondern auch als Tehnsgerichtshof Zust�ndig war, da� es also die Zust�ndigkeit
des obersten Hofgerichts aufgesogen hatte. GZ w�re nicht unm�glich, da� man auch die Stelle des Richtsteigs schon
so aufzufassen h�tte. F�r die sp�tere Zeit haben wir kaum Veranlassung zu der Annahme, da� die konsolidierte
Gerichtsbarkeit in hof^ und Aammcrgericht sich wieder getrennt h�tte. Die von holtze angef�hrten Beispiele aus dein
55. Jahrhundert, wo von einem Hofgericht in Colin an der Spree die Rede ist, k�nnen ganz wohl so aufgefa�t werden,
da� man die verschiedenen Bezeichnungen f�r ein und dasselbe Gericht brauchte; die Struktur des Aammergerichts
nach dem Entw�rfe unter Joachim I. zeigt in der Mischung von R�ten und st�ndischen Beisitzern die gegenseitige
Durchdringung der Prinzipien, nach denen sonst Aammcrgcricht und Hofgericht besonders gebildet wurden. Mit
dem Aammergericht ist auch das oberste hofgcricht zu einem st�ndigen Veamtengerichtshof geworden, der mit
der Ratstube zusammenf�llt.
Die Tatsache, da� der Aurf�rst in der hofovdnung schlechtweg von �unserem Hofgericht" redet, als meinte
er das oberste Hofgericht, steht dieser Konstruktion nur scheinbar im Wege, wir sind n�mlich in der kage nachzu-
weisen, da� damit nicht das �oberste Hofgericht", das seit Mitte des Jahrhunderts immer arn Hoflager zu
C�ln an der Spree getagt hatte, gemeint ist, sondern das Berliner Hofgericht, das Hofgericht f�r die Mittelmark,
das allerdings wegen seiner zentralen Tage eine gewisse Vorzugsstellung einnahm.
Es hat sich ein sehr interessantes und lehrreiches Schreiben des Berliner Hosrichters Joachim Czerer erhalten.
das an den Aurf�rstcn Joachim II.gerichtet ist, vom H. Juli wir sehen daraus, da� Czerer �vor zwei Jahren",
also zum Hofrichter zu Verlin verordnet worden war mit dem Veschcid, da� das Hofgericht reformiert werden
solle. Zu dieser Reformation waren auch in der Cat die R�te Dr. Wolfgang Rehdorfer, Dr. Funcke und Matthis
von Vredow verordnet worden; sie hatten dem Aurf�rsten im Jahre zur Brunstzeit einen Entwurf �berreicht,
in dem vorgeschlagen wurde, das Hofgericht aufzuheben und seine Gerichtsbarkeit mit dem Aammergericht zu ver-
binden. Die Motive f�r diesen Vorschlag waren: einmal die Schw�chung, die das Aanmiergericht durch die Abtrennung
der Neumark erlitten hatte, andererseits der traurige Zustand des Hofgerichts selbst. Das Hofgericht war so in Verfall
geraten, da� es, wie Czcrcr schreibt, im letzten Jahre noch nicht Gulden getragen hatte. Der gr��te Mangel,
erkl�rt er, bestehe darin, da� die adligen Beisitzer keine Urteile mehr verfassen wollten, weil sie das Recht nicht mehr
verst�nden und weil sie seit einigen Jahren auch nicht mehr Futter und Mehl w�hrend der Gerichtssitzungen erhalten
hatten. Unter 20 Sachen k�me kaum eine zum Urteil, hier sieht man also recht deutlich, wie infolge der ver-
�nderten Verh�ltnisse die alte Gerichtsverfassung unhaltbar geworden ist. Tzerer r�t freilich, das Hofgericht noch
1 ed. Clauswitz, S. (SOf. � � Hohe a, a. 0. II, 3^ (Beilage 0.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.