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Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

Full text: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

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kaum noch zu erwarten. Veabsichtigte Friedrich, nach Erl�schen des Mannesstammes die weibliche Sukzession einzu-
f�hren, so war �das Einverst�ndnis und die iNitwirkung" des kaiserlichen Hofes von einer Bedeutung, die der Kanzler
um so h�her zu veranschlagen geneigt war, als der Streit um die Anerkennung der pragmatischen Sanktion Kaifer
Karls VI. un6 der um sie gef�hrte Krieg noch in frischer Erinnerung lebten. Aus dieser vermeintlichen Zwangslage
des K�nigs plante er f�r Vesterreich �allen m�glichen vorteil" zu ziehen; er setzte sie schon im Januar \?6S und
dann immer wieder in Rechnung^ nach feinem eigenen Gest�ndnis wurde sie auch der �Antrieb", gegen Schlu� des
Jahres die Verhandlungen zu er�ffnen, die zu der Nei�er Zusammenkunft f�hrten. Doch kam die Erbfolgefrage
w�hrend dieser selbst nicht zur Sprache, da die Aspekten f�r Preu�en sich verhei�ungsvoll gestaltet hatten. Eben
damals befand sich die Gemahlin des Prinzen Ferdinand in gesegneten Umst�nden, und der Thronfolger hatte
wenige Wochen zuvor eine neue Ehe geschlossen, der nach Jahresfrist ein neuer Thronerbe, der sp�tere K�nig
Friedrich- Ivilhelm III,, entspro�.
Den zweiten und ausschlaggebenden Faktor f�r das Entgegenkommen Friedrichs sah Kaunt^ in dein Interesse,
das Preu�en daran habe, ein weiteres Anwachsen der russischen 2Nacht zu verhindern. 2Xlxt Freude, so meinte der
Kanzler schon zu Beginn (768, werde der K�nig alle Unternehmungen begr��en und f�rdern, die darauf abzielten,
Ru�lands Fortschritten Einhalt zu tun. 2 Und zu Ende des Jahres �u�erte er sogar, Friedrich werde jedes Mittel
ergreifen, um sich �aus der russischen Dopen6en5 und Gefahr" zu ziehen, 3 und gr�ndete darauf den utopistifchen plan
eines gemeinsamen Vorgehens von Preu�en, �sterreich und der T�rkei, der in der R�ckerwerbung Schlesiens
gipfelte. So sehen wir denn in jeder Venkschrift und jeder Verhandlung dieses Argument aufwuchs,,, da� die russische
2,Nachtsteigerung eine unendliche Gefahr f�r Preu�en bedeute und zwar, wie man nachzuweisen sich bem�hte, in noch
h�heren� Grade f�r Preu�en als f�r Veslerreich selbst, wir h�rten, wie Joseph diese Behauptung in die Formel
pr�gte: Der K�nig bilde die �Avantgarde" gegen Ru�land.
Jedoch auch dieser Ansatz in der Rechnung von Aaunitz war falsch. N?ohl leugnete Friedrich nicht die von
Ru�land f�r Europa drohende Gefahr und sprach auch den Gesterreichern gegen�ber inNei�e und Neustadt aus, da�
k�nftig einmal alle d�chte zusammenstehen m��ten, um diesem �rei�enden Strom" einen Damm zu fetzend Wohl
�u�erte er den Wunsch, da� die Russen sich nie in Polen eingemischt oder sich wenigstens mit der Einsetzung von
A�nig Stamslaus begn�gt h�tten. Aber er erkl�rte, er m�sse ebenso wie die Gesterr eicher, w�ren diese ihre Bundes-
genossen^ sie gew�hren lassen. So setzte er dem verlangen des Wiener Hofes nach einen: entschiedenen und feindseligen
Auftreten stets den Grund entgegen: Die Russen seien seine Verb�ndeten, er m�sse daher R�cksicht und Nachsicht �ben.
Nm seiner eigenen Interessen willen drang er in Petersburg auf baldigen Friedensschlu�, er predigte M��igkeit und,
als sie ihn, ihre ungeheuerlichen Friedensbedingungen mitteilten, erkl�rte er, von der Vermittlung zur�cktreten zu
m�ssen, wenn sie nicht die h�rtesten Forderungen fallen lie�en." Aber er strich aus dem �sterreichischen Entw�rfe zu
dem Hei�er Abkommen alles, was seiner Allianz mit Ru�land widersprach, und vor die U)ahl zwischen dem Peters-
burger und dem wiener Hofe gestellt, z�gerte er keinen Augenblick, sich f�r seinen Alliierten zu entscheiden.
wollte Friedrich unersch�tterlich an seinem B�ndnis festhalten, so suchten ihn die Vesterreicher zum Aampfs
gegen Ru�land zu gewinnen, dem sie allein sich nicht gewachsen f�hlten. Mit Preu�ens Hilfe wollten sie ihren
alten Einflu� in Polen zur�ckerobern, mit Preu�ens Hilfe die wachsende Macht Aatharinas eind�mmen und dem
russischen Adler, der in gewaltigen� Fluge emporstieg, die Schwingen beschneiden. Ru�land war in ihren Augen der
gemeinsame Feind, den Friedrich zu bek�mpfen das gleiche Interesse hatte wie sie, und so trachteten sie, den Vorteil
dieses Umstandes auszubeuten und den K�nig zum Werkzeug ihrer Politik zu machen. Denn es ist zu beachten,
1 vgl. Beer, Teilung Polens, Dokmnentenband, S. 2 und 26?f., Archiv, 5. i<\tf. uni) 462. bereits Reimann (�Friedrich
der Gro�e und Kauitt^ imI"h''e \76h", Historische Zeitschrift Vd. 42, S. 193 ff.) hat auf die Rollo hingewiesen, die dieser Faktor in
Kflinti�* Vcrechnimge� spielte. � * vgl. Z*eev, Teilung Polens, Pofuineutcnbatib, 5. 5.
�
a Vgl. Veer, Teilung Polens, Dokumenten-
band, S. 267.
�
4 vgl. p. C. 29, 46; 30, (Uf. � � vgl. p. (?. 28, 272, � � vgl. p. 
    
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