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Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

Full text: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

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Russen daran gingen, mit dem 2lbschlu� des Garanticvertragcs ihrer Vorherrschaft den Schli>�stcin einzuf�gen. Indessen
der unbedingte Widerspruch der Franzosen zwang den Staatskanzler, von den Verhandlungen mit England abzustehen,
und da fie selbst ihn auf Verlin verwiesen, fa�te er die Verst�ndigung mit K�nig Friedrich ins Auge, die um so
nat�rlicher erschien, als sie beide Polens Nachbarn waren.
Um Ru�land ein Gegengewicht zu geben, plante Haunib im Januar 1768 den Abschlu� eines Garantie-
vertragen mit Polen. An diesem Gedanken hat er die folgenden unersch�tterlich festgehalten, wenn auch die
Wege, die er einschlagen wollte, wechselten. Zun�chst sollte Preu�en ihm dazu verhelfen, indem K�nig Friedrich selbst
einen gleichen Vertrag mit Polen einging oder wenigstens Ru�land Zwang, von feinem Vorhaben abzustehen. Dann
war es bald die Friedensvermittelung zwischen Russen un& E�rken, die ihn� den weg bahnen mu�te, bald wollte er
unmittelbar in Polen eingreifen. Dabei machte er zur Vorbedingung, da� dem Garanlievertmg die Beilegung der
Unruhen und Me R�umung des Tandes durch Ru�land voranging, betonte er doch immer wieder die Notwendigkeit, die
alten Zust�nde wiederherzustellen; denn die russische Diktatur in Polen war f�r Gesterrcich unertr�glich.
Dazu kam, da� Polen den Herd der Unruhen bildete, an dem sich das Feuer des Krieges mit den T�rken
entz�ndet hatte. Dessen Ausbruch er�ffnete die Perspektive auf einen allgemeinen europ�ischen Krieg. wie bedeutsam,
da� schon auf Me verfr�hte Nachricht der t�rkischen Ariegserkl�rung im Sommer 5766 nach den� Wunsche von 2��aria=
?TIjerefta und Kannte die 2Nonarchenzusammenkunft stattfinden und das NeutralitatZabkommen mit K�nig Friedrich
geschlossen werden sollte. Al^ dann 511 Wintersanfang der Krieg unvermeidlich zu fein schien, ergingen die ersten
Vorschl�ge an den Verliner Hof.
Es war nicht anders: aus der bedrohlichen politischen Tage erwuchs der Wunsch nach Verst�ndigung mit den�
alten Gegner Preu�en, und wie Aaunitz es aubsprach^ der Gegensatz gegen Preu�en trat vor dem gegen Ru�land zur�ck.
Auf halbem Wege kam Friedrich den �sterreichern entgegen; denn von preu�ischer Seite ging die erste
Anregung zu dem Rei�er Abkommen aus. Der A�nig war es, der in Potsdam zu Nugent, wie in Nei�e zu
Aaiser Joseph als erster von der Neutralit�t sprach, der im Herbst die gemeinsame vermittelung im T�rken-
kriege und in Polen vorschlug.
2Nit hei�em Eifer bem�hten sich die Vesterreicher, den langeingewurzelten Argwohn aus Friedrichs Herzen
zu bannen und ihm vertrauen einzusto�en. In gl�nzender Perspektive zeigten ihm Joseph und Aaunitz die vorteile,
die aus ihrem Einvernehmen f�r beide M�chte erw�chsen, und sie verhie�en, man w�rde Schiedsrichter �ber Arieg
und Frieden in Europa werden. Joseph sprach sogar von Abr�stung.
Glaubte Friedrich, unmittelbar vor Nei�e, er d�rfe auf V�ndnisvorschl�ge sich gefa�t machen, so irrte er
v�llig. Alle Vertr�ge mit Preu�en, an die man in Wien dachte, erstreckten sich nur auf fest begrenzte Abmachungen.
Nach dein Plane des F�rsten Aaunitz vom Dezember sollte der unter t�rkischer Garantie abzuschlie�ende �Traktat"
nur die R�ckgabe Schlesiens an Vestcrreich besiegeln. Der �Freundschaftsvertrag", von dem er im Sommer
sprach, sollte nur das Neutralit�tsabkoniinen enthalten und wurde durch den Austausch der Vriefe in Nei�c ersetzt,
gleichwie auch an die Stelle der �Neutralit�tskonvention", die im Dezember 1??� ins Auge gefa�t wurde, das eigen-
h�ndige Schreiben an den Aaiser trat, das man im Februar von dem K�nig forderte. So war von einem
wirklichen V�ndnis nicht die Rede; im Gegenteil, die Vesterreichcr betonten, da� man an den bestehenden Allianzen,
auf denen das europ�ische Staatcnsystem beruhte, unverbr�chlich festhalten m�sse.
Beweggr�nde waren es, die Friedrich nach Annahme des F�rsten Aaunitz bestimmen sollten, sich auch
ohne die feste und sichere Grundlage eines V�ndnisses mit Vesterreich zu verst�ndigen.
Erstlich, so meinte er, sei der A�nig f�r die Regelung der Erbfolge in Preu�en auf den wiener Hof
angewiesen; denn au�er seinen Vr�dern, den Prinzen Heinrich und Ferdinand, und seinem Neffen, dem spateren A�nig
Friedrich U., war m�nnliche Nachkommenschaft in dem Hause Hohenzollern damals nicht vorhanden und
1 vgl. 23m*, Heilung polnis, Dotnmcitteitbait?�, 5. 262.
        
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