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Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

Full text: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

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den scherzhaften Worten: �)ch bin nicht rein genug f�r Sie, meine Herren; ich bin nicht wert, Ihre Farben zu
tragen." Doch machte die Miene, mit der er dieses sagte, auf den �sterreicher den Gindruck, �als w�rde er sie noch
mit puber beschmutzen, wenn eine Gelegenheit fief? f�nde". Ein anderer gewichtiger Zeuge dagegen, F�rst Kauuitz,
meinte, der K�nig fei mit g�nstigeren Empfindungen abgereist, als die waren, mit denen er kam. �Ich habe Grund
zu glauben," so berichtete er, das Ergebnis der Zusammenkunft res�mierend, an Maria-Theresia, �da� er k�nftighin
uns trauen wird, soweit es ihm m�glich ist, jemand zu trauen, und da� auch wir ihm mehr trauen d�rfen, als das
bisher vern�nftig gewesen w�re." Das Verdienst daran, glaubte er, sich selbst zuschreiben zu d�rfen.
wir kommen damit zu den Verhandlungen zwischen dein K�nig und dem Staatskanzler, in denen der
Schwerpunkt der Neust�dter Entrevue liegt.
Sorgf�ltig hatte sich Kaunitz darauf vorbereitet und schriftlich ausgearbeitet, was er zur Sprache bringen
wolltet Die leitenden Gesichtspunkte der �sterreichischen Politik, die er bereits in den Instruktionen f�r den Kaiser
wie f�r den Gesandten in Berlin aufgestellt hatte, bas politische System �Vesterreichs und Europas beabsichtigte er in
umfassender Weise und in zusammenh�ngendem Vortrage dem K�nig zu entwickeln. Er wollte auf die Porteile
hinweisen, die aus einem Einverst�ndnis (Defterreicr/s und Preu�ens in den gro�en Fragen der Politik f�r beide Ceile
sich erg�ben, und die Gefahr, die Ru�lands wachsende Uebermacht f�r die �brigen Staaten bedeute, ihm eindringlich
vor Augen f�hren. Schon in seiner Denkschrift vom Januar ;?68 hatte er den Satz an die Spitze gestellt, da� das
�europ�ische Gleichgewicht" durch die Befestigung der Herrschaft Ru�lands in polen bedroht werde. Der Siegeslauf
der Russen in dem Kriege gegen die T�rken lie� ihn die �St�rung des Gleichgewichts im �rient", wie er fortan Me
orientalische Frage umschrieb, bef�rchten. Damit sah er den Augenblick kommen, da� Gcsterreich um seiner eigenen
Interessen willen in den Kampf eingreifen muffe, Kaunitz beschlo�, auch dieses dem K�nig nicht zu verhehlen.
Von einer Vermittlung Preu�ens und Vcfterreichs war in seinem Programm nicht mehr die Rede. Er
hatte den Gedanken daran aufgegeben, nachdem sein Plan der bewaffneten Mediation gescheitert war. Gleichwie er
T'hugut befohlen hatte, keine Schritte weiter in Konstantinopel zu tun, so wollte er auch in Neustadt, auf das Beispiel
des Hubertusburger Friedens verweisend, dazu raten, da� die beiden kriegf�hrenden M�chte ohne Dazwischenkunft eines
Dritten Frieden schl�ssen. Selbst als wenige Tage sp�ter die vorl�ufige Meldung von Thugut eintraf, da� die Pforte
formell um die preu�isch Vermittelung bitten werde, beschlo� er, deren Uebernahme ganz von der Haltung
K�nigs Friedrichs abh�ngig zu machend
Noch weniger war nach Ru�lands Erkl�rung, fremde Einmischung nicht zu dulden, an eine Vermittelung
in Polen zu denken, w�rde ihn der A�nig fragen, so wollte Kaunitz als einzig m�glichen weg zur Wiederherstellung
der Ruhe die unmittelbare Verst�ndigung zwischen R�misch -Katholischen und Dissidenten bezeichnen. Sei ein Ausgleich
erzielt, sollte zu diesem sofort die Zustimmung der Kaiserin Katharina, eventuell auch ihre Garantie verlangt werden.
Gleichzeitig rechnete er damit, da� nach ein oder zwei Jahren auf Wunsch der Polen ebenfalls Preu�en und �Vesterreich
die Garantie �bernahmen.
Als sich Friedrich am Cage feiner Ankunft in Neustadt nach aufgehobener Tafel mit Kaunitz in eine
Fensternische zur�ckzog, brachte er sofort den Turkenkrieg und die Notwendigkeit eines baldigen Friedensschlusses zur
Sprache, wies er auf die bedr�ngte Tage der T�rken, so antwortete der Staats kanzler, sie w�rden l�nger als ihre
Gegner den Krieg aushalten k�nnen. Kaunitz fuhr fort, es liege daher im Interesse der Russen, so m��ige Friedens-
bedingungen zu stellen, da� die Pforte zustimmen k�nne. Endlich erkl�rte er, man werde gern zu einem schnellen
Friedensschlu� beitragen; da aber ohne preu�ische Mitwirkung jede Bem�hung vergeblich sei, komme es darauf an,
wieweit der K�nig sich beteiligen wolle. Damit schlo� die erste Unterredung. Kaunitz war so weit gegangen, wie er sich
vorgenommen hatte. Die Entscheidung lag in Friedrichs Hand.
1 F�r birfe Niederschrift poiii I�. August (770 vgl. Veer, TeilungPolens, Vd. I, 5. 5^?ff. -- 3 ThugutZ Script vom �.August
(ffer, Ceilmig Polens, Vd.I, S. .H?.f.; von 2trtietti VIII, 208) und die Berichte von Kauniij vom 30. August ;??0 an Maria-Theresia
und Joseph II.: Veer, Archiv, Z. 4q5 � qi?.
        
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