Path:
Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

Full text: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

95
Diese (Er�ffnungen trafen mit einem merkw�rdigen schritt zusammen, der von preu�ischer Seite geschah.
Graf jugent, der �sterreichische Gesandte in Berlin, meldete, der General von t)or6t habe ihn gefragt, ob man in
Wien an eine UHe6ereroberung Schlesiens denke, und auf seine verneinende Antwort habe jener an ihn die weitere
Frage gerichtet, ob es nicht im preu�ischen und �sterreichischen Interesse liege, in eine f�rmliche Allianz zu treten. Da
hordt auf den letzteren Vorschlag nochmals zur�ckkam, vermutete Nugent, da� jener, der viel in der Umgebung des
K�nigs sich befand, in dessen Auftrag gehandelt habe.^ Aaunitz glaubte, die obigen englischen und die hordt'schen
Er�ffnungen in Zusammenhang bringen zu m�ssen, um so mehr, da er wissen wollte, da� K�nig Friedrich mit dem
Hofe von Saint James durch Vermittelung des dort 511 Vesuch weilenden Erbprinzen Don Braunschwcig in Verhandlungen
stehe. Er schlo� femer, da� die Anfragen hordts auf Veranlassung von England erfolgt seien. Jedoch ist bemerkenswert,
da� er unter ausdr�cklichem Hinweis auf die sechsundzwanzigj�hrige Feindschaft fie als �Fallstrick" bezeichnete, den
K�nig Friedrich damit den Vesterreichern lege, um sie hernach bei England oder Frankreich zu verd�chtigen. Vbwohl
ihm zweifelhaft blieb, worauf der �noch verborgene englische und preu�ische Endzweck" ging, beauftragte er Nugent,
in Berlin die Aufrichtigkeit der Absichten der Wiener Regierung zu betonen und zu erkl�ren, da� man Frieden und
gutes Einvernehmen mit Preu�en w�nsche. Au�erdem aber sollte Nugent den dortigen englischen Gesandten Mitchell
�ber die zwar friedliche, aber doch vorsichtige Haltung des Wiener Hofes aufkl�ren, nachdr�cklich vor einem
Aontmentalkrieg warnen und ihm er�ffnen, da� Gestcrreich �bei einem entstehenden Seekrieg eine vollkommene
Neutralit�t beobachten" werdet
Man sieht: Aaumtz ist bestrebt, die Gefahr, die er bei einem Rrieg der Westm�chte aus der preu�isch-
englischen Verbindung f�r die Erhaltung der Ruhe auf dem Festland entspringen sieht, sofort zu beseitigen. So la�t
er sich denn auch auf direkte Verhandlungen mit England ein, und da er mit R�cksicht auf Frankreich die Form eines
Vertrages vermeiden will,war er bereit, mit einer schriftlichen Erkl�rung oder einem feierlichen m�ndlichen Versprechen
die Neutralit�t Deutschlands zu garantieren. Indessen kam es zu keinerlei Abmachungen, da die Franzosen in diesem
Schritte des Staatskanzlers bereits eine Abkehr von der Versailler Allianz erblickten. Und so entschlo� man sich im
September wenngleich ungern, in Wien zum Abbruch der Verhandlungen mit England."
Handelte auch Aaunitz in seiner friedenserhaltenden Politik ganz folgerichtig, wenn er mit den Engl�ndern
sich einlie�, um dem Aontinentalkrieg vorzubeugen, so war er andererseits, wie erw�hnt, in merkw�rdigen Irrt�mern
�ber den Charakter der preu�isch-englischen Beziehungen befangen.
Nach dem einseitigen Friedensschlu� der Engl�nder war es A�nig Friedrich, der fort und fort erkl�rte, kein
B�ndnis mit ihnen wieder eingehen zu wollen, der, als die Frage der Bildung der gro�en kiga des Nordens, die
dem �sterreichisch-franz�sischen Zweibund das Gleichgewicht halten sollte, auftauchte, sich den dringenden w�nschen
Ru�lands entgegenstellte und ebenso, als jetzt in: September England in Berlin die Bildung einer Tripelallianz
mit dem Petersburger Hofe anregte, sich unbedingt dagegen aussprach; denn erst jetzt, und nicht schon im Fr�hjahr
wie Raum'tz vermutete, fanden Allianzverhandlungen zwischen Preu�en und England statt.
Ebensowenig aber auch � und das war ein zweiter Irrtum des Staatskanzlers � hatte A�nig Friedrich
das geringste mit den ganz avokryphischen Hordt'schen Er�ffnungen zu schaffen. Aus seiner isolierten kage, in die er
nach dem Bruch mit England geraten war, hatte er sich durch den Defcnswvertrag mit Ru�land vom April
befreit. Und gleichwie die versailler Allianz die Grundlage der �sterreichischen, so bildete fortan das russische B�ndnis
die Grundlage der preu�ischen Politik. Dieses bot ihm den doppelten vorteil, wie Friedrich es im Fr�hjahr
kurz zusammenfa�t/ da� Ru�land, mit ihm verb�ndet, sich nicht gegen ihn erkl�rte, und zweitens, da�, solange
als das B�ndnis bestand, alle Welt ihn ungeschoren lie� und, f�gte er bedeutungsvoll hinzu, �ich bewahre den
Frieden". Freilich standen diesen gro�en Vorteilen auch bedenkliche Nachteile gegen�ber. Der Preis f�r das B�ndnis
'
Verichl ITugcnts, 6. Februar 1756 (Veer, Archiv, 5. 390; von Arneth VIII,(o^ tin� 555 Anm. 162). � 2 Rcfkrivte an Nugent
vom e. M�rz (von Arneth VIII, |05) und 22. April 
    
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.