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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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wie es fr�her h�usig in Rechtsstreitigkeiten des Markgrafen mit (einen Untertanen gesprochen hat. Vie damals
versammelten Verordneten des Ausschusses 1 entscheiden unter Vorsitz des Aurprinzen einen pers�nlichen Streit zwischen
dem Aurf�rsten und dem Ritter Martin von waldenfels, der sich des Kurf�rsten Ungnade zugezogen hat, und zwar
durch einen vergleich, bei den� der Hauptpunkt ist, da� ITTartin von Ivaldenfels Abbitte leistet. Die Zahlen der
st�ndischen Deputierten stimmen nicht mit den Zahlen des Entwurfes und die kurf�rstlichen Rate fehlen ganz. l�enn
holtze diesen letzteren Umstand dadurch zu erkl�ren sucht, da� der Aurf�rst selbst in dem Rechtsstreit Partei gewesen
sei, so kann man diesem Argument wohl die Vestimmung des Entwurfes entgegenhalten, die von einer solchen Ver-
�nderung der Besetzung in derartigen F�llen nichts wei�. ?s hei�t da vielmehr: �IVir wollen auch von wegen
unserer camergutter und anderer Nutzung gegen unfern underthanen vor diesem unfern camcrgeridjt des rechten wartten
und verfolgen und zu solichen gerichtshanndell zu yder zeit richter und be^sitzer irer Pflicht und eyde, damit sie unns
verwant sein, verlassen und nicht weitter." Also die kurf�rstlichen R�te sollen in solchen F�llen ihres Eides entbunden
werden, nicht aber aus den Seifigem des Gerichtes ausscheiden. Es handelte sich hier nun freilich um eine pers�nliche
Sache, aber dabei w�rde doch wohl analog wie beim Streit um Kammergut verfahren worden sein. 2
Je mehr der gelehrte Charakter der Rechtsprechung hervortrat, je mehr in Verbindung Mit dein eindringenden
schriftlichen Verfahren die Umwandlung des Aammergerichtes aus einen: Huartalgericht zu einen� st�ndigen Gerichtshof
sich vollzog, uni so weniger konnte man st�ndische Beisitzer ohne Beamten qualit�t im Aammergericht brauchen. Aber
man fand einen Ausweg, um die Anspr�che der st�nde doch einigerma�en zu befriedigen: Mitglieder der Ritterschaft
wurden neben gelehrten Doktoren als kurf�rstliche R�te angenommen und im Aammergericht verwendet. Es ist wohl
kein Zufall, da� in der Zusammensetzung des Statthaltereirates von einigerma�en die Zusammensetzung wiederkehrt,
die in dem Entwurf von f�r das Aammergericht vorgeschrieben war: zwei Pr�laten stie Pr�pste von Havelberg
und Stendal, Aelner und Dr. Rehdorfer), vier von der Ritterschaft (Dietrich Flan�, Joachim von Vrcdow, Albrecht
von 3chlieben, Hans Cermo), au�erdem Gustachius von schlichen und vier Doktoren. Nur haben wir es hier nicht
mehr mit st�ndischen Deputierten, sondern mit f�rstlichen R�ten zu tun, und nicht mehr mit Huartalsitzungen, sondern
mit einen� st�ndig arbeitenden Gerichtshof.
Da� dicfe Umwandlung sich irgendwann einmal in� vollzogen hat, dar�ber sind alle Forscher
einig; es handelt sich nur uni den Zeitpunkt. St�lzcl meint, da� das halten des Aammergerichtes im Sinne der
Reformation von darin bestanden habe, da� den gelehrten R�ten adlige Rate aus dem 3ande hinzutraten und
mit ihnen vereint an den �blichen Auarwlzeiten tagten, d. h. also er h�lt auch f�r die Zeit nach noch an
der Annahme von Huartalsitzungen mit adligen Beisitzern fest. Da� diese Auffassung unhaltbar ist, geht schon aus
den von holtze beigebrachten Zeugnissen hervor, namentlich aus dem Rechlsspruchregister, das vom April
an keine Huartalsitzungen mehr kennte holtze selbst aber ist geneigt, diese Ver�nderung erst auf die Reformation
von zur�ckzuf�hren, mit der seiner Meinung nach auch das schriftliche Verfahren erst zum Durchbruch gekommen
ist. Veide Autoren haben die Hofordnung von l^5Z? nicht beachtet. Aus dieser geht hervor, da� schon damals, alfo
vor der Reformation des Aammergerichtes von sowohl das schriftliche Verfahren wie die St�ndigkeit des Gerichts-
hofes und die Ersetzung der st�ndischen Beisitzer durch adlige R�te eine vollendete Tatsache war. In der Tat spricht
ja auch die Reformation selbst, wenn sie das Personal des Amnmergerichtes bezeichnen will, von den �verordneten
R�ten unseres Aammergerichts" ; und andererseits sehen wir in der Hofordnung, da� alle wesentlichen R�te samt den
Sekretarien und Amtsleuten einen Eid leisten m�ssen, der auf ihre richterliche T�tigkeit Bezug nimmt, n�mlich, da�
sie �kein Gift oder Gabe von keiner Partei oder Niemand nehmen noch durch die Ihren zu nehmen gestatten werden,
die Uns, der Herrschaft, oder den Parteien an ihren Rechten zu Schaden kommen m�chten, auch Niemand dazu zu dringen".
1DieUrkunde beginnt: ��Pir ceror�>cnte des ausfcho� von prelaten, Herren, [a&el] und stetten des Churfiirsteutum� 311 [33rani>eit*
b�rg] bekennen �ffentlich mit bissen brive" usw. (�ic Urkunde ist besch�digt.) Itom Rainmergericht ist dabei nirgends die Rede. � * Den
Mangel einer ausdr�cklichen Bestimmung dar�ber r�gt bas lebuser Gutachten, a. a. (D. 24?, � 3 a. a. 0. I, ,72.
� *
a. a,  I,2uf.
�
5 die ja auch Richter waren.
        
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