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Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

Full text: Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

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Illusion zu st�ren, doch eine bequeme Herstellung der hier einzunehmenden Mahlzeiten oder Erfrischungen erm�glichte.
Einige hundert schritte in das Geh�lz hinein wurde daher unter B�umen versteckt eine rohrgedeckte H�tte aufgef�hrt,
die bei den Bewohnern des Neuen Gartens wegen eines leider seit einigen Jahren verschwundenen aus Eisenblech
getriebenen Uhus, der auf ihr sa�, den Namen �Eulenhaus" f�hrt.
weiter nach Norden bildet den Endpunkt des Neuen Gartens die Meierei, wo den sentimentalen Neigungen
der Zeit entsprechend, die Mitglieder der Hofgesellschaft sich an l�ndlichen Besch�ftigungen und an dem Anblick der
dort gehaltenen A�he erfreuen konnten. Eine aus der Zeit der Erbauung stammende Zeichnung (Seite 7^ Nr. zeigt
die damalige Gestalt des reizvollen, von tanghans �in gothischem Geschmack" entworfenen kleinen Geb�udes, das unter
Friedrich-Wilhelm IV. durch Aufbau eines zweiten Stockwerkes einen ganz anderen Charakter gewonnen hat. Hinter
ihm ist dann sp�ter die Wasscrpumpanstalt f�r die Bew�sserung des Neuen Gartens erbaut worden.
Wenden wir uns den weg am Iungfcrnsee �ber die Grotte hinaus wieder zur�ck, so gelangen wir schlie�lich
zu der auf einer Halbinsel,
�
auf alten Karten das Sakrowsche H�rn benannt, � belcgcnen Einsiedelei, einem der reiz-
vollsten kleinen Geb�ude des Neuen Gartens. Zwar das Aeu�ere ist ein sehr einfaches, aber in den zierlichsten Formen
der Zeit scheinbar aus rohen St�mmen und Baumrinde erbautes, viereckiges H�uschen mit einem rund abfallenden
Rohrdach, und in Ermangelung jeglicher Fenster sieht dieses Geb�ude sehr wenig einladend aus, so da� man am
ersten einen Ger�teschuppen oder etwas Aehnliches darin vermuten m�chte. Um so �berraschender wirkt daher beim
Eintritt das durch eine Gberlichtlaterne beleuchtete Innere. Die W�nde des ovalen Raumes sind mit Birnbaumholz
und die vier Nischen mit schwarzgefarbtem pappelholz furniert. In den F�llungen und �ber den T�ren sind
Zusammenstellungen von sehr fein in Aaftanienholz geschnitzten mathematischen Instruinenten angebracht, und w�hrend
die von Frisch gemalte Auppeldecke den Planeten kreis versinnbildlicht, Zeigt uns der aus schwarzen und wei�en
Marmortafeln gebildete Fu�boden in der Mitte in feinster Mosaikausf�hrung die von Aambly angefertigten beiden
Areise der Erdkarte. In den Nischen stehen auf sch�nen Zockeln vier Figuren der von Friedrich dem Gro�en mit
der Sammlung polignak erworbenen sogenannten Tykomedes-Gruvve in Gipsabg�ssen, die durch die neuere Wissen-
schaften allerdings l�ngst eine andere Deutung erfahren und dementsprechend unter Entfernung der Restaurierungen des
8. Jahrhunderts auch eine ganz andere Gestalt erhalten haben. Auf den beiden kangseiten sind zwei gro�e mit
blauer Seide �berzogene bequeme Sofas aufgestellt. Das Ganze macht, wenn man aus der Stille des Parkes mit seinen
weiten Blicken �ber den leuchtenden See und der Frische seiner Natur in diesen abgeschlossenen k�nstlerisch durchgef�hrten
Raum tritt, einen eigenartigen weltverlorenen Eindruck, dessen traumhafte Stimmung man gerne l�nger auf sich wirken
l��t, um dar�ber zu gr�beln, was der k�nigliche Erbauer oder der A�nstler mit dieser reizvollen k�nstlerischen Versinn-
bildlichung des Weltalls hat zum Ausdruck bringen wollen.
Auf der den Heiligen See von dem Iungfernsee trennenden tandzunge befand sich der bis zum
gro�en Teil aus Holz erbaute Maurische Tempel, der aber wegen Vauf�lligkeit abgebrochen wurde. Dieses ist der
einzige nennenswerte Verlust, den der Garten im kaufe eines Jahrhunderts erlitten hat, jedenfalls ein gutes Zeichen
f�r die Vortrefflichkeit der Bauausf�hrungen jener Tage. Eine Abbildung aus der Zeit der Erbauung mit Durchschnitt
und Grundri� (vgl. Seite 75) gibt uns die M�glichkeit, die Erscheinung des Tempels klar zu machen. Der runde
Erdgescho�raum war mit einer von acht S�ulenpaaren getragenen Vorhalle umgeben, aus der eine Treppe in ein
Zwischengescho� f�hrte, von den: aus man auf einer Wendeltreppe das obere als Belv�d?re ausgebildete und mit
einem durch ein Eisengilter gesch�tzten offenen Rundgang umgebene oberste Stockwerk erreichte. Dieser Raum war
boisiert und mit farbigen Blumen auf gelben, Grunde bemalt. Als weithin sichtbare Spitze diente dem Geb�ude eine
riesige inEichenholz geschnitzte vergoldete Ananas. Der Platz war jedenfalls wegen der offenen, sich nach allen Seiten
frei erstreckenden Aussicht sehr geschickt gew�hlt. Unter Friedrich-Wilhelm IV. wurden, nach den erhaltenen Pl�nen zu
schlie�en, einige Versuche gemacht, diesen Tempel durch Umbauten zu erhalten und ;u �versch�nen". Nach diesen
        
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