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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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Die eigentliche Bedeutung der Reformation von scheint mir daher auch in etwas anderein zu liegen,
als in dem, was Holtze hervorhebt, da� n�mlich dadurch das schriftliche Verfahren eingef�hrt und damit zugleich auch
die Umwandlung zu einem st�ndigen Beamten gericht angebahnt worden sei.^ Beides war vielmehr schon im Schwange.
U)as die Reformation will, sagt sie selbst mit deutlichen Worten: sie will vor allem die Rechtspflege beschleunigen und
die Aosten vermindern. Die Verz�gerung der Prozesse und die Steigerung der Aosten waren Folgen des schriftlichen
Verfahrens gewesen: diese �blen Begleiterscheinungen des neuen Verfahrens sollen soviel wie m�glich beseitigt werden.
Das ist der leitende Gedanke in den Bestimmungen der Reformation, und es ist die vorherrschende Tendenz in allen
Iustizvcrbesserungsversuchen bis auf die Zeit Coccejis und dar�ber hinaus geblieben.
In der Hofordnung aber hat diese Tendenz einen interessanten Wederschlag gefunden in den Bestimmungen,
die in der zweiten Fassung hinzugef�gt worden sind. Diese Fassung ist ja nach der Reformation von aufgezeichnet
worden. Es wird einmal die schon erw�hnte Verf�gung getan, da� eine Taxordnung f�r die Prokuratoren gemacht
werden soll und zweitens wird angeordnet, da� nicht mehr Parteien auf einen Tag geladen werden sollen, als man
dachen erledigen kann, und da� der Gerichtsschreiber darin ein Aufsehen haben und eine Ordnung halten solle, �
beide Bestimmungen auch ein Beweis daf�r, da� in der Tat Ratstube und Aammergericht ein und dasselbe sind.
Da� es sich nun bei diesem allem nicht blo� um eine ephemere Grdnung oder wohl gar um blo�e Entw�rfe
gehandelt hat, daf�r haben wir einen interessanten Beweis in einer sp�teren Urkunde, die schon mehrfach von den
Forschern benutzt, deren Zusammenhang mit der Hofordnung aber bisher nicht erkannt worden ist. Es ist die Ver^
ordimng, die Mylius unter dem Titel: �Churf�rst Joachims II.Grdnunge der R�the des Cammer-Gerichts zu Berlin"
und mit dem Datum: ,,^nno abgedruckt hat. 2
Holtze hat diese Verordnung eingehend behandelt; er hat nachgewiesen, da� die prozessua lischen Neuerungen,
die darin entHallen sind, auf eine Denkschrift kampert Distelmeiers zur�ckgehen, die er im Anhange (Beilage H) mit-
teilt und die sehr interessante Motive enth�lt;^ aber da er die Hofordnung dabei nicht vor sich hatte, so hat er nicht
gesehen, da� die Verordnung weiter nichts ist, als eine neue, allerdings stark erweiterte Fassung des erslm Aapitels
derselben: �Grdnung der R�the". Die beiden St�cke stimmen in mehreren Abs�tzen w�rtlich �berein; das Aapitel
�ber die R�te ist also hier aus der Hofordnung herausgel�st und nach den Ideen und Vorschl�gen Distelmeiers �ber-
arbeitet und vermehrt worden; und es ist sehr charakteristisch, da� man es als eine �Ordnung der R�the des Aammer-
gerichts" bezeichnet hat, denn die gerichtlichen Funktionen sind noch weit st�rker als bisher in den Vordergrund getreten.
Aber auch jetzt hat noch keineswegs eine Herausl�sung des Aammergerichtes aus der Ratstubc stattgefunden. Nach
wie vor stehen die R�te unter der Disziplin und Aufsicht des Marschalls und des Aanzlers; die Anordnung der
Sitzungen ist ganz dieselbe wie sr�her, und auch der Gesch�ftskreis ist der n�mliche geblieben, indem herrschaftliche
Regiments^ und in denselben Sitzungen von denselben R�ten behandelt werden. In allen diesen Dingen
stimmt die Verordnung von l.562 mit der Hosordnung von �berein; nur in einem Punkte ist eine sch�rfere
Unterscheidung eingetreten, n�mlich in der Absonderung der �3upvlicationcn" von den eigentlichen �Rechtsh�ndeln".
Es wird bestimmt, da�, nachdem die herrschaftlichen Sachen abgetan sind, der Aanzler die eingegangenen Supplikationen
an den Rat bringen soll, also die Beschwerden, die eine au�ergerichtliche Behandlung erfahren (gerade so wie die
entfprechcnden Requ?tes im franz�sischen Rat und Parlament). Es soll mit den R�ten dar�ber beratschlagt und dann
den Sckrctarien und Schreibern angegeben werden, was sie darauf schreiben sollen. Dann sollen Kanzler und R�te
die Parteien, die auf den Tag beschicdcn sind, anh�ren und damit n�tigenfalls bis H Uhr fortfahren. Die Parteien
werden wohl gew�hnlich erst zu oder Nhr vorgeladen; das bezeichnet schon die Reformation von als die
�rechte Tageszeit" im Unterschied von der �fr�hen Tageszeit", 6 oder ? Uhr morgens. Das G�tevcrfahren spielt
1a. ci. W. I,206f. � 2 C. C. M.II, { Xlt. 9. Vie Jahreszahl \�?2 f die Holtze (2, 38) beanstandet, �mite doch wohl zutreffen.
Eine Veeinftnssimg der neum�rkischen �R�the-, RanZlei� und ?ojorbnnng" vom ;.Januar \^\ durch die kurm�rkische, wie sie i?ol^c
annimmt (2, 5�), habe ich nicht konstatieren k�nnen.
�
B 2, 322, Sie ksnnte ebensogut ans der Zeit bald nach dem Antritt des Aaiizler^
amles durch Distelmeier stammen (t&58), wie ans der Zeit bald nach feinem Eintritt als Hai (5555).
        
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