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Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

Full text: Friedrich der Große und Joseph II. in Neiße-Neustadt

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Herzog Albertg �u�erten, vermutete der "K�nig seinerseits, sie h�tten sich schon die H�nde gebunden. Da sie ferner
auch den Neutralit�tsvertrag f�r Deutschland nicht weiter erw�hnten, beschr�nkte er sich lediglich auf Me Erkl�rung,
da� er dag Anerbieten, die pers�nliche Bekanntschaft des Kaifers zu machen, annehme. Gleichzeitig lie� er jedoch durch
Finckenstein dem Grafen Nugent bedeuten, da� die Hauptfrage, die Kandidatur Herzog Alberts, unbeantwortet geblieben fei.1
Nach mancherlei Zweifeln, ob die Zusammenkunft zustande kommen werde oder nicht, erhielt Friedrich endlich
im 2Narz l.769 die feste Zusage des Raisers.2 Vlieb auch noch die Festsetzung von Grt und Zeit weiterer Abrede
vorbehalten, so �u�erte Joseph schon jetzt den Wunsch, �ein vollkommenes Incognito zu beobachten" und �ohne allem
Zeremoniell" empfangen zu werdend
Ucber die voraussichtliche Vedeutung der Vegegnung schrieb der A�nig seinem Vruder, dem Prinzen Heinrich,
da� man politische Ergebnisse nicht erwarten d�rfe: Joseph stehe unter der Vormundschaft seiner TNutter und unter
der Zuchtrute von Raunitz; so werde man sich gegenseitig Komplimente machen und auseinandergehen, ohne sich viel-
leicht irgend etwas wesentliches gesagt zu habend Und als der �taatskanzler von dem Wunsche seines Herrn sprach,
ein preu�isches Aavallrrieregimcnt, im besonderen die Seydlitz-Il�rassiere zu sehen, nieinte Friedrich, der Kaiser wolle
vor allem das preu�ische Milit�r kennen lernen/' Vann wieder beschlich ihn der Argwohn, es handle sich nur um
eine �freundschaftliche Demonstration" der Vesterreicher, die ihn in Sicherheit wiegen wollten/'
Da erhielt auf einmal die bevorstehende Zusammenkunft in den Augen des K�nigs eine neue, erh�hte
Vedeutung, und zwar im Zusammenhang mit den Verhandlungen, die er �ber die Verl�ngerung der Allianz mit
Ru�land seit Ende des Jahres f�hrte, buchte er f�r die Subsidien, die er den Russen w�hrend der Dauer des
T�rkenkrieges vertragsm��ig zu zahlen hatte, sich eine Entsch�digung auszubedingen , so steigerten diese nun auch
ihrerseits ihre Forderungen.' Daraufhin erkl�rte der A�nig dem Grafen Finckenstcin, man m�sse die Verhandlungen
init dem Petersburger Hofe hinziehen; denn, fuhr er fort, �ich bin neugierig, zu erfahren, was niir der Kaiser sagen
wird. Unser Vertrag mit Ru�land dauert noch 2'/? Jahre. Sollten wir jetzt sehr vorteilhafte Anerbietungen von
dem Kaiser erhalten, so m��te man sie alsdann zur�ckweisen, wenn wir die Torheit begangen h�tten, zu schnell uns
die H�nde zu binden, wahrend, wenn der Kaiser nichts Interessantes sagt, es immer noch Zeit fein wird, unseren
Vertrag mit den Russen zum Abschlu� zu bringen."
Aber auch Aaunitz r�stete f�r die Zusammenkunft. In einer langen Denkschrift, die nicht weniger als
25 Paragraphen z�hlt, entwarf er eine Instruktion f�r den Kaiser, um ihn auf alle Themata, die in Frage kommen
konnten, vorzubereitend Danach fa�te Joseph seine Aufgabe kurz dahin zusammen: dem K�nig so viel Vertrauen als m�glich
einzusto�en und jeden Argwohn zu benehmen, als wolle man sich auf seine Kosten vergr��ern; sodann aber ihn zu �ber-
zeugen, da� man nur nach Frieden verlange und da� man seine Verbindung mit Ru�land vollkommen gleichg�ltig betrachte.^
Der f�r die Zusammenkunft in Nei�e verabredete Termin, der 2o. August, war herangekommen." K�nig
1 Kettet Finckenstems nom ;Ceschen(von Arneth VIII, ?< 566|f. Anm. 259. 26(. 263. 265), zwei Berichte der Generale d'Ayassasa und tacy (ebenda, 5. 568f. und Beer,
Archiv, S. 4;66fO; auf preu�ischer Seite: die Darstellung K�nig Friedrichs in den ?uvres, Vd. VI, S. 25 f.;vgl. ferner das Sachregisterp. (?. 29, 57of. F�r die �u�eren Vorg�nge kommen in Vetracht zwei Schreiben des Major? lefebnre an den Akademiker Forme? vom
26, August und 2. September (Fqnney, souvenirs d'un citoyen, Vd. il,5, der Vericht des Feldpredigeis im Regiment Seydlitz
Klickende (herausgegeben von Krause, Programm des Altstadt. Gymnasiums, K�nigsberg (902) und der im �Anhang" mitgeteilte anonyme
Vericht eines Offiziers aus dem Gefolge bes K�nigs. Auf Veranlassung Friedrichs (r>gl. p. C. 29� 5H) wurde ein �Journal" �ber den
�u�eren Verlauf der Zusammenkunft in den Zeitungen ver�ffentlicht.
        
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