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Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

Full text: Hof- und Landesverwaltung in der Mark Brandenburg unter Joachim II.

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ersieht man aus dein immer wiederkehrende� Passus der vommerschen Hofordnungcn, da� niemand bot tische den
andern mit Anochcn und Gr�ten oder auch mit Vrot^ und Fleischst�cken werfen solle; die. brandenburgischen Hof-
ordnungen begn�gen sich, einzusch�rfen, da� der Marschalk oder Hofmeister darauf sehen solle, da� alle sich bei Tische
fein, z�chtig und stille verhalten. Auch der Keller wird nach der Mahlzeit geschloffen. Die Hofordnung des Mark-
grasen Hans von "K�ftrin verordnet noch ausdrucklich, da� der Marschall �keine unordentliche oder �berfl�ssige Sauferei
gestatten" solle; �es w�re dann Sache, da� Fremde vorhanden, da� man denselben zu Ehren solches thun m��te".
Ebenda wird auch ausdr�cklich verboten, da� keine �Sauferei" in dem Frauenzimmer verstattet werden solle; es scheint
au im Schwange gehender Mi�brauch gewesen zu sein, da� wein und Vier w�hrend der Mahlzeit dorthin abgeschleppt
wurde, damit die Funker, wenn sie sich sp�ter dorthin begaben, zu trinken f�nden. Nach der Mahlzeit durfte sich
n�mlich das �Gescllicht" ins Frauenzimmer begeben, um den Jungfrauen in der �langen Stube" Gesellschaft zu leisten,
bis der T�rknecht des Frauenzimmers um die Vesperzeit (^ Uhr) ober abends um 8 Nhr abklopfte, zum Zeichen, da�
das �Gcsellicht" wieder hinabgehen solle. Vei diesen geselligen Zusammenk�nften hat die hofmeisterin darauf zu sehen,
da� die Jungfrauen alle in einer Reihe auf einer langen Vank nebeneinander sitzen bleiben; alles �Winkelsitzen" und
heimliches Gespr�ch ist verboten; es gilt auch nicht f�r statthaft, da� die Jungfrauen viel hin- und wiedersehen oder neben
den M�nnern stehen. In allen St�cken hat die Hofmeisterin aus Zucht und Sitte zu halten. Um 8 Uhr wird das
Frauenzimmer verschlossen. Pas Cagesleben am Hofe ist Zu Ende: mau sucht das kager auf; die Cote werden um
9 Uhr, im Winter etwas sp�ter geschlossen.
Ver Tag endete fr�h, wie er fr�h begann. Ein Hauptgrund daf�r war die Aostbarkcit k�nstlicher Beleuchtung.
Achter sind ein rarer Artikel am Hofe. Man machte sie wohl nieist in der Wirtschaft selbst, aus wachs oder aus
Talg; sie wurden in der Silberkammer verwahrt und nur vou Allerheiligen bis Achtme� (^.November bis 2. Februar)
in ganz bestimmter Zahl und Gewicht an die einzelnen Personen und Gruppen des Hofgesindes herausgegeben; die
St�mpfe wurden sorgsam wieder in Verwahrung gcnonunen. Nach Toresschlu� mu� alles Feuer und Acht im Schlosse
gel�scht sein; der Hausvogt hat besonders darauf zu achten.
Vie Leitung und Aufsicht dieses ganzen Hofwesens hat in erster Cinie der Hofmarschalk. Zu diesem Posten
war im Jahre Herr Adam Trott destellt worden auf vier Jahre; statt Gehaltes war ihm daf�r der See von
Zabelstorf verschrieben worden. Das Amt des Marschalks war nicht leicht; er mu�, wie es in der Hofordnung des
Markgrafen Hans von A�strin einmal hei�t, �der erste und der letzte auf" sein. Er beaufsichtigt den Marstall und
die Ratstube, das gesamte Hofgesinde, insonderheit auch die R�che und die Mahlzeiten. Er sorgt f�r die Aufrecht-
erhaltung der Hofzucht und des Burgfriedens, wie f�r die ordentliche wirtschafte und Rechnungsf�hrung. Bricht
einer von Adel den Frieden oder begeht sonst groben Unfug, so soll er ihn gesanglich annehmen und in des Aurf�rsten
Hand bestricken, der �ber den Fall richtet. Aommt Zwist oder Irrung unter dein gemeinen Hofgesinde zu seiner
Aenntnis, so gebietet er Frieden, stellt ein Verh�r an und tr�gt dann die Sache dem Kurf�rsten vor. Er ist der
Vermittler zwischen F�rst und Hofgesinde in aller Notdurft, allen Gebrechen und Anliegen. Er empf�ngt auch die
Votschafter fremder F�rsten und sorgt samt dem Aanzler daf�r, da� sie bald abgefertigt werden, damit dem Hofe durch
ihren l�ngeren Aufenthalt keine unn�tigen Aosten erwachsen. Alle Abend, wenn abgespeist ist, oder doch jedenfalls
am n�chsten Morgen, hat er sich von dein Hausvogt, dem A�chemneister, dem Haus und dem Speisekellei, dem
Silberk�mmcrcr, dem Z�llner vom M�hleuhof ein Verzeichnis geben zu lassen �ber die Zahl der am, Hofe gespeisten
Personen, sowie �ber den Verbrauch an allem, was zu Futter und Mahl, an kichteu und sonst noch herausgegeben
worden ist. Am n�chsten Tage nach der Morgenmahlzeit soll er den Haushofmeister und den Rentmcister zu sich in
die Torstube fordern und diese Nachwcisungen mit ihnen durchgehen. Findet sich dann, da� in irgend einem Zweige
der Haushaltung zuviel verbraucht oder uugetreulich mit den Vorr�ten umgegangen worden ist, so werden die Schuldigen
zur Rechenschaft gezogen und in Strafe genominen. Diese Tagesrechnungen werden aufbewahrt und jeden Sonnabend
1 Lehnscopiar, Register (526.
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