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Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

Full text: Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

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In sinniger Weise hat der Hofprediger Emil Fromme! im Jahre *88 9 der an ihn herantretenden
Aufforderung Gen�ge getan, dem Publikum etwas von b�ni kleinen Aronprinzen 511 erz�hlen, indem er aus
wohlbedachten Gr�nden seine Darstellung in die Form eines M�rchens kleidete, das als reizendes Stimmungs-
bild hier wiedergegeben fei.
5iebe Rinder! Seit undenklich langer Zeit kommt alle Jahre ein sch�ner J�ngling in die Welt und auch ins
liebe deutsche ?anb, auf das er sich besonders freut, wenn er da hineinreisen kann. Er kommt nicht geritten, nicht
gefahren, auch nicht per Eisenbahn, aber hui, da ist er. Manchmal h�rt man auch eine gro�e herrliche Musik, ehe
er kommt, ein Saufen und Brausen in der Tust � im Walde rauscht's in den Zweigen und mit kleinen Glocken
l�utet's silberhell. Zuweilen kommt er in einem leichten Sommerr�ckchcn, aus duftigen Vlumen gewoben, aber zuweilen
auch hat er noch einen recht dicken Mantel dar�ber an und kann sich nicht entschlie�en ihn abzulegen, weil er Frost
und Reif f�rchtet. Aber wo er hinkommt, da freuen sich die Menschen, und die St�rche klappern mit ihren schn�beln,
und die Ainder fassen sich an und beginnen den Heigen und hei�en ihn sch�n willkommen, wi�t ihr, wer das
ist? Wenn ihr ihn fragt, so zieht er die Visitenkarte heraus, tote ein gebildeter Mensch das so tut, und darauf steht
geschrieben, ich bin �der wundersch�ne Monat Mai". Hun kennt ihr ihn, ihr singt ja nicht umsonst �Komm, lieber
Mai, und mache die S�ume wieder gr�n" und �Alles neu �nacht der Mai, macht die Seele frisch und frei". Der
lange Winter ist nun vorbei, der M�rzcnschnee tat Blumen und Menschen weh, und auch der April ist nicht erfreulich.
Er ist wie ein ungezogenes Vliblem, das morgens um 9 Uhr lacht und um JO Uhr trutzt und um \\ Uhr heult
und um 52 Uhr wieder lacht; dem ist also nicht zu trauen. Und bei feinem Sonnenschein friert es einen gerade so,
wie bei Menschen, die freundlich sein wollen und doch keine Liebe haben. Aber der Monat Mai, den hat weiland
Aaiser �
    
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