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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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auch hier seine Rolle als Mittel, bas ordentliche schriftliche Verfahren einzuschr�nken; man sieht, da� die Prokuratoren
im Interesse ihres Verdienstes bestrebt waren, g�tliche vergleiche der Parteien 511 verhindern.
Interessant ist eine Beschr�nkung der Kompetenz des Rates, die hier auftritt. �Es sollen auch
�
hei�t es
�
Kanjtcr und R�the in unfern eigenen oder den Amtsfachen nichts befehlen, sondern dieselben an lins weisen." von
den eigentlichen Iustizsachen hat sich der Aurf�rst zur�ckgezogen; die �berla�t er in der Hauptsache der Entscheidung
von Kanzler und R�ten; aber in den Sachen, die sein Hausmteress�, fein landesf�rstliches Regiment und sein Aammergut
betreffen, verlangt er Vortrag; in diesen Dingen hat der Rat keine selbst�ndige Entscheidung und Exekutive. D�rfte
man hier (mas mir nicht ausgeschlossen scheint) vornehmlich an Rechtssachen denken, die das landesherrliche Interesse
ber�hren, so h�tten wir hier den Keim zu einer administrativen Jurisdiktion, die sich der Rurf�rst vorbeh�lt und die
er nat�rlich so ge�bt haben wird, da� er besondere Kommiffarien aus den R�ten damit betraute. Ferner sollen
Acmzler und R�te die Irrungen, die zwischen denen von Adel und ihren Untertanen der Dienste halber vielf�ltig
vorfallen, an die Haupt- und Amtsleute jedes Grtes remittieren, und diesen soll befohlen werden, die Geb�hr darin
so zu schaffen, da� die keutc nicht zu unertr�glichen un& ungew�hnlichen Diensten gezwungen werden. Das wird
damit begr�ndet, da� die Amtsleute den Gebrauch in ihren Aemtern kennen und wissen, wie es die anderen Venachbarten
mit ihren Leuten halten.
Eine interessante Neuerung ist auch, da�, damit die �beschlossenen Rechtsh�ndel", d. h. die, in denen die
Akten geschlossen sind, sich nicht h�ufen, zur F�llung der Urteile (�Vorsprcchung"), wenn es die Notdurft erfordert,
zeitig Doktoren aus Frankfurt verschrieben werden sollen � eine Verf�gung, zu der die Anregung w�hl von den
St�nden ausgegangen war.
Man sieht auch hier deutlich, wie das Aammergericht mit dem Rat zusammenh�ngt und eigentlich die
bedeutendste Funktion desselben darstellt. Das Aammergericht ist der Rat, als Gericht konstituiert.
Es bleibt nun noch eine wichtige Frage zu l�sen, die durch die Schlu�bemerkung des Napitels �ber den Rat
in der Hofoidnung von angeregt wird, n�mlich die nach dem Verh�ltnis von Tiammergericht und Hofgericht.
Am Schl�sse der Ratsordnung hei�t es: �So wollen wir auch mit Rath unserer Cammer- und gelehrten
R�the unser Hofgencht bestellen, reformiren und ordnen, damit in den Gerichts- und Rechlsh�ndeln Niemand ver-
k�rtzt oder verseumt werden solle."
was hat es mit diesen: Hofgencht auf sich?
Es ist bekannt, da� man in der Mark ein oberstes Hofgericht und eine Anzahl lokaler oder Distriktshofgerichte
unterscheidet, in die sich bei den: Auseinanderfalten der territorialen Staatsbildung in ihre einzelnen Bestandteile und
bei dem Mangel einer durchgreifenden f�rstlichen Gewalt die Hofgerichtsbarkeit zersplittert hattet vielleicht h�ngt es
damit zusammen, da� gegen Ende des das oberste Hofgericht am Hofe des F�rsten selbst sich mit
den, Aammcrgericht verschmolzen hat. An und f�r sich bezeichnen die Begriffe Hofgericht und Rannnergericht je eine
nach Verfassung und Kompetenz verschiedenartige Gerichtsbarkeit. Auch im Reiche ist ja an die Stelle des alten
Reichshofgerichts in der Zeit von ein kaiserliches Aammcrgericht getreten, das mit dem sp�teren Reichs-
kammergericht nichts als den Namen gemein hat. Hofgericht ist ein mit adligen Sch�ffen besetztes Gericht, dem ein
besonders bestellter Hofrichter vorsitzt, und das namentlich f�r kehnsachen und allgemein f�r Personen ritterlichen
Standes zust�ndig ist. Aammergericht ist ein Gericht, das der Landesherr mit feinen R�ten besetzt unter Vorsitz des
K�mmerers, des Hofmeisters oder Kanzlers, oder sonst eines seiner Hofbeamten; es ist das Vrgan der h�chsten landen
herrlichen Richtergewalt, zust�ndig namentlich bei Berufungen von den unteren Gerichten, auch wohl als Kompromi�-
instanz vielfach aufgesucht. In dem �Richtsteig kandrechts", den der m�rkische Hofrichtcr Johann von Buch um das
Jahr etwa verfa�t hat 2, erscheint als h�chste Dingstalt in der Mark Brandenburg �des A�mmerers Kammer,
dal is tu Vorsitzender ist der Markgraf �oder de dar fit in jiner stede". Er hegt das Ding �mit
'Kuhns, Gesch. d. Gerichtsverfassung 2, 2�off.; Holhe a. a. O. I,8?ff.
� 'Ausgabe von Homeyer 50, 3, 2.2^. (Vorrede g. 25ss.)
        
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