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Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

Full text: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

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Da war es mm von b�chster Bedeutung, da� in der Hacfjt auf den 4. ein Kourter aus Konftantinopel das
bereits non �Onigut angek�ndigte formelle Vermittelungsgcsuch der pforte an beide l^�fe �berbrachte. Damit wurden
die Verhandlungen in ?uufta&t auf eine fefte (�run5Iag� seftclli,
Ain nad^niitfag dcs 4. fand auf (Einlabung d.'5 K�nigs die il�itovrcMma mit 6cm 'Kan^lor ifjrc jortfe^ung.
I^och nicht sofort kam das t�rkische 2(ngebot sur (Er�rterung. Aaunitz ergriff 6as �Port sut prinzipiellen 2tu^otnan6or
fot>uiu;. patbotifdi crf?artc or, das; er feinem feiner ??org�n$er noch einem &er jcitgcn�ffifdieii r-taatsnianuor gleiche, inbem
et auf den Portai verzichte, aiijub�rcn, was man ihn: fa^e, un6 dana�' feine Antwort einsuric^ten. 2lK-r er f�hlo,
da� Jriebridj nicht offenlyersig sprechen k�nne, bepor er nicht wisse, wie man �sterrei^ischerseits die allgemeine ?ago
betrachte und welche �iele man verfolge. (Er bat, Um nicht 511 unterbrechen, und begann, seinem Programm gem�jj,
mit einet ausf�hrlichen Darlegung des �sterreichischen
Systems, das darin gipfelte: man wolle nach wie vor den
Frieden bewahren, mit preu�en in Freundschaft leben,
Ru�land ihm nidit abspenstig machen. ?r bezeichnete
bas bestehende allgemeine europaische ryffem als bas
denkbar beste f�r bas Allgemeinwohl, wie f�r bas
Eigeninteresse des Wiener und Berliner ?jofes ; daher
solle (I)esterreich mit Frankreich und Preu�en mil Hug
land verbunden bleiben, b�rden aber Geslerreich und
Preu�en, fuhr, er fort, unbeschadet der !>rpfli�'tnngen
gegen Unv Alliierten, ein gutes Einverst�ndnis pflegen,
so w�rbe, au�er allen vorteilen, die sie ftd) gegenseitig
zuwenden k�nnten, nicht nur ihr politisier (Einflu� in
�Europa steigen, fondern fie auch Schiedsrichter �ber
Krieg und Frieden werden. AufFriedricbs Aufforderung
las er den �politischen '^ateiismus" ' vor, in welkem
er zehn (Brunbregetn ausgestellt hatte, die als Kiditfdiiuir
f�r das k�nftige Verhalten beider fl�chte dienen sollten.
Had)6om
'liaiuiitz seinen gr�ndlichen und methodisch
gegliederten Dortrag beendet hatte, erhob fich der "K�nig,
umarmte ihn und erkl�rte sich in schmeichelhaftester
.'iiiill l?iuuip. Kwpff?flidj pou 5d?�iin.^' 1'
Form mit seinen Ausf�hrungen einverstanden. Er f�gte hinzn. sebon l�ngst habe er die gleiten Ansichten gehabt,
nur die (Gelegenheit, sie darzulegen, babe ihm gefehlt.
Erst jel�t wandte sich das Gespr�ch den gro�en .?>eitfragen zu. Der K�nig begann: �Dieser verdammte
T�rfenkrieg beunruhigt mick." Er wies darauf hin, da� beide in die geraten k�nnten, ihre bisherige
aufgeben zn m�ssen, Gesterreich, sobald die Bussen die Donau �berschritten, und Preu�en, sobald der
lOiener l)of diese in f)olen angriffe. �F�hren wir darum so schnell als m�glich den Frieden herbei", schlo� er und
bat, ihm den Inhalt der in der Nacbt aus Aonstantinopel eingetroffenen Depes�'en mitzuteilen, zu deren Entzifferung
er den Schl�ssel nicht zur l)and hatte. Aaunitz unterrichtete ihn von dem Dermiltelungsangebol der T�rken und
bezeichnete als notwendig, da� nunmehr auch Ru�land der IVrmitlelung zustimme und Preu�en nnd (>)e sterreich um
deren Ilebernahme angehe. Die und zwar unter m��igen Bedingungen zu erlangen, sei Aufgabe des
K�nigs. Schon jetzt deutete er an, da� er in jedem Versuche Katharinas II., der Vermittelung auszuweichen, die
Absicht erblicken werde, die Dinge aufs �u�erste zu treiben, und da� Gesterreich alsdann !1Na�nahmen ergreifen miifse,
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vlfujieM'mft: Beer, Zlrrfjfp, S. 52*>f. mib p. (?. ><>, (06.
        
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