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Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

Full text: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

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war die Unterst�tzung des russischen Thronkandidaten Siantsfaus f)oniatow5ki und oie Z??ihmrfung bei dessen Erhebung
auf den polnischen Thron gewesen. Unendlich mehr dr�ckte die Verpflichtung, die Friedrich in dem Vertrage �bernahm,
Staitislaus auf dem Thron zu erhalten und die Russen zu unterst�tzen, sobald sie wegen ihrer Einmischung in polen
angegriffen w�rden. Aber solange als ihn diese Allianz nicht in einen neuen Krieg verwickelte, wog der Gewinn
einer gesicherten Stellung gegen�ber CDcfterreic�j die (Dpfer reichlich auf, und die Allianz verlor nicht an IPcrt und
Vedeutung, selbst als seine Veziehungen zum Hause Habsburg vor�bergehend sich g�nstiger gestalteten.
Schon im Fr�hjahr 5?hs, glaubte K�nig Friedrich ein Anzeichen f�r diese Vesserung des beiderseitigen Ver-
h�ltnisses in einer Aufmerksamkeit wahrnehmen 511 k�nnen, Me Kaiser Joseph II, mit einer Sendung Florentiner
Weines ihn: erwies. 1 Dann tauchte im Sommer, gleichsam als Vorspiel zu den Zusammenk�nften in Nei�e und
Neustadt, der Gedanke einer 2Nonarchcnbegegnung in Corgau auf. Den Ansto� dazu gab der Bericht Rohds, des
preu�ischen Gesandten in Wien, vom 28. 21Tai, da� einem boxt verbreiteten Ger�cht zufolge der Kaiser auf seiner
Reise nach V�hmcu beabsichtige, Dresden und Torgau 511 besuchen und bei dieser Gelegenheit mit dem K�nig
zusammenzutreffend Friedrich folgte der Anregung und beauftragte den Kabinettsminister Grafen Finckenstein, mit
dem �sterreichischen Gesandten ITugcnt dar�ber R�cksprache zu nehmen und ihm gleichzeitig zu sagen, da� er bedauern
w�rde, den Kaiser nicht zu sehen, wo man einander so nahe fei.3
Fragen wir nach den Beweggr�nden, die den K�nig zu diesen: Auftrag bestimmten, so gab er daf�r dein
Almister selbst als Alotiv �curiu5it6" an: er w�nsche dar�ber Aufkl�rung, was an dem Ger�cht sei; er wolle h�ren,
schrieb er �hnlich an Rohd/ �was Nugent darauf antworten w�rde". Im Taufe der Verhandlungen bemerkte er
zu seinem Vruder, dem Prinzen Heinrich: er glaube nicht, da� etwas anderes dabei herauskommen werde als ein
Austausch von H�flichkeiten, wie er unter Monarchen �blich sei. vielleicht hoffte er aber auch f�r die Vauer des
Friedens auf Herstellung eines besseren Einvernehmens zwischen Gesterrcich und sireu�en; wenigstens hatte er einige
Wochen zuvor gemeint, dieses als Frucht der Ann�herung Josephs erwarten zu d�rfen."
Vie Verhandlungen, die auf Finckensteins Er�ffnung an Nugent folgten, d�rfen wir �bergehen, da sie schon
von anderer Teile ausf�hrlich behandelt sind.^ Sie sind bemerkenswert wegen der Voppelrolle, die der �sterreichische
Gesandte spielte; denn w�hrend er den preu�ischen Antr�gen freudig zustimmte, berichtete er nach Wien und an den
Kaiser von k�hler Zur�ckhaltung, mit der er sie aufgenommen habe. Nach seinem Vericht vom 9. Juni �ber die
erste Unterredung hatte er dem Grafen Finckenstein erkl�rt: er zweifle nicht, da� dem Kaiser eine �Ueberraschung"
durch den K�nig sehr angenehm sein werdet Diese Auffassung wurde bei den Gesterreichern die ma�gebende:
hatte Kannitz auf die Anfrage Maria-Theresias, die durch den aufgefangenen Erla� des K�nigs an Rohd schon von
der bevorstehenden Unterredung zwischen Finckenstein und Nugent unterrichtet war, das Projekt der Zusammenkunft
am unbedingt verworfen, so glaubte er am 5?., in dem Begleitschreiben zu Nugents Vericht vom 9" daf�r ein-
treten zu sollen, unter der Voraussetzung, da� es tats�chlich bei einer �Ueberraschung" bleibe und der K�nig sic ganz
allein, ohne �sterreichische Veteiligung ausf�hre. Ebenso sprach auch der Feldmarschall kacy, der im Gefolge des Kaisers
sich befand, in der Antwort auf Nugcnts Vericht, einzig von einer �Ueberraschung"." Und so gern Kaiser Joseph den
K�nig pers�nlich kennen gelernt h�tte, lie� er doch, wie er ausdr�cklich sagt/" dem Wunsche seiner Alutter folgend,
durch den inzwischen bei ihm eingetroffenen Nugent lediglich seine Reiseroute nach Verlin mitteilen. K�nig Friedrich
meinte, nach allen vorhergegangenen Verhandlungen darin eine Ablehnung erblicken zu m�ssen, und begn�gte sich,
den Schlo�hauptmann Grafen Kamecke zur Vcgr��nng des Kaisers nach Torgau zu senden."
1 vgl.p.C. 25, 75 f. � 2 Dgl. P.C. 25, 1,26. � � Kabinettserla� vom 6. Juni p. C. 25, 526 f.
� * Vgl.P.C. 25, 126
2lnm. 3. �
"
22. Juni t?66 (p. (?. 25, ho)- � * vgl. P- C. 25 87 -
�
7 vgl. K�ndet, lieber den plan einer Begegnung Friedrichs
des Gro�en und Josephs 311 Corgau UfiG (Forschungen zur brandend, und preu�. Geschichte, Bd. 15, 5. 507 ff.)- � 8 S�ri�t an Rannitz
(Veer, Archiv, S. 392f.) und an lacy (von Arneth VIII, 557 Amn. 177), � 9 Anfrage der Kaiserin, undatiert (ron Arnech VIII, 557
Anm. ("<>); Berichte �on Kmnii^ vom N- und (7.Zum '"66 mid Antwort lacyZ, undatiert (2?ecr, Archiv, 3.^22
�
435, 453). �
10 vgl. von Arneth, Maria� Theresia nnd Joseph II. Ihre Korrespondenz, SE�. I,S. (80 (Wien J867).
� "
Bericht Finckensteins und
Antwort des K�nigs vom 26. Juni use: p. C. 25, �45.
        
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