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Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

Full text: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

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Trotz dieses gescheiterten Versuches gab Joseph II. den Wunsch nach der pers�nlichen Bekanntschaft des K�nigs
nicht auf. Eine merkw�rdige und keineswegs v�llig aufgekl�rte Rolle spielte in diesen: Zusammenhang ein Graf
Sinzendorf, der am \. Oktober 1.76? den �sterreichischen Staatsdienst verlie�, um Gesandter de5 Malteserordens in
Berlin zu werden.^ Er galt f�r einen witzigen, aber auch unruhigen Kopf, war bei Hofe wohlgelitten; F�rst Kauni^
liebte es, vertraulich mit ihm zu plaudernd 3m Sommer {767 kam �nzendorf nach Schlesien und sprach den K�nig,
der anl��lich der Revuen sich dort befand.^ Doch scheint es sich damals nur um seine Berufung zum Vrdensgesandten
gehandelt zu haben. Anders bei seinem Vesuch in Berlin imM�rz \768. 4 Sin5cnborf wandte sich an den Hammer*
Herrn Baron von Edelsheim, der persona grata bei dein K�nig war und Rohd w�hrend eines Urlaubs im Herbste 1766
vertreten hatte, und unterrichtete ihn von einer Unterredung, die der Kaifcr im vergangenen Herbste wenige Tage
nach seiner R�ckkehr aus Schlesien mit ihm gehabt hatte. U)ir erfahren, da� Joseph IL von einer neuen Zusammen-
kunft mit dein K�nig in Schlesien, die er in der nun einmal feststehenden Form der �Ueberraschung" plante, sowie
von einem Gegenbesuche Friedrichs und von feinem Wunsche sprach, lieber mit Preu�en als mit einer anderen Macht
in Allianz zu treten und die alte Feindschaft zu begrabend 3n einem Meinungsaustausch mit Rohd �u�erte sich der
K�nig dahin, da� man auf diese (Er�ffnungen nicht bauen d�rfe, da Smzendorf sich mit ihnen nicht an ihn selbst
gewandt habe; man tue daher gut abzuwarten, bis die Gesterreicher sich deutlicher �ber die Allianzfrage ausspr�chen. 5
Im �brigen glaubte er, jener sei lediglich beauftragt, den Voden f�r ein k�nftiges B�ndnis zu �sondieren".^
Als Friedrich im August und September zur Revue in Schlesien weilte, stellte sich Sin5en6orf wiederum
in Breslau ein und sprach auch dort von der M�glichkeit einer Zusammenkunft der Herrscher in Nei�e und von
einem Gegenbesuche des K�nigs in B�hmens Und obwohl sie damals � es war am 25. August �, sich nahe
beieinander aufhielten, der Kaiser in lXaa}ob, der K�nig in Silberberg, sahen sie sich auch dieses Mal nicht.
Nur wenige Tage sp�ter forderte Aaunitz selbst den Aaiser auf, mit Friedrich eine Begegnung herbeizuf�hren.
wir m�ssen zur�ckgreifen, um die Wandlung, die der Staatskanzler durchgemacht hatte, zu verstehen. Vie
Verwerfung des Planes der Zusammenkunft in Corgau hatte er begr�ndet mit der Besorgnis, der kaiserlichen w�rde
etwas zu vergeben, mit der noch geringen Menschenkenntnis Josephs und mit dein Hinweis, da� die Begegnung als
beabsichtigt ausgelegt und unliebsame Mutma�ungen und Aombinationcn an sie gekn�pft werden w�rden. Und erst
dann entschlo� er sich, ihr zuzustimmen, als er mit den Berichten Nugents den Beweis f�r die von Preu�en ergriffene
Initiative in H�nden hattet" er w�hrend der folgenden Monate mit dein A�nig in einen Austaufch van
H�flichkeiten, sandte er ihm Tr�ffeln, einen Gfen, der nach einem von ihm selbst erfundenen System gebaut war, und
erklarte Friedrich andererseits sich bereit, den Wunsch des Aanzlers zu erf�llen und ihm sein Bild zu schicken," so
blieb das alles doch f�r die politische Stellung beider M�chte zueinander ohne Belang.
1 Vgl.p. C. 26, 2?9; 27, 583; 28, 290. � a vgl.p. (?. 27, ,?f. \\6. � 3 vgl.p. ?. 26, 2?9. � * vgl.p. C. 27, 586. �
s Bcrirfjt �Ldelsheims vom 6. April i"68, mit vegleiterla� vom 7. on Rohd mitgeteilt: P. C. 27, l.^6f. Auf diesen Vericht, der
abgefangen wurde, bezieht sich Raunitz in seinein Schreiben an den Kaiser vom 28. August ;?68 (Neer, Archiv. S, indem er
spricht von �propos qu'il a plu ? Votre Majest� de tenir ? chevalier de Sinzendorf, et que je me rappelle avoir lus avec beaucoup de satis-
faction dans un intercepte". Damit f�llt jeder Zweifel, den toebl in seinem Aufsatz .,rfs erhebt. Berichte Sinjtnborfs �ber seinen Aufenthalt
in Berlin liegen, nach Mitteilung des K.u. K. i>ius^, Hof� und Staatsarchivs in Wien, nicht vor (p, 
    
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