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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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insonderheit der Adel damit sehr wenig zufrieden war und den fremden R�ten die Schuld an allem, was in der Hof-
hallung schlecht war, beima�, pot allem an der Verschuldung des Aurf�rsten und an den neuen Steuerforberungen.
(?� ist ein merkw�rdiges Aktenst�ck erhalten, eine Eingabe �etlicher Annen vom Adel", wie fie sich nennen, die in den
Ausschu�tagen nicht mehr gen�gend zu Worte kamen und die deshalb eine Versammlung unter sich angestellt hatten
und nun den Herren vom Ausschu� schriftlich ihre Meinung sagten, und zwar auf gut �m�rkisch", d. h. plattdeutsch,
weil fie der hochdeutschen Sprache nicht recht m�chtig waren. Die Eingabe scheint aus dem Jahre {5%\ ober \5<{2 zu sein,
also gerade aus der Zeit, mit der wir hier 511 tun habend Diese Junker schelten �ber den �b�sen Unrat" und �das
unordentliche Regiment" am Hofe, das ihnen und ihren �armen Leuten", den Bauern, immer neue Steuern bringt,
und das ihrer Ansicht nach lediglich davon herr�hrt, da� der Aurf�rst fremde R�te, namentlich �Mei�ner", gebrauche.
�Com andern � erkl�ren fie � m�len wi di b�sen rede affctteii und pluacu mit cgen offen, bat und neu anders ttnl
unfe toraden wesen. Hufe lev� olde surften hebbent ock gedan, uns denket wol, 6at tuen neu Mi�ner in bai land
wolde liden to rade." Dot allem sollen oie f)fandschaften ganzer Remter und einzelner St�cfe des Aammergutes
eingel�st und feine neuen Verschreibungen derart gegeben werden, �wen bat gescheen und verordnet is, will wy uns
ok angripen. VDy m�len aversch dat strick in die hant behoUcn, bat di unfcit regiereu; die b�sen rede und butenlender
mil wy nick �ben. Vu g? iiicfs darto (n�mlich die Herren vom Ausschu�), so m�ten wy sien, bat wy einen oder
vier by dy nese krigen, so wille wy wol erfaren, war unse gelb l?engcfanxen is, ok met inant im ganzen lande mol,
wy wetent ok wol." Ver Aurf�rst erfuhr von dieser Eingabe und war sehr erz�rnt dar�ber; er gab den Drohenden
zu bedenken, da� �nach dem Tehnrechl" der Ral gleichsam �ein St�ck pont keibe des F�rsten" sei und da� die Vasallen
Me R�te ihres ?c^ns* und Landesherren gleich wie ihn selbst zu respektieren h�tten. 2
tuen meinten nun die unzufriedenen Edclleute mit ihren Anklagen un& Drohungen? Der Marschalk Adam
von Trott war ein Fremder, aber ein hessischer Edelmann 3, kein �Mei�ner". Gin �Mei�ner" war btv Aanzler
Aettwig gewesen, der aus Leipzig stammte', aber er war seit dem Jahre J5^O zur�ckgetreten und konnte f�r die
Angriffe der m�rkischen Junker kaum mehr als hervorragendes (Dbjeft in Vetracht kommen. Johann Weinleb, der
damals unter den gelehrten R�ten der einflu�reichste war und sp�ter Aanzler geworden ist, war ein geborener M�rker,
aus Treuenbrietzen/' Von der Herkunft der �brigen gelehrten R�te ist mir Sicheres nicht bekannt. Unter den adligen
R�ten war zweifellos der bedeutendste und einflu�reichste Eustachius von Schlieben. Ranke hat ihn den ersten Staats^
mann Brandenburgs in der neueren Zeit genannt. 
    
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