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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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ganzen Bestallung wohl �berhaupt nur um eine Episode, die keine dauernde Ordnung begr�ndet hat. Eine milit�rische
23ebeuiung, wie etwa in A�strin, hat das Amt des Schlo�hauptmanns in C�ln an der Spree nicht gehabt; eine
Festung mit Besatzung, wie dag A�striner Schlo�, war das zu Coin ja nicht-, wir h�re� von keiner stehenden Truppe,
die dort �on einem Hauptmann w�re befehligt worden; Scheiding selbst hatte nur den regelm��igen Dienst mit vier
ger�steten Pferden zu leisten. Er nahm auch insofern noch eine Ausnahmestellung ein, als er nicht verpflichtet war,
zu den Mahlzeiten in der Kittcrftube zu erscheinen, sondern seinen eigenen Haushalt f�hrte. Er hatte freie Behausung
in einem dein Kurf�rsten geh�rigen Hause am M�hlendamm! und empfing dort mit Weib, Rindern, Knechten,
jungen und M�gden den Unterhalt eines �ziemlichen" Tisches als �Abspeiser" mit Essen und Trinken samt Tisch-
wein, kicht und Holz aus den Mitteln des Hofes. Es gab also doch Ausnahmen von der Regel, die die Hofordnung
einsch�rft, da� alle und jeder Diener des Aurf�rsten, �wer sie auch sein m�gen", in die Ritter- und Hofstube Zu den
gemeinsaincn Mahlzeiten sich verf�gen sollten.
Auf einer tieferen Rangstufe wie Marschalk und Haushofmeister steht der Hausvogt, f�r den auch nicht, wie
f�r jene, f)ferde im Marstall stehen. wird als Inhaber des Amtes Heinrich von Vritzke genannt; er ist wohl
auch ein ritterlicher Mann aus der Familie, die das Dorf Britz besa�. Er hat mit den: Torw�rter zusammen darauf
zu sehen, da� niemand ins Schlo� kommt, der dort nichts zu schaffen hat. Auf das Abschleppen und alle andere
Unordnung hat er besonders sein Augenmerk zu richten, verlangen Angeh�rige von Dienern oder Amtsknechten,
Weiber, Itinder oder Hausgesinde, ihren Hauswirt in Eile zu sprechen, so m�ssen sie sich beim Torw�rter melden und
k�nnen den Herausgerufenen dann auf der Br�cke vor den: Schlo� sprechen ; in A�che, Aeller, Silberkammcr usw. d�rfen
sie nicht hineingelassen werden. Der Hausvogt hat auch die wache zu bestellen, �ber deren Beschaffenheit wir leider
nichts n�heres erfahren; er hat das Schlie�en der Tore zu veranlassen; die Schl�ssel verwahrt er w�hrend der
Mahlzeiten selbst, an: Abend �berantwortet er sie dein T�rknecht des Aurf�rsten. Unter ihn� stehen die Ivagen und
Arbeitsleute; er hat darauf zu sehen, da� sie zu rechter Zeit an- und ausspannen, zu und von der Arbeit gehen.
Bei den Mahlzeiten hat er, als Unterbcamter vom Marschalk und Haushofmeister, auf Ordnung zu halten, auch ein
Verzeichnis der Tische zu f�hren; er hat daf�r zu sorgen, da� das, was von Speisen und Getr�nken �briggeblieben
ist, wieder in A�che und Aeller zur�ckgebracht wird. Uebertreter zeigt er den, Marschalk oder Haushofmeister an;
eine selbst�ndige Disziplinargewalt hat er nicht. Eine besonders wichtige Befugnis des Hausvogtes ist seine kriminal^
polizeiliche Gewall �ber das gesamte Hofgesinde, in und au�erhalb des Schlosses. Der Schlo�bezirk selbst bildete ja
eine Immunit�t, die �Schlo�freiheit", die von dem Eingriff der ordentlichen Gbrigkeit der Stadt befreit war; aber
auch au�erhalb dieses Bezirkes stand nur dem Hausvogt die Oolizeigewalt �ber das kurf�rstliche Hofgesinde inF�llen
von Missetat zu. Erhebt sich �Rumor" oder �Aufruhr" unter dem Hofgesinde, im Schlo� oder in der Stadt, kommt
es zu T�tlichkeiten oder gar zu Totschlag, so liegt es dem Hausvogt ob, die Uebelt�ter �gesanglich annehmen und
setzen zu lassen", oder, wenn es sich um geringere F�lle handelt, sie �in des Aurf�rsten Hand zu bestricken". Diese
Befugnis des Hausvogtes hat in sp�teren Jahrhunderten noch eine betr�chtliche Ausdehnung erfahren; aus der Haus,
vogtei ist unter Friedrich-Wilhelm I. ein allgemeines unteres Ariminalgericht und Ariminalgef�ngnis geworden, das
sp�ter in Verbindung mit dem Aammcrgericht gebracht worden ist.^
Die allgemeine Vedeutung des M�hlenhofes f�r die Haushaltung im Schlosse ist bereits erw�hnt worden:
dort wurde f�r die Hunderte von Personen, die an� Hofe gespeist wurden, gemahlen, gebacken, gebraut, geschlachtet.
Es war ein abgesonderter Aomplex von Geb�uden am M�hlendamm, zu dein kurz vorher durch Rauf von dem
B�rgermeister Melchior Funcke ein Haus erworben worden war, das eigens f�r diesen Betrieb zugerichtet worden war,
m dem aber auch Christoph von Scheiding seine Wohnung erhielt. Die Aufsicht �ber das Mollenamt geh�rte ja mit
zu seinen Obliegenheiten ; vielleicht hat er anfangs zugleich auch die Stelle eines Hauptmanns oder Verwesers auf dein
1 Die Vestallung spricht von dem Hause, das der Kurfnrft von Melchior Sunde erkauft habe; dasselbe wird auch in &er (Drbnnng
des M�hlenhofeZ erw�hnt.
� ' lehnscopiar, Register 15^0.
�
a Holtze, Ztrafrechwpstege u.iter K�nig Friedrich-Wilhelm I,, 5. 6 11, 58,
Acte Borassica, Veh�rdenorganisation Vd. VI,5. 5. 328 f.
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