Path:
Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

Full text: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

105
dieser zwar 511, fuhr aber fort: �Eine Monarchie geht nicht sobald zugrunde, und Me meinige ist gut montiert;
wenn sie auch wollen, k�nnen fie fie fast nicht zugrunde richten." Dann kam Friedrich wiederum auf Ru�land
zur�ck und deutete auf die Gefahren, die von der russischen 21?act?t und Katharinas Ehrgeiz zu bef�rchten seien. Je
besorgter der K�nig sich �u�erte, desto ruhiger zeigte sich Joseph: Preu�en sei �die Avantgarde", hielt er ihm entgegen,
gem�� der Instruktion von Aaunitz, darauf hinzuweisen, da� erst die Machbaren, preugett und die T�rkei, von den
Russen so weit gebracht werden m��ten, das Anwachsen der niosfomttifcbcn Macht ruhig zu dulden, bevor f�r
Gesterreich eine unmittelbare Gefahr entstehe. Und als Joseph, gleichfalls nach seiner Instruktion, die gleichg�ltige
Haltung des wiener Hofes gegen�ber den Vorg�ngen in polen damit begr�ndete, da� die Vegrenzung des russischen
Einftusses in Preu�ens Interesse liege, da war es wiederum Friedrich, der erkl�rte: �Hein, glauben Sie mir, halten
Sie das f�r keine Bagatelle; ich schw�re Ihnen, man wird es bereuen."
Vas Gespr�ch f�hrte, noch am 25. August, zu der Er�rterung der Frage, wie man die wirren in Aolen
beilegen k�nne. Als das beste Mittel bezeichnete Joseph eine befriedigende Erkl�rung, welche die Russen �ber den
letzten Reichstag, im besonderen �ber Garantie und Dissidenten abzugeben h�tten, und ferner die Vil�ung einer
Generalkons�deralion mit A�nig Slanislaus an der Spitze; diese sollte die R�umung von allen fremden Truppen
verlangen. Sei damit der Aula� beseitigt, so meinte er, nunmehr zu dem T�rkenkriege �bergehend, werde dieser auch
selbst aufh�ren. Friedrich entgegnete, er k�nne dein Kaiser nicht beipftichlen; f�r die Vinge in f)olen glaubte er, auf
einige Nachgiebigkeit der Russen, zumal in der Dissidentenfrage, rechnen zu d�rfen. Aber der Friede, so war seine
Ansicht, werde nur zustande kommen, wenn die Pforte Gesterreich und sireu�en um Neberiiahme der Vermittelung
anZehen werde. Als Joseph darauf die Forderung aufstellte, da� alsdann auch die Russen um die Vermittelung bitten
m��ten, erwiderte der A�nig, dazu w�rden sich diese nimmermehr verstehen.
In diesem Meinungsaustausch �ber die gro�en brennenden Fragen der Zeit liegt der Schwerpunkt der
Besprechungen w�hrend dieser Zusammenkunft; wenigstens ist darin schon die Richtung angedeutet, in der die k�nftigen
Verhandlungen sich bewegen sollten.
Ven eigentlichen Anla� und das Ergebnis bildete das Aeutralit�wabkommcn. Am 26. August �bergab
Joseph dem A�nig den Entwurf des Schreibens, den Raunitz aufgesetzt hatte, und der dahin lautete: man verspreche
einander, im Falle eines englisch-franz�sischen Arieges den Frieden zwischen Preu�en und Gesterreich aufrecht zu
erhalten und in allen �brigen europ�ischen Ariegen die genaueste Neutralit�t zu beobachten. An dem Versprechen
dieser �Neutralit�t" stie� sich Friedrich, da er durch die Allianz mit Ru�land gebunden und bei Gintritt bestimmter
Ereignisse in Schweden und polm zur Unterst�tzung seines Alliierten verpflichtet war. Daher beschr�nkte er diese
�Neutralit�t" auf die �beiderseitigen Besitzungen".^ In dieser Form erfolgte denn auch die Ausfertigung der
Schreiben;^ denn der Aaiser ging auf die Ver�nderung ein, einmal um damit zu bezeugen, da� er �ber die pren�isch-
russische Verbindung unbesorgt sei, zweitens, weil die Neutralitat f�r den Fall des englisch franz�sischen Krieges, an
der den Vesterreichern soviel lag, ausbedungen und, endlich, weil darin eine Art Garantie der beiderseitigen Besitzungen
enthalten war.3 Er hatte recht, wenn er diese Versprechungen nur eine �Best�tigung" des Hubertusburger Friedens
nanntet Noch pr�ziser dr�ckte sich A�nig Friedrich aus, der das Abkommen als �Erneuerung des Dresdener Friedens"
bezeichnete;^ denn wie 5?H5 der allgemeine Aampf zwischen Gesterreich, Frankreich, Spanien, England und Holland
fortdauerte und nur Preu�en und Gesterreich einen Separatfrieden schl�ssen, so ging auch jetzt der allgemeine Arieg
zwischen Ru�land und der Pforte weiter, und Friedrich und Joseph tauschten lediglich das Versprechen aus, sich
gegenseitig nicht anzugreifen.
1 vgl. p. 
    
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.