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Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

Full text: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

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hatte, da� er in der Conversation des K�nigs alle weitere plaisirs
verg��e, mit� sich'? folglich ausgebeten hatte, den K�nig in feinem
Quartier 311 gen�gen. Sie kamen also auch beide nicht indie Op�ra,
ohuerachtct bis nach 6 Uhr auf sic gewartet w�rbe alsdann wurde
abgesagt, da� sie nicht k�men, und barauf ging die Op�ra erst an.
Der K�nig hielte sich beim Kaiser bis nach 8 Uhr auf, alsdann fuhr
er von ihm weg nach der Residenz, und um 7*9 Uhr abends ging
der Kaiser nebst feiner Generalit�t zu Fu�e nach und zum Souper.
Des Generallieutenant Diericke^ Equipage war zum Schilf Etes
Kaifers destinirt, er ist aber nie gefahren, sondern immer zu Fu�e
gegangen.
soupirt wurde; nachher ging der Kaiser ordinairement zu Fu� ins
Quartier.
Den 27. ging der Kaiser um V*7 Uhr Morgens 511 Fu�e in
die Stadtkirche und h�rte daselbst an 3/4 stunden die Messe und hat
dabei die Devotion gezeiget, da� er in der Rank gekniet. Der K�nig
erwartete seiner, und sie kamen beide darauf zum Man�ver. Der
Kaiser hatte einen wei�en Rock mit carmofinen Aufschl�gen und
eine Weste mit Gold an, sonst aber auch kein weiteres Distinctions�
zeichen an sich, und ritt ein schwarzbraunes Holitz'sches Gestiltpferd.
wie er nun fast immer und unaufh�rlich mit dem K�nige sprach,
so kam er auch nicht weit von seiner Seite, au�er da� er bann und
wann eine kleine Excursion 3�r Cavallerie machte und sehr oft auch
mit dem General Se^dlitz compliment Nachmittag besuchten sie
wieder die Op�ra, beim Herausgehen brachte der Kaiser den Konig
bis an die Treppe der Residenz, der K�nig n�tigte ihn heraufzu-
kommen, er devrecierte aber, sie k��ten sich, und der Kaiser ging zu
Fu� nach Hause und verbat sich sogar das Nachhanseleuchten,
marfchirte also im Finster�.
Den 26. des Morgens um 6 Uhr holte ihn der K�nig 311
Pferde zum Man�ver ab und ritte vor sein Quartier, weil er aber
merkte, da� der Kaiser etwa noch nicht fertig war, so ritte der K�nig
nach dem berliner Chor und die Barriere zum Fort Preu�en hinaus,
Balb darauf ward der Kaifei fertig, setzte sich zu Pferde, ritte nach
der Residenz, als wenn er den K�nig abholen wollte, und da er
schon weg war, so ritte er zum berliner Thor durch unser Tager
ihm nach, und fie kamen erst auf dem Ende zusammen. Der Kaiser
ritte einen Schimmel, einen Engl�nder, hatte einen gr�nen Rock
mit roten Aufschl�gen und eine k�ill?- Weste mit Gold an, sonst aber
an sich fein weiteres Distinctionszeichen, etwa einen Stern , gar
nichts. Nach vielen z�rtlichen Vewillkommungen, so sich vorz�glich
in einem freundschaftlichen H�ndedr�cken �u�erten, ritten sie beide
zusammen, der K�nig gemeinhin zur rechten Hand, als welches der
Kaiser sorgf�ltig 311 vermeiden schien, jedoch traf sich auch �fters,
da� der Kaiser rechter Hand ritte, und es war �berhaupt kein Cere-
moniell sichtbar.
Den letzten Tag, als den 2�., hatte er wieder den gr�nen
Rock an, ritt das n�mliche schwarzbraune Pferd, holte den K�nig
aus der Residenz ab und kamen zusammen zum Man�ver heraus auf
dem Felde. Nachdem ihm der K�nig die Disposition des diesmaligen
Man�vers erkl�rt zu haben schien, trennte sich der Kaiser vom K�nige
und eilte mit dem Prinz Heinrich seitw�rts, sowohl zur Infanterie
als Cavallerie, bes�he sich alles �nd kam in dieser Begleitung des
Prinzen Heinrich wieder zum K�nige. Hier standen sie nun eine
ganze weile, warteten ab, bis da� das Anhalt'sche Corps durch
Stephansdorf defilirt war. und da ihnen seitw�rts das Regiment
von Seydlitz stand, so ritte auf einmal der Kaiser zn gedachtem
Regimente, der General Seydlitz begegnete ihn, aber der Kaiser machte
ihm ein verbindliches Compliment, und bald darauf wurde bei dein
Se^dlitz'schen Regiment ein Signal zur Einziehung der Flanaueurs
gegeben. Der General Seydlitz kam bald darauf zur Suite, und jetzt
ging die Veurlaubung des Kaisers vom K�nige an, sie gesch�he voin
Pferde. Die beiden H�upter k��ten einander so z�rtlich, wie kaum
lange gekannte Particuliers von einander Abschied nehmen, sie ritten
um einander mehr als einmal und bekr�ftigten ihre Freundschafts-
Versicherungen mit dem z�rtlichsten H�ndedr�cken. Hierauf ritt der
Kaiser an den Prinz von Preu�en, k��te ihn mehr als einmal
z�rtlich, darauf zum Prinzen Heinrich, den k��te er ebenfalls und
complimentierte mit ihm recht lange; hierauf zum Markgrafen
von Ansbach, den k��te er aber nicht; hiern�'chst ritte er an den
General Seydlitz, machte ihm sehr sichtbar recht viele und verbind-
liche Complimente, und endlich sagte er zur ganzen Suite: ,.^6ieu.
5le55ieui-5", und eilte mit einer sehr tiefen Verbeugung vom K�nige
weg und geradeaus, wie man vermuthete, und wie sich's auch hernach
zeigte, zum Gbrist Anhalt, der mit seinem Corps nach vorw�rts stand,
ihin aber f�r feine Person schon entgegen kam. Kaum war der
Kaiser etwa 60 Schritt vom K�nigs weg, seine Generals aber noch
in der Suite des K�nigs mit ihrer Veurl�ubung besch�ftiget, wobei
der K�nig den Prinz von Sachsen -Teschen, den General tacy und
taudon k��te, so kam er auf einmal wieder zur�ck und fagte zu
seinen Generals spa�haft: �Halt, meine Herren, Ihr wolltwohl gar
von mir desertiren? es mu� Euch hier zu gut gefallen, darum wollt
Ihr mich allein lassen, es hilft aber nichts, seid Ihr mit mir her�
gekommen, so kommt nur wieder mit zur�ck."^ Von dieser Gelegen-
heit profitirte er nochmals, an den K�nig heranzurriten, ihm die
weil sich Infanterie und Cavallerie in einer linie rattgirte,
so hielt Kaiser und K�nig in der Mitte; indessen, wie �berhaupt der
Kaiser ein ganz vorz�gliches f�r die Kavallerie zeigte,
so waren seine Augen auch nicht nur immer nach der Cavallerie,
sondern sobald bei der Cavallerie nur was, eine Schwenkung oder
sonst was, vorkam, so eilte er vom K�nige weg Zu ihr hin und kam
hernach wieder zum K�nige. Der K�nig lie� also Infanterie und
Cavallerie nach geendigtem Man�ver den ersten Tag vor ihm vor-�
beimarschieren. Der Kaiser schien alles mit vieler Bewunderung anzu-
sehen und sprach unaufh�rlich mit dem K�nige, weil alles sie vorbei
war, wobei zu merken, da� dieKaiserlichen Herrn Generals sehr flei�ig
bei die Regimenter herum geritten und nach allem genau zu sehen
geschienen, absonderlich der General d'A^afsasa, ihr Exerziermeister
bei der Kavallerie, so n�hme der K�nig seinen Hut ab und machte
dem Kaiser ein sehr verbindliches Compliment, als h�tte er ihm jetzt
seine Sch�nheiten gezeigt; der Kaiser erwiderte solches mit einen� sehr
freundschaftlichen und �crehnmgsvollen Kompliment, wobei das alles
deutlich schien, was er oft zum K�iiige gesagt haben sollte, da� er
ihn als seinen Vater verehre. Kurz, Freundschaft, Freude und
Zufriedenheit war in ihren Augen zu sehen. Sie ritten beide hinein,
und der Kaiser brachte den K�nig diesesmal sowohl als sonst immer
bis an die Residenz und ritte von da erst in sein Quartier und ging
eine Stunde darauf zu Fu�e nach.
Nachmittags kamen beide H�upter in die 0i,sr�; der Kaiser,
der die Odli^ennce selber ist, gr��te alles ganz lebhaft, setzte sich
neben dein K�nige, und entretenirten sich beide durch ein fast unauf-
h�rliches Sprechen, schienen auch ihr Wohlgefallen dar�ber dadurch
zu marquieren, da� sie bei ihrem Herausgehen der ValletMeisterin und
ihmu ein sehr verbindliches Compliment machten, weil die Opsra
aus war, so gingen sie zu Fu�e bei Fackeln nach der Residenz, allwo
1% Meile nordwestlich vonNei�e.
� 8 vgl. den fast gleich-
lautenden Bericht RrickendeZ, a. a, G. 5. 25.'Kommandant von Nei�e. � So.
        
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