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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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Abends geschlossen; die Schl�ssel nimmt der Marschall oder Hofmeister au sich; fie haben auch daf�r zu sorgen, da�
keine Nachschl�ssel gefertigt werden u�6 �berhaupt kein Unbefugter t� den Keller hineinkommt.
F�r die Silberkaminer sind drei Silberdiener bestellt, die die Achte ausgeben und das Silbergeschirr in acht
zu nehmen haben. Silbergeschirr und silberne Becher kommen nur auf den F�rstentisch, Sie sollen nach jeder Mahl-
zeit in die Silberkammer zur�ckgebracht und gereinigt werden; man soll sie nicht etwa, wie wohl geschehen, von der
Morgen- bis zur Abendmahlzeit stehen lassen. Alle Abend soll das Silberzeug �berschlagen werden, und wenn etwas
fehlt, so soll das nicht verschwiegen, sondern sofort gemeldet werden, damit man Nachforschung anstellen kann, um es
wiederzufinden. Einer der Silberdiener soll nachts im Schlosse schlafen, damit man ihn f�r alle Falle bei der Hand hat.
3�i �Harftall gebietet der Stallmeister �ber eine gr��ere Zahl von Anechtcn und Jungen ; bei je H Hengsten
soll ein Anecht und ein Junge zur IDartung bestellt werden. Dazu kommen zwei Schmiede f�r den Hnfbeschlag. F�r
den Aurf�rsten selbst stehen 20 Pferde im Stall, \0 Hengste u�6 Rittlinge, f�r den Aurprinzen die H�lfte dieser
Zahl, die f�rstlichen Damen haben jede 6 wagenpfcrde zur Verf�gung, w�hrend der Aurf�rst selbst mit dreien aus-
fo�u�t Das Futter wird, wie erw�hnt, von� M�hlenhof geholt; auf das Pferd wird ein Ma� zu 1fs Berliner
Scheffel gerechnet; wenn aber der Aurf�rst �ber Tand zieht, so soll ein Scheffel auf 2 Pferde gefuttert werden.
Von den Hofhandwerkern' ist in der Hofordnung nicht weiter die Rede; nur der Schneider wird einmal
besonders erw�hnt (ihm steht ein kleiner Becher Ivein t�glich zu). Er war in der Tat der wichtigste von den Hand^
werkern bei Hofe. Denn das Hofgesinde wird vom Aurf�rsten nicht blo� gespeist, sondern auch gekleidet. Aus vielen
Bestallungen kann man entnehmen, da� die, gew�hnliche Hofkleidung f�r Herren und Anechte mit zu den Bedingungen
des Dienstvertrages geh�rt; es wird in der Regel zweimal des Jahres ��ber Hof gekleidet". Vornehmere Personen
erhalten au�erdem wohl noch vom Aurf�rsten alle zwei Jahre ein seidenes Ehrenkleid. Dieser Zug vollendet das
Bild eines gro�en patriarchalischen Haushaltes, der in der Hauptsache noch auf Natural- und Eigenwirtschaft begr�ndet
ist. Der ganze Hof lebt wie die Familie eines gro�en Grundherrn.
Die Residenz war ja damals l�ngst in der Hauptsache fest geworden in dem Schlosse zu C�ln an der Spree;
aber es kam doch h�ufig vor, da� der Aurfnrst sein Hoflager auf eins seiner Aemtcr verlegte, und zuweilen auch
wohl, da� er als Gast in fremder F�rsten banden verweilte. Auch f�r diese F�lle hat die Hofordnung sin ihrer
dritten Fassung) Bestimmungen getroffen.
H�lt der Aurf�rst auf einem seiner Aemter Hof, so tritt dies Amt an die Stelle des M�hlenhofes, und der
Marschalk hat sich mit dein Amtmann und Amtsschreibcr �ber die Lieferungen f�r den Hofhalt zu berechnen, samt
dem A�chenmeister und dem Schenken. Es fungiert aber in diesen, Falle ein besonderer �ausl�ndischer A�chenmeister",
der eigens dazu angenommen werden soll. Bei der Abreise des Aurf�rsten aus dem Amt wird eine Generalabrechnung
zwischen seinen Hofbeamtcn und dein Amtmann und Amtsschreiber vorgenommen.
Befindet sich aber der Aurf�rst in fremder F�rsten kanden, wo ihm �Ausrichtung gethan" und sein Hof-
gesinde von dem fremden F�rsten �ausgel�st" wird, so soll der Futtermarschalk nebst denen, die zur Vornahme der
�Ausl�sung" von dem fremden F�rsten verordnet sind, in allen Herbergen der kurf�rstlichen teute die Rechnungen
fordern und ein Verzeichnis davon den, Hofmarschalk zustellen, damit man sehen m�ge, ob die Teute sich nicht
�ungeschickt verhalten", d. h. zuviel verzehrt haben; was sie �ber Geb�hr verbraucht haben, sollen sie selbst bezahlen.
Es wird jedesmal bestimmt, wer von dem Hofgesinde den Aurf�rsten auf solchen Reisen begleiten soll. Der
Haushofmeister, der daheim die keitnng des Haushaltes f�hrt, erh�lt ein Verzeichnis dieser Personen, damit nicht etwa
das Futter doppelt gereicht wird, wird in Abwesenheit des Aurf�rsten nicht imFrauenzimmer ein besonderer F�rsten-
tisch gehalten, so soll der Markgraf Friedrich, der jedenfalls noch zu jung war, um den Aurf�rsten zu begleiten, seinen
Tisch neben den heimgclassencn R�ten in der Rittcrstube haben.
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Mehrere Bestallungen im ?ctinscopt?t: Dachdecker, i?�ttichrr, barbier, I�unbar3( n. a.
        
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