Path:
Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

Full text: Das Marmorpalais im Neuen Garten zu Potsdam

70
Vestalin in kauchhammer kunstvoll in (Eifert gegossen wurden und mit ihren gro�en runden entsprechend reich
dekorierten Sockeln als (Defen diente?�.
Von Friedrich-Wilhelm II. wurde der Saal vielfach zu gro�en Aonzerten benutzt, da die Verbindung mit den
beiden im Sommer leer stehenden Scitens�len es erm�glichte, eine gr��ere Anzahl von Personen einzuladen. Auch andere
Auff�hrungen scheinen hier stattgefunden zu haben, im April 4?H6 z. V. ein Vall, f�r den die S�ngerin Amalie Schulz beim
R�mmerer Ritz anfragt, wie sie sich anzuziehen habe, um bei dieser Gelegenheit als Nymphe des Heiligen Sees zu erscheinen.
In welchem Jahre genau der vor dem Marmorpalais stehende, vou tanghans entworfene Gbelwk erbaut
wurde, konnte ich nicht feststellen, die Entstehung der als Eiskeller dienenden Pyramide aber fallt in die Jahrs
und Dieser Gru� aus dem hei�en W�stensand, der an im Sommer versteckter Stelle im Neuen Garten
liegend, nur im Winter nach dem Fall des kaubes allgemein sichtbar wird, gew�hrt ein eigenartiges Bild, und wenn
man sich noch dazu klar macht, da� diese Kopie eines Oharaoneugrabmals als Eiskeller dienen mu�, so wird die
ganze Idee geradezu bizarr und zeigt, in wie �u�erlicher weise man sich in jener Zeit die Vorbilder des Altertums
zunutze machte, um sich ein gelehrtes M�ntelchen umzuh�ngen. Sieht man aber von diesen, innern Widerspruch ab,
so m�chte man das Bild des Pyramiden -Eiskellers im Neuen Garten doch nicht missen, er geh�rt nun einmal zu den
besonderen Eigent�mlichkeiten des starkes, der seinem Standorte den besonderen Charakter des Fremdartigen gew�hrt.
Ganz in seiner Nahe unter den bis zur Erde reichenden Zweigen einer prachtvollen Tanne hat auch noch der letzte
Neberrcst einer �gyptischen Anlage im Neuen Garten, eine sogenannte Aanope, ein G�tterbild in Form eines riesigen
steinernen Aruges mit einem Menschenkopf darauf, ihren Alatz gefunden. Ein ganzer Areis solcher Aanopen, in deren
Mitte eine Statue der Isis oder Eybele stand, war fr�her in der N�he der Eremitage aufgestellt gewesen.
In dem Geh�lze, das am Ufer des Jungfernsees nahe dem n�rdlichsten Ende des Neuen Gartens als Heide,
5?36 als Hasenheide bezeichnet wird, wurde 5792 auf Vefehl des K�nigs der Bau einer Grotte in Angriff genommen.
Auch im f)ark von Sanssouci gibt es Grottenbauten, vor allen Dingen die sch�ne Neptunsgrotte gleich rechts von der
Hauptallee zwischen dem Eingang und der Bildergalerie, aber die neue Anlage unterscheidet sich in ihrer ganzen
Vestinlmung dadurch wesentlich von den alten Bauten, da� sie nicht wie jene den Abschlu� einer Aussicht oder
vielmehr Einsicht sein sollte, sondern da� sie dazu diente, von ihr den Ausblick �ber die weite Fl�che des
Jungfernsees auf die gegen�berliegenden Ufer mit ihren H�henz�gen und W�ldern in aller Bequemlichkeit zu genie�en.
Sie sollte auch kein auf den ersten Blick als Kunstwerk mit Statuen und Marmorskulpturen sich pr�sentierendes
Bauwerk sein, sondern als scheinbar in den gewachsenen Stein gegrabenes, von Pflanzen und Gestr�uch �berwuchertes
und im Schatten der Baume sich versteckendes Naturprodukt dem Wanderer sich kundtun. Je einfacher das aus
Rasenstein aufgebaute, an den Abhang eines H�gels sich anlehnende Bauwerk sich den Blicken darstellt, desto �ber-
raschender wirkt die innere Einrichtung, die darauf berechnet war, sie zu l�ngerem Aufenthalte an hei�en Sommertagen
dienlich zu inachen. Die Ausf�hrung wurde dem Gberhofbaurat Ar�ger �bertragen, und wiederum mu�te Sanssouci
beraubt werden, damit die neue Anlage nicht zu teuer w�rde. Die steinernen Ufermauern des Aanals imParke von
Sanssouci wurden ausgebrochen und durch Rasenb�schungen ersetzt, w�hrend die Steine zum Bau der Grotte ver-
wendet wurden, was noch an Vorr�ten von dem Bau des Muschelsaales im Neuen f)alais und der Grotte in
Sanssouci vorhanden war, wurde herbeigeschafft, sogar das (Oranienburger Schlo� mu�te Muscheln, darunter die den
Mittelpunkt bildende Riesenmuschel in, Mittelsaale liefern. Ein langer sich verengender Gang f�hrt in die R�ume,
�
ein gr��erer Mittelsaal und zwei Seitenzimmer, � deren w�nde mit Mineralien und Kristallen oder auch farbigen
Gl�sern ausgelegt sind. Die Decke Hes Mittelraumes wurde von Verona mit V�geln bemalt, und die Fu�b�den von
Marmor angefertigt. Bei geschickter Beleuchtung m�ssen diese R�ume von au�en einen feenhaften Anblick gew�hrt
haben, heute sind sie so gut wie vergessen und werden nicht mehr benutzt. Bei dem wiederholten Verweilen Friedrich-
Wilhelms an dieser Stelle wurde das Bed�rfnis nach einer R�chenanlage dringend, die entfernt genug, um nicht die
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.